Für ein einfaches Schweißtuch ist es ziemlich episch
VORTEILE
- hochwertige Materialien
- absolut perfekt verarbeitet
- saugstarker Baumwollbesatz
- wasserdichte und atmungsaktive Membrane
- als Sitz- und Knieunterlage geeignet
- als Sonnen- und Regenhut geeignet
NACHTEILE
- ich schwitze darunter mehr als am Rücken
- zusätzliches Gewicht (41 g)
- kann beim Laufen verloren gehen
BEWERTUNG
Schräge Sache, ist aber einen Blick wert. Selbst schwitze ich nicht viel und da ich bei meiner Ausrüstung oft nur auf Gewicht und essentielle Funktionen schaue, wäre ich von selbst nie auf die Idee gekommen, mir ein Schweißtuch zuzulegen. Für all jene, die körperliche Anstrengungen nicht voll genießen können, weil ihnen dabei der Schweiß den Rücken herunter rinnt und sie später stinkende oder nasse Kleidung heim tragen müssen, dürfte es sich aber sowas von lohnen.
Funktion
Dieses Tuch nimmt halb in die Hose gesteckt und umgeklappt herablaufenden Rückenschweiß auf und hält ihn von der Hose fern. So kann nach der Anstrengung das Shirt gewechselt und das Fetzerl entfernt, alles separat getrocknet und die trockene Bekleidung genossen werden.
Das Fetzerl ist daher auf Leute ausgelegt, die sehr viel Schwitzen, was sich unter einem Rucksack auch oft nicht vermeiden lässt. Zudem ist mit 41 g etwas zusätzliches Gewicht, was aber einen gewissen Luxus mit sich bringt. Es trocknet auch relativ gut, was es sogar für mehrtägige Touren interessant macht.
Bei mir kommt zwar auch etwas Schweiß auf, der sehr gut aufgenommen wird. Jedoch isoliert das Fetzern natürlich auch ganz gut, was dazu führt, dass ich vor allem darunter zu schwitzen beginne.
Materialien
Das Obermaterial ist zu 97 % aus Baumwolle. Diese ist besonders gut zur Feuchtigkeitsaufnahme geeignet, braucht jedoch auch etwas Zeit um wieder zu trocknen und kann schon mal nach zwei drei Tagen anfangen zu stinken.
Als Zwischenschicht schützt eine wasserdichte und atmungsaktive Membran der Schweizer Firma Schoeller Textil AG den darunter verborgenen Hosenbund. Die Atmungsaktivität ist hier weniger entscheidend. Vielmehr geht es bei der Membran darum, dass sie absolut dicht und zugleich in beide Richtungen elastisch ist. Das sorgt für einen anständigen Tragekomfort. Die Membran selbst bleibt zwar die ganze Zeit über absolut wasserdicht (4), jedoch verändern sich die Isolation (2) und die Atmungsaktivität (3). Wird die c_change Membran wärmer, so weitet sich ihre Polymerstruktur, wodurch sie weniger isolierend und stärker atmungsaktiv wird. (Die Analogie des Herstellers mit dem Tannenzapfen ist dabei irreführend, weil Tannenzapfen auf Feuchtigkeit und nicht auf Wärme reagieren.)
Das Untermaterial ist stabil, schützt die Membran und ermöglicht so weitere kreative Verwendungen des Fetzerls.

Daten
Gewicht: 41 g (selbst gemessen)
Maße: ca. 30 x 26 cm (selbst gemessen)
Packmaß: 8 x 7 x 3 cm (selbst gemessen)
Materialien: Saugschicht aus 97 % Baumwolle und 3 % Elastan; wasserdichte, atmungsaktive und elastische Schöller Membran aus 6 % EL, 42 % PU, 52 % PA
Größen: Einheitsgröße
Farben: blau, grün, grau, pink, türkis, rot
Bedrucke: GipfelstürmerIn oder nach Wunsch
Wäsche: bei 40 °C mit Feinwaschmittel, ohne Trockner, ohne Bügeln
Optik und Haptik
Das Fetzerl gibt es zwar in verschiedenen Farben, sogar mit Aufdrucken nach Wunsch und auf Werbefotos ist es auch immer gut zu sehen. Bei mir verschwindet es aber stets unter Shirt und Jacke. Es fällt daher nicht unbedingt auf und stellt so eine diskrete Maßnahme da, seinem Schweiß etwas entgegen zu setzen.
