Rückenschonendes Mini-Abschleppsystem für Kleinkinder
VORTEILE
- sehr klein und leicht
- sehr gute Verarbeitung
- angenehmer Griff
- Bedienung
- praktisch
- schönes Design
NACHTEILE
- Befestigung mittels Klett, Metalschelle wäre besser
- Sollte nicht unbeaufsichtigt von Kindern verwendetwerden
- nur für die ganz Kleinen unter 25kg (inkl. Fahrzeug)
BEWERTUNG
WAS STECKT HINTER DER IDEE ZUM BIKEZIPPER?
Die Idee zum Bikezipper kam dem Murnauer Ingenieur Mischa Distel, als er seinem Sohn das Fahrradfahren beibrachte. Der dreifache Familienvater musste den kleinen Mann bei steilen Passagen immer an Rücken anschieben. Dazu musste er sich immer hinunterbeugen, was eher unangenehm und nicht gerade rückenschonend war. Ein weiterer Beweggrund, welcher Distel inspirierte, war es, dass noch mehr Menschen das Fahrrad als wichtigstes Verkehrsmittel wahrnehmen und nutzen und so auch die Kinder ganz selbstverständlich damit aufwachsen. Dazu gehört aber auch Kinder anfangs zu unterstützen, wenn es mal schwieriger vorangeht um ihnen so den Einstieg in ein Leben mit dem Rad als Hautfortbewegungsmittel zu erleichtern. Nach dem ersten Konzept und der Entwicklung von Prototypen startete er eine Kampagne auf Kickstarter um sein Konzept verwirklichen und vermarkten zu können. Nachdem erfolgreichen Launch auf Kickstarter, ist der BikeZipper jetzt auch direkt käuflich zu erwerben.
WAS BIETET DER BIKE ZIPPER?
Laut Distel lag bei der Entwicklung der Fokus auf einem flexiblen System, das jederzeit dabei ist und ohne Anhalten aktiviert werden kann. So ist der BikeZipper eine echte Alternative zu den gängigen Abschlepp-Systemen wie TowWhee, TraxxMTB oder kommit.

Der Bike Zipper besteht aus einer Rolle mit einem 1,20 Meter langen Kunststoffseil, einem Gehäuse mit Rückholfunktion, einem Korkball als Griff und einem Klettverschluss zum Befestigen am Fahrzeug. Egal, ob es sich um ein Fahrrad, Laufrad, Roller oder sonstige Fahrzeuge für die Kleinen handelt. Die Befestigung ist dank des Klettbands mit wenigen Handgriffen in kürzester Zeit erledigt. Zunächst wird ein selbstklebendes Klettband zentral am Lenker oder Vorbau befestigt. Anschließend wird der bikeZipper auf dem Klettband positioniert und festgedrückt. Zum Schluss wird das Gehäuse in die richtige Position gedreht.

Laut Distel hält das extrem dünne Steil aus einem speziellen und widerstandsfähigen Material einer Belastung vom max 25kg bzw. einer maximalen Zugkraft von 120N stand, es ist also eher für die kleineren Kinder gedacht. Die Reißfestigkeit wurde auf dem Dauerprüfstand getestet. Dabei wurde das Seil 10.000 x mit 180-200N Zugkraft aus dem Gehäuse gezogen. Bei der Entwicklung wurde auch auf Nachhaltigkeit der Materialien wert gelegt. Der Griff ist aus Kork und damit aus nachwachsendem Rohstoff. Die Metallteile sind recycelbar.

Das Prinzip ist denkbar einfach. An Steigungen oder wenn die Kleinen einfach eine Pause brauchen, schnappt man sich den Korkball, dadurch wird das Seil ausgefahren und so kann man seinem Kind kurzfristig Support geben um beispielsweise Steigungen leicht bewältigen zu können. Nach dem Abschleppen fährt das Seil selbstständig durch eine Rückholfunktion wieder ein. – zip on, zip off. Mit dem Bike Zipper sollen Frust bei Anstiegen, oder nerviges An- und Abkoppeln sowie die wackeligen Schiebeaktionen minimiert und die Motivation bei den Kleinen größer werden. Geeignet ist der Zipper für Kinder ab 1,5 Jahren.


