Kompaktes Multitool mit sehr gutem Bithalter
VORTEILE
- Bithalter (Fullsize - keine flachen Bits)
- scharfes, schnitthaltiges Messer
- sehr kompaktes Format
- solide und wertige Verarbeitung
- guter Preis
- kein Kunststoff, alles Metall und trotzdem leicht
NACHTEILE
- Flaschenöffner untauglich
- kein Gürtelclip / Tasche / Kordelbefestigung
- Hammerfunktion eher gefährlich
BEWERTUNG
Als Outside-Stories Produktscout bekam ich das Gerber Armbar Drive zum Testen zur Verfügung gestellt. Die Marke Gerber gehört zur Herbertz Messerwelt, wie viele andere bekannte Messermarken. Ein Blick auf die Homepage www.herbertz-messerclub.de lohnt einmal, ich war überrascht.

Das Mini-Multitool hat mich nun 6 Wochen jeden Tag begleitet und musste somit die ein- oder andere Prüfung bestehen. Es wurde definitiv nicht geschont, hat sich aber wacker geschlagen. Da ich immer ein Multitool mit mir führe, war es für mich klar, dass ich dieses Tool testen musste.
Die Zeit ist nicht ganz spurlos an dem Tool vorbeigezogen, das orange eloxierte Seitenelement hat etwas Farbe lassen müssen. Dies liegt vor allem daran, dass es sich eine Hosentasche mit meinem Schlüsselbund teilen musste. Verglichen mit dem Multitool, welches ich sonst bei mir trage, ist das Gerber Armbar Drive deutlich kompakter, was mit dem kleineren Funktionsumfang zusammenhängt. Keine Zange und keine Säge, allein diese beiden „fehlenden“ Funktionen ermöglichen es, deutlich kompakter zu bauen. Ehrlich gesagt habe ich in der ganzen Zeit lediglich die Zange wenige Male vermisst.
Bedenke ich jedoch den Größen- und Gewichtsunterschied, muss ich sagen, dass ich damit gut leben kann. Denn - und das muss man klar herausstellen - ein Tool, welches ich bisher in keinem anderen brauchbaren Multitool vorgefunden habe, ist der „Fullsize“-Bithalter.

Das Gerber Armbar Drive ist ein kleines Multitool, mit minimiertem Funktionsumfang, aber einem ebenso kleinem Maß. Dadurch schiebt es sich in eine Nische, die nicht von vielen Herstellern bedient wird. Mit zusammengefalteten Maße von gerade einmal 90 x 19 x 18 mm und einem Gewicht von 91 g hat es eine ähnliche Größe wie ein Schweizer Offiziersmesser. Verglichen mit dieser Bauform verzichtet das Gerber Armbar Drive jedoch auf Kunststoffschalen und besteht komplett aus Metall.


Alle Funktionen haben definierte Einrastpunkte und Parkpositionen, das garantiert, dass keines der Tools einfach aufklappt oder während der Benutzung ungewollt einklappt.
Ein etwas futuristischer, nicht zu langweilig wirkendes Design wertet das Gerber Armbar Drive zudem auf. Etwas kantig, aber doch irgendwie Rund; offen und doch geschlossen; definierte Ecken, aber keine scharfen Kanten.

Das Armbar Drive kommt in einem stabilen Pappkarton mit etwas spärlichen Hinweisen auf den Funktionsumfang. Im Inneren befand sich noch eine allgemeine Warnung und Garantiebeschreibung. Demnach hat das Multitool in Deutschland eine 25 jährige Garantie, was sich in dieser Preisklasse sehen lassen kann! Eine Erklärung der Funktionen fehlte leider. Etwas Licht ins Dunkel bringt hier das Herstellervideo. (siehe auch Testbericht von hinz.und_kunz)
Im Folgenden einmal eine Übersicht über die vorhandenen Funktionen des Gerber Armbar Drive:
1. Messer
Mit einer Klingenlänge von 66mm und einem glatten Schliff hat das Messer eine gute Größe, nicht unhandlich groß, aber auch nicht zu klein. Für Arbeitsaufgaben wie das Schneiden von Lebensmitteln, Textilien oder Schnitzen von Holz eignet es sich sehr gut. Die Klinge ist scharf und schnitthaltig. Nach den 6 Wochen konnte ich noch keine Einbußen der Schnitthaltigkeit feststellen. Die Klinge besteht aus 5cr15MoV, einem korrosionsbeständigem Stahl mit mittlerer Härte. Das heißt, man sollte die Kante nicht mit zu harten Materialien überstrapazieren. Dafür lässt es sich recht leicht nachschärfen. Dieses Material findet sonst häufig Verwendung in Küchenmessern.