Das Fetzerl selbst fühlt sich unglaublich hochwertig und robust an. Im Hosenbund stört es aber nicht, da es sehr dünn, weich und elastisch ist. Es polstert ein wenig und hilft mir persönlich mehr gegen das Drücken und Scheuern eines schweren Rucksacks, als gegen den Schweiß.
Da das Fetzerl so klein, leicht und unauffällig ist kann es auch schnell verloren gehen. Mir ist es beim Trailrunning im Harz einfach aus der Hose unterm Rucksack gefallen und nur das wachsame Auge eines Freundes konnte den endgültigen Verlust verhindern. Um es mit einer kleinen Schnur sichern zu können befindet sich im angenähten Schild eine Lochniete.
Dual Use
Da das Fetzerl aus robusten Materialien besteht und dank der Membran wasserdicht ist, eignet es sich hervorragend als Sitzunterlage. Oft findet sich draußen kein wirklich sauberer und trockener Platz für eine Pause, oder es ist nötig sich am Lagerfeuer auf den nassen Boden zu knien, um dieses zu entfachen. Hier kann das Fetzerl mit der Baumwollseite nach oben Abhilfe schaffen.
Aufgrund seiner Größe lässt sich spontan ein Sonnen- oder Regenhut daraus basteln. Mit einer Schnur um den Kopf gebunden sieht es etwas unkonventionell aus, funktioniert aber.
Selbst als Wundauflage zum Stillen von Blutungen wäre es denkbar. Es ist saugfähig und dicht, jedoch nicht steril. Eine zu kleine sterile Wundauflage kann hiermit aber problemlos ergänzt werden.
Meine Erfahrungen
Ich habe das Fetzerl neben gelegentlichen Einsätzen im Alltag, Training oder Tagesausflügen vor allem zwei Mal so richtig getestet. Das eine Mal beim Trailrunning im Okertal im Harz. Das andere Mal ein paar Tage später beim langen Zustieg zum Grand Combin in der Schweiz.
Beim Trailrunning mit relativ wenig Gepäck habe ich das Fetzerl nicht wirklich gebraucht. Ich schwitze nur wenig und wenn, dann am ganzen Körper. Zudem bin ich niemand, der Wechselklamotte schätzt. Ich spare mir lieber das Gewicht und stinke dann für ein zwei Wochen. Oder bis ich mich im nächste eiskalten Bach wasche. Das Fetzerl störte aber auch nicht. Ich merkte es so wenig, dass ich es einfach verlor. Ein Freund sammelte es hinter mir auf und drückte es mir dann bei der nächsten Pause in die Hand.
Auf einem Hochtourenabschnitt, dem langen und beschwerlichen Zustieg zum ersten Camp am 4000er Grand Combin in der Schweiz, zahlte sich das Fetzerl aus. Es saugte etwas Schweiß auf, polsterte aber vor allem zusätzlich. Die polsternde und vor Reibung schützende Wirkung kam wirklich gelegen, jedoch schwitzte ich vor allem unterm Fetzerl selbst. Im Camp angekommen hab ich es erstmal vergessen und später abends dann heraus genommen und getrocknet.
Ich denke, dass es bei Benutzung gegen Verlust gesichert werden und zwischendurch mal getrocknet werden sollte. Für mich ist es jedoch nichts. Nichts desto trotz werde ich in meinem Freundeskreis sicher jemanden finden, der sich über dieses Geschenk freuen wird.
Resümee
Das Fetzerl ist nicht essentiell und auch nichts für Spitzensportler, aber den Anspruch erhebt es auch nicht. Es ist vielmehr ein kleines gut handhabbares Extra, dass starken Rückenschwitzern ein wirklich gutes Gefühl geben kann. Beim anstrengenden Aufstieg am Berg vergisst man es schnell und beim Abstieg findet es neben Stirnband und Wechselshirt sicher noch einen Platz im Tagestourenrucksack. Und wer so stark schwitzt, dass es sogar eine Wechselhose mit auf Tour oder in den Urlaub nimmt, der kann sich hiermit die Wechselsachen und damit noch Gewicht und Packmaß sparen.