Distel beschreibt seinen Bikezipper wie folgt:
- weniger Unfälle: Das Zugseil zieht sich sofort ins Gehäuse zurück. Kein Überfahren, kein Hängenbleiben.
- ohne Anhalten: BikeZipper kann mit einem Griff aktiviert werden und ist genauso schnell wieder verstaut.
- Ergonomisch: Ziehen in aufrechter Fahrposition. Keine Rückenschmerzen, kein Wackeln.
- motivierte Kids Die Kinder werden punktuell unterstützt – ein Gefühl der Freiheit und Selbstständigkeit.
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Technische Details:
- Maximales zu ziehendes Gesamtgewicht 25 kg
- Länge Abschleppseil 120 cm
- Länge Klettband 20cm
- Griffmaterial Kork
- Größe 4 x 1,5 cm (Gehäuse), 3,5 cm (Griff)
- Gewicht 0.3g
- Besonderheiten Jojo-Funktion
WIE MACHT ER SICH IM EINSATZ?
Ich habe den Distel BikeZipper von OUTSIDEstories im Sommer 2021 zum Testen bekommen. Ich werde für diese Bewertung weder bezahlt noch bin ich eine Verpflichtung dem Hersteller gegenüber eingegangen. Diese Bewertung spiegelt lediglich meinen persönlichen Eindruck zum bewerteten Produkt wider. Dabei hat sich der Testzeitraum auf ca. sechs Wochen begrenzt.

Wer schon die ein oder andere Bewertung von mir gelesen hat, oder schon mal über mein Instragram-Profil Mick.Outsidestories gestolpert ist, weiß das wir eine sehr Bike-begeisterte Familie sind und gerade unseren Sohn auch ans Biken im Park heranführen. Diesen Sommer durfte er die ersten Trailerfahrungen auf dem Lern-to-Ride-Gelände in Saalbach und im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis sammeln. Das erste Enduro (Propain Frechdax) steht für nächstes Jahr schon auf der Wunschliste für seinen Geburtstag. Da wir in den westlichen Wäldern Augsburgs leider keinen Park mit Trainingsbereich in nächster Nähe haben, machen wir häufig Tagestouren oder suchen einen der näheren Pumptracks auf.



Niklas ist mit seinen sechs Jahren inzwischen an Touren zwischen 20 – 30 km gewohnt. Wenn es dann aber doch mal zu steil wird, oder schlicht die Motivation oder die Kondition am Ende sind, hänge ich ihn dann in der Regel mit dem TowWhee bei mir an. Das findet er super toll, weil er A Papa ärgern kann, wenn er bergauf bremst und B das TowWhee, wenn er die Bremse loslässt eine ordentliche Beschleunigung bringt, wenn sich das Seil aus der vollen Spannung heraus zusammenzieht und es ihn samt Rad nach vorn katapultiert. Schnell ist dann auch der Bikespaß und die Motivation wieder voll da, weils für ihn schlicht eine mords Gaudi ist. Ich hatte mich lange vorher mit verschiedensten Fahrlernhilfen und Abschleppsystem befasst, welche ich dann entweder zu teuer fand, wie der FollowMe-Tandemkuppling, oder schlicht zu umständlich zu Montieren. Insofern habe ich schon einiges an Erfahrung beim Abschleppen:-D.

Das TowWhee habe ich in den Staaten bestellt, weil es zum damaligen Zeitpunkt in Europa noch gar nicht zu kaufen gab. Mir war genau das wichtig was Distel beschreibt, nämlich schnell und unkompliziert Hilfestellung geben zu können und ich das System ansonsten leicht transportieren und schnell montieren kann. Viele Lösungen sind nur mit recht großem Aufwand und Schrauben zu verwenden, also denkbar unpraktisch, wenn sie nicht permanent im Einsatz sein sollen.




Ich war sehr neugierig als ich den BikeZipper zum Test angeboten bekommen habe, war aber auch etwas skeptisch, da ich in dem Video das ich bei Youtube gefunden hatte, dass der Zipper recht groß wirkte. Umso erstaunter war ich über das winzig kleine Gadget was dann da im Briefkasten lag. Das TowWhee wickle ich mir meist um den Rahmen, wenn wir es grade nicht brauchen, mich selbst stört es dort auf einer Tour nicht, meine Frau jedoch packt das Bungee-Seil lieber in einen Rucksack, weil es sie am Rahmen nervt. Der Bikezipper ist um ein vielfaches kleiner und das Gewicht so minimal es ist nicht Mal erwähnenswert. Das Seil ist super dünn ist und durch die Rückholfunktion muss man sich also keine Gedanken