Das Messer liegt auch für Schnitzeinlagen recht gut in der Hand. Natürlich ist es dadurch noch lange kein Schnitzmesser, aber seinen Zangenkollegen ist es hier meilenweit voraus. Zu große Hände sollte man natürlich auch nicht haben, aber das erklärt sich wohl von selbst, da das Messer auch nicht riesig ist.
Die Klinge rastet ausgefahren ein und verriegelt automatisch. Zum Schließen muss der „unlock“ Button gedrückt werden und das Messer lässt sich zurückdrücken. Aufgrund des Schlitzes in der Messerwand lässt es sich einhändig öffnen und verschließen. Für viele Aufgaben im Alltag finde ich das recht praktisch, da man ggfs. keine zweite Hand zur Verfügung hat. Jedoch sollte man die rechtliche Seite bedenken, zu der ich unten noch ein paar Worte anfüge.

2. Bithalter
Für mich ist der Bithalter das Keyfeature dieses Multitools. Man kennt andere Multitools mit festen Schraubendrehern und somit begrenzten Größen oder anderen Bithaltern mit flachen Bits, bei denen man dann weitere Bits teuer zukaufen muss. Das Armbar Drive nimmt handelsübliche Bits auf.

Eingerastet werden diese Bits über einen Magneten, also sollte drauf geachtet werden, dass keine Edelstahl Bits (eher selten) benutzt werden, da diese wieder herausfallen würden. Gerade zum Biken oder als Arbeitshilfe ist der Bithalter ein Gamechanger. Kleine Bitsätze (im Video bspw. von Würth) gibt es unzählige und im Notfall nimmt man sich nur die benötigten Größen mit.


So brauche ich fürs Bike größtenteils Torx und Inbus, also packe ich die gängigen Größen in meinen Rucksack und habe neben meinem Biketool immer noch einen zweiten Schlüssel zum Kontern parat. Was mich echt überrascht hat, ist die Möglichkeit den Bithalter auch angewinkelt verwenden zu können. Das Drehgelenk hat dabei eine sehr passende Festigkeit, der Bithalter hält sehr gut an positionierter Stelle, ist aber auch nicht zu schwergängig. Der Bithalter so steif konstruiert, dass man das Multitool ähnlich einem T-Schlüssel verwenden kann und so richtig Kraft auf die Schraube aufbringen kann. Gerade das Lösen von festen Schrauben wird so im Handumdrehen erledigt (wortwörtlich).

3. Ahle
Die Ahle befindet sich zwischen Schere und Bithalter. Zum Öffnen gibt es auf der Oberseite eine Fingerkerbe, bei der ich mich jedoch etwas schwer tue und stattdessen einfach über die Spitze öffne, indem ich vorher den Bithalter etwas anlupfe.

Einmal in Position gebracht hält auch die Ahle ihre Position. Für Löcher in Leder, Kunststoff oder sogar Blech taugt sie recht gut. Aber auch im Holz kann man mit ihr etwas „vorbohren“, sodass sich eine Schraube nachher einfacher mit dem Bithalter eindrehen lässt. Bei Spax-Schrauben reicht ja oft, dass die Spitze ihre Position hält, das kann die Ahle gut vorbereiten.

4. Schere
Ähnlich wie bei der Ahle fällt mir das Öffnen über die Spitze etwas leichter. Einmal aufgeklappt muss die Schere einmal überdreht werden, um sie in Arbeitsstellung zu bringen. Ein kleiner Federdraht drückt die Schere zurück in eine leicht geöffnete Stellung.


