Heißer Tee statt eingefrorenem Trinken, Luxus auf Hochtouren
VORTEILE
- hohe Isolationswirkung (nach 12 h noch 55 °C)
- Verschluss schließt auch bei Überdruck gut ab
- sehr robust, hält Stürze aus
- isolierender Kunststoffgriff, kein kaltes Metall
- kann mit Karabiner gegen Verlust gesichert werden
- leicht zu reinigen, dank der großen Öffnung
NACHTEILE
- hohes Gewicht (477 g)
- der Deckel isoliert nicht optimal
- ohne Tasse, Verbrennungsgefahr
- Isoliert schlechter als emsa- u IKEA-Flasche
- Silikonring aus Deckel kann verloren gehen
- Dichtungsring schwierig zu entnehmen (Reinigung)
BEWERTUNG
Diese Flasche soll heißes oder kaltes Trinken möglichst lange nahe an seiner ursprünglichen Temperatur halten. Doch ist es beim Bergsteigen schon ein enormer Vorteil, wenn einem das Trink- und Kochwasser nicht über Nacht in der Flasche gefriert. Natürlich kann man den Tag mit Schneeschmelzen beginnen, oder die Trinkflasche mit all den anderen Sachen, wie Kleidung, Innenschuhen, Gaskartuschen, Batterien, Akkus usw., die getrocknet oder warm gehalten werden müssen, in den Schlafsack tun. Doch ist das umständlich und kostet Zeit. Und selbst tagsüber ist mir mitten im Schneesturm schon das Trinken im Rucksack eingefroren. Andererseits kann man sich am Tee in einer Flasche, die so gut isoliert wie diese, auch ganz schnell mal die Zunge verbrennen.

Anwendungsbereich
Bergsteigen: Ich habe jetzt seit einigen Jahren eine Hydro Flask in meiner Ausrüstung für Winter- und Hochtouren. Seit dem ist mir nicht einmal das Trinken eingefroren. Somit geht weniger Zeit und Arbeit für die Wasserversorgung drauf. Zudem schätze ich mittlerweile den Luxus von ganztägig heißen Getränken bei ungemütlichem Wetter am Berg. Auch die Druckunterschiede durch die zurückgelegten Höhenmeter verkraftet die Hydro Flask. Bei einem Überdruck läuft nichts aus und bei einem Unterdruck lässt sie sich mit etwas Gewalt öffnen, wobei lediglich der Dichtungsring aus Silikon auf dem Deckel fallen und verloren gehen kann.
Wandern, Paddeln und Angeln: Wenn es draußen nicht allzu kalt und windig ist, brauche ich eigentlich nichts Warmes zu trinken. Beim Angeln stehe ich aber lange an einem Ort und bewege mich nicht allzu sehr. Hier kann einen ein heißer Trunk schon mal gut durch den Tag bringen. Zudem muss die schwere Flasche ja nicht umhergetragen werden. Auch bei Touren mit einem Boot oder einem festen Lager habe ich sie derzeit gerne dabei.
Strand: Bei besonders heißem Wetter kann die Hydro Flask wieder ihre Stärken ausspielen. Getränke bleiben in ihr natürlich ebenso länger kalt. Auch zwei schön kalte alkoholfreie Weizen finden in ihr vorrübergehend Platz und halten die Kohlensäure recht lange. CO2 ist nämlich im Kalten besser löslich und mit Überdruck kommt die Flasche auch gut klar. Und wird das Getränk mit Eiswürfeln ergänzt, bleibt es nahezu ewig kalt.
Material
Die Flasche selbst ist aus doppelwandigem Edelstahl gefertigt. In der Kammer dazwischen ist ein Vakuum. Dieses isoliert hervorragend, ohne dabei etwas zu wiegen. Der Deckel ist aus Kunststoff. Nach einem harten Sturz auf steinigen Boden hat meine 1.2 L Flasche eine tiefe Delle und Kratzer am unteren Rand. Die ist jedoch nach wie vor dicht und funktionsfähig.
Gegenüber anderen Trinkflaschen ist eine doppelte Wand aus Edelstahl natürlich sehr schwer. Die 1.2 L Hydro Flask wiegt gegenüber der 1 L Kunststoff-Nalgeneflasche auf ihr Volumen bezogen das 2.5-fache.
Nutzen Kosten Rechnung
Es gibt die Hydro Flask in verschiedenen Größen. Da sich deren Formen aber nicht wirklich unterscheiden, ist das Oberflächen- zu Volumenverhältniss (A/V) bei den größeren Flaschen besser. Die Oberfläche ist nämlich die Grenzfläche zur Umgebung, an der ein Wärmeaustausch unterbunden werden soll. Je kleiner diese im Verhältnis zum Volumen ist, desto besser. Optimal dafür wäre eine Kugelform, sprich je niedriger und breiter die Flasche ist, desto besser.
Um den Effekt des A/V-Verhältnisses auf die Fähigkeit die Temperatur des Inhaltes möglichst lange aufrecht zu erhalten zu testen, habe ich einen Versuch mit der 1 L und der 1.2 L fassenden Hydro Flask durchgeführt. Meine Annahme damals beim Kauf der 1.2 L Variante war zum einen die, dass diese besser isolieren dürfte und zum anderen die, dass sich das Extragewicht eher lohnt, wenn das Gewichts zu Volumenverhältnis möglichst klein ist. Sprich, ich habe dann wenigstens einiges an trinkbarer Flüssigkeit, für das sich der Aufwand lohnt.
Die A/V-Verhältnisse: 1 L Variante: 77.75 m^2/m^3 --- 1.2 L Variante: 77.45 m^2/m^3
Die Gewichts zu Volumenverhältnisse: 1 L Variante: 502 kg/m^3 --- 1.2 L Variante: 450 kg/m^3
Letztlich hat das A/V-Verhältnis aber keinen relevanten Einfluss auf die Isolation und schwer sind die Flaschen auch beide. Zerbrecht euch also nicht zu sehr den Kopf über solche Details und schaut einfach, ob euch der Luxus die 477 g der Flasche wert ist. Achtet lieber auf Tipps wie diesen: Lagert die Flasche im Rucksack stets aufrecht, sodass die Flüssigkeit keinen Kontakt zum Deckel hat. Dieser ist die Schwachstelle an der Rundumisolation.
Daten
Gewicht: 477 g
Volumen: 950 mL
Oberfläche: 777.5 cm^2
Versuch zur Isolation
Um das tatsächliche Wärmerückhaltvermögen zu bestimmen habe ich mal ein paar Versuche mit der Flasche gemacht. Dabei wurde sie jedes Mal mit sprudelnd kochendem Wasser befüllt, verschlossen und bei Raumtemperatur stehen gelassen. Die Temperatur der Füllung wurde regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg gemessen. Zu sehen ist tatsächlich, dass sich der Inhalt bei einer geringeren Außentemperatur schneller und bei einem größeren Flaschenvolumen langsamer abkühlt. Dieser Unterschied ist aber vernachlässigbar klein. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Flasche heiße Getränke über einen sehr langen Zeitraum heiß bzw. warm hält. Das etwa 95 °C heiße Wasser hatte nach 6 h ca. 70 °C, nach 12 h um die 55 °C und nach 24 h immer noch an die 40 °C. Die Temperaturzeitprofile über 12 und 24 h siehst du hier:


