Der Ultraleichtspezialist für Mehrtagestouren
VORTEILE
- Sehr leicht
- Sehr gute Ventilation
- Durchdachtes Konzept
- Guter Sitz
- Gutes Verzurrsystem
NACHTEILE
- Keine Hüftflossentaschen
- Taschen am Schulterriemen
- Nur ein Zugang zum Hauptfach
- Keine Organisation im Rucksack
- Robustheit der Meshmaterialien
- Haken statt Klickverschlüsse
BEWERTUNG
Ein ungewöhnliches Konzept im Bereich der 40 Liter Rucksäcke. Großer Wurf für den Berg oder eher für die Tonne, mit dem Sweetwater von Big Agnes?
Technische Daten:
- Masse: 1,2 kg
- Packvolumen: 43 Liter
- Einteiliges Innenraumfach
- Äußere flexible Einschubtasche
- Seitentaschen mit Kompressionsriemen
- Einschubfach für eine Trinkblase
- Hüftflossen, aber ohne Taschen
- Zugang nur von oben
- Halterung für Wanderstöcke und Eispickel
- Brustgurt
- Deckelfach mit außen- und innenliegender Reißverschlusstasche
- Einsatz von Haken, statt Klickverschlüsse
- 3 einstellbare Rückenlängen + 3 grundsätzliche Größen (S/M/L)
- Regencover
Von der Ausstattung her ist der Rucksack als erweiterter Ersatz einer Laufweste gedacht. Entsprechend sind Hüftflossen als auch die Schulterriemen deutlich dünner gepolstert und flexibler als bei Rucksäcken dieser Größe üblich. Nichtsdestotrotz sollen so kleine Mehrtagestouren wie bei Hüttenwanderungen mit dem deutlich reduzierten Gewicht kombiniert werden.
Test im Alltag:
Ich konnte den Sweetwater für meine mehrtägige Tour durch die Dolomiten diesen Sommer testen. Was als Erstes auffällt, ist das wirklich reduzierte Gewicht! Knapp ein halbes Kilo weniger als vergleichbare Rucksäcke bringt der Sweetwater auf die Waage und gibt damit klar die Marschrichtung vor – UltraLight ist hier mehr als nur Werbeslogan.
Die Größe ist mit 43L in meinen Augen gut gelungen. Hüttenschlafsack, Klettersteigset, Helm, Wechselsachen, Wanderstöcke, Trinkblase und diverse Snacks sowie „Sonstiges“ passen für eine solche Tour wie gemacht in den Rucksack. Hier offenbart sich allerdings auch schon der erste Kompromiss – wenn man an etwas ganz unten will, bedeutet das auch, dass man den Rucksack komplett ausräumen muss.
Ein frontaler oder seitlicher Zugang über Reißverschlüsse ist nicht vorhanden. Während für die Trinkblase wenigstens ein Einschubfach existiert, bleibt für den Rest nur eigene Organisationsmöglichkeiten in Form von Taschen packen. Mit etwas Umgewöhnung (was benötige ich auf dieser Etappe wirklich dringend?) tut einem das aber auch keinen Abbruch.
Sehr angenehm ist das große umspannende Netz außen, welches viel Platz für Sonnencreme, Erste-Hilfe-Set und dergleichen ermöglicht.
Wiederum dem Gewichtswahnsinn zum Opfer gefallen sind Taschen in den Hüftflossen. Taschenmesser, Sonnenbrille, kleine Snacks oder das Handy lassen sich leider nicht auf die Schnelle verstauen. Das wiederum konnte ich weniger verschmerzen, da ich nicht für jede Kleinigkeit den Rucksack ab und wieder aufsetzen möchte, dem aber unweigerlich ausgesetzt war. Der Hüftgurt sitzt satt und kann dank der einstellbaren Rückenlänge, als auch der beiden Spannriemen sehr gut positioniert werden.
Ein Kapitel für sich sind die Schulterriemen. Dort untergebracht sind zwei offene Netztaschen, in denen Sonnenbrille oder Handy untergebracht werden kann. Das Ganze ist als Idee nicht schlecht, kombiniert sich aber mit den sehr flexiblen und dünnen Schulterriemen nicht gut. Es kam bei mir mehr als nur einmal vor, dass diese sich verdreht haben beim Aufsetzen. Insbesondere mit Gegenständen in den Netztaschen ärgerlich, das wieder zu richten.
Auch mangelt es den Netztaschen an einem Verschluss, der das Rausrutschen verhindert. Da der Gummizug am Anfang des Netzes eher weich ist, weitet sich dieser und bescherte mir so den Verlust eines Taschenmessers in den Dolomiten… Ein Klettverschluss oder anderer Verschluss jener Taschen mit etwas mehr Steifigkeit und weniger Eigenleben würden den Schulterbereich erheblich verbessern.
Der Tragekomfort ist mit klassischen Kraxen vergleichbar. Die Rückenpartie ist ein fester Kunststoff, der dem Rucksack seine grundsätzliche Form gibt. Der Rest ist „angenäht“ und sehr flexibel. Wenn man schlecht packt und Gewicht und Volumen zu stark auf eine Seite konzentriert, kann der Rucksack das nicht ausgleichen/abfangen, sondern beult sich dann auch entsprechend in die Richtung aus.
Auch hier gilt also, ordentliches Packen schützt vor bösen Überraschungen. Die Ventilation und Schweißabfuhr sind hingegen phänomenal. Die Materialien liegen auf Jacke oder Shirt angenehm an und ermöglichen eine sehr gute Durchlüftung und Schweißabtransport.
Was ebenfalls noch besonders zu erwähnen ist, ist das Verzurrsystem. Wie erwähnt ist der Rucksack selbst eher flexibel als starr, bietet mit seiner Verzurrung dadurch aber einen spannenden Vorteil. Egal ob im nur leicht gefüllten oder vollen Zustand, kann ich den Rucksack dank des äußeren Zurrbandes so zusammenziehen, dass sich dieser so eng wie möglich an die Rückenplatte anschmiegt.
Da das Zurrsystem aus 3 Teilen besteht (2x Seite zur Mitte + Mitte nach oben) und auch noch in den Ösen variiert werden kann, lässt sich der Rucksack auch mit nur ~20l Befüllung eng zusammenschnüren. Das ließ sich auf kleineren Klettersteigetappen hervorragend umsetzen, wenn Klamotten und Schlafsack schon auf der Hütte verbleiben konnten.

Fazit:
Dieser Rucksack ist wirklich leicht und für Menschen mit Geschwindigkeitsrekordambitionen beim Wandern, die trotzdem einiges an Sachen zu schleppen haben, in meinen Augen eine vortreffliche Wahl.
In meinen Augen trübt aber der Komfortverlust (Organisation des Innenfachs, keine Hüftflossentaschen, kein Außenzugang, offene Schulterriementaschen) die Erfahrung für mich, wenn es um klassisches Wandern geht. Auch geht ein Teil des Gewichtsvorteils für zusätzliche Packtaschen drauf, die für die neuerliche Organisation notwendig sind.
In diesem Sinne ist der Rucksack weniger ein Allrounder, als eher ein Spezialist, der sich am liebsten an erfahrene Rücken heftet, die wissen, wie man packt und hinsichtlich ihrer Reisegeschwindigkeit ein klares Ziel vor Augen haben – denn dann erfüllt er diese Aufgabe gut.