Die richtige Schneidleistung der Schere fängt bei mir ungefähr in der Mitte an, da hier der Gegendruck aufgebaut wird. Gesamt hat die Schere eine Schneidenlänge von 25mm. Etwas Papier, Faden oder dünner Kunststoff lassen sich mit der Schere gut schneiden. Limitierender Faktor ist neben der Klingenlänge auch der Hebelarm. Hier ist gerade so viel Platz zum drücken, dass mit einem Finger etwas gedrückt werden kann. Für kleine Schneidaufgaben aber ein gutes Tool.
5. Hammer, Hebel, Öffner
Als fünftes und letztes Tool kommt ein Multitool im Multitool. Ehrlich gesagt habe ich nur die Funktion des Flaschenöffners auf Anhieb erkannt, der Rest kam dann durch das Herstellervideo zum Licht.

Eingeklappt soll das Ende des Tools als Hammer fungieren. Bei einem etwas größeren Multitool mit einer ähnlichen, aber doppelt so langen Schlagfläche habe ich diese Funktion bereits abgeschrieben, hierbei sieht es leider ähnlich aus. Die Idee ist gut gemeint, aber für mehr als einen 2mm Nagel reicht es nicht und selbst dabei überwiegt die Wahrscheinlichkeit der Selbstverletzung, als der, dass man den Nagel sauber einschlägt. Für mich eher nice to have but not to use…

Aufgeklappt folgt an der langen Kante die Funktion als „Brecheisen“. Als kleiner Hebel sicher zu gebrauchen, aber auch hierbei wieder nicht als ernstzunehmendes Werkzeug. Das liegt noch nicht einmal an der Verarbeitung oder Haltbarkeit, denn diese ist hervorragend. Man könnte gut mit der Kante hebeln, sowohl der Kante als auch der gesamten Klappmechanik traue ich das locker zu. Leider ist das Tool aber einfach zu klein für einen sinnvollen Gebrauch, bis auf wenige Sonderfälle.

Zuletzt kommt der Flaschenöffner, der als letzter in der Reihe ebenfalls meiner Meinung nach völlig versagt. Flaschen öffnen mit diesem Öffner nicht mit einem Plopp, sondern durch aufdrehen des Kronkorkens (siehe mein Video). Das ist einerseits Mühsam und andererseits völlig unnötig. Da das gesamte Tool aus Metall und äußerst robust gefertigt ist, kann man bedenkenlos mit jeder beliebigen Kante seine Flasche öffnen, das ist a) schneller und b) kommt der gewünschte Plopp-Moment. ;)
Somit hat die 5. Funktion für mich leider völlig versagt.
Ein Minuspunkt, der mir zudem noch auffiel, ist das Fehlen eines Gürtelclips oder einer Kordelschlaufe. Bei mir musste das Multitool unweigerlich in eine Tasche zusammen mit meinem Schlüsselbund. Durch die kompakte Größe ist ein Verlust des Tools nicht ausgeschlossen und man merkt es vermutlich noch nicht einmal. Ich hätte mir eine kleine Öse für eine Kordel und einen Gürtelclip gewünscht. Andere Tools platziere ich zwar auch in der Hosentasche, nutze jedoch den Gürtelclip, um das Tool am Taschenrand zu befestigen. So kann ich schnell drauf zugreifen, ohne die Tasche zu durchsuchen und es ist noch etwas besser gesichert.
In einem kurzen Video gebe ich Euch einen kurzen Überblick über das Gerber Armbar Drive:
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Fazit:
Trotz der letzten zwei Einschränkungen ein tolles Multitool. Durch seine kompakten Maße und wertige Verarbeitung konnte es bei mir Punkten. Der vollwertige Bithalter setzt dem Ganzen die Krone auf. Eine Öse und ein Gürtelclip statt des Hammeröffners hätte dem Tool 5 Punkte eingebracht, so sind es immerhin noch stolze 4 Punkte.
Über den rechtlichen Teil muss man sich bewusst sein.
Rechtliches:
Gemäß § 42a I Nr.3 WaffG ist das Führen von Messern mit einhändig feststellbarer Klinge verboten. § 42a II WaffG und § 42a III WaffG regelt Ausnahmen.
Aufgrund des eingelassenen Schlitzes in der Klinge verstehe ich das Messer als einhändig zu öffnen und feststellbar, wodurch es unter das Führungsverbot fällt.
Dieser Hinweis gilt nicht als verbindliche Rechtsberatung und soll nur zum selber nachforschen anstiften. ;)