Versuche zum Vergleich
Um das Wärmerückhaltvermögen der Hydro Flask einordnen zu können, habe ich einen Versuch zusammen mit Flaschen von emsa und IKEA durchgeführt. Dabei wurden alle Flaschen zeitgleich mit sprudelnd kochendem Wasser befüllt, verschlossen und für über 12 h im Kühlschrank stehen gelassen. Die beiden Flaschen von Hydro Flask schneiden dabei nicht schlecht ab, beträgt die Wassertemperatur nach über 12 h bei einer Umgebungstemperatur von 6 °C immerhin noch um die 50 °C. Jedoch hat das Wasser in der vergleichbar großen emsa-Flasche noch 67 °C und das der IKEA-Flasche sogar noch 70 °C. Sogar das in der 0.5 L emsa-Flasche ohne Tasse auf dem Deckel ist mit 54 °C noch wärmer. Ob einem da das Können der Hydro Flask ausreicht, muss ein jeder selbst beurteilen. Zudem haben die anderen Flaschen einen Becher dabei, der das Trinken ohne sich zu verbrennen deutlich erleichtert.

Grund für die vergleichsweise schlechte Leistung der Flaschen von Hydro Flask ist meiner Meinung nach der Deckel. Dieser ist deutlich breiter und flacher als der der anderen und wird merkbar warm. Eine so weite Öffnung erleichtert zwar das Befüllen und Reinigen, lässt aber auch die Wärme raus. Links ist der Deckel der Hydro Flask mit dem herausgenommenen Dichtungsring, rechts der der 1L IKEA-Flasche zu sehen.
Resümee
Zwischen einfachen Trinkflaschen aus Kunststoff und Metall auf der einen und Faltflaschen sowie Trinksystemen auf der anderen Seite hat die Hydro Flask einen festen Platz in meiner Ausrüstung gefunden. Doch ist es jedes Mal abzuwägen, ob die Vorteile der Isolation den Nachteilen des größeren Gewichst überwiegen. Meist entscheide ich das für jede einzelne Tour ganz spontan. Auf Touren ins Kalte und Nasse hat sie mich aber absolut überzeugt und hier möchte ich sie auch nicht mehr missen. Wer jedoch nach einer günstigen Alternative sucht, der muss nicht zwingend an etwas Schlechteres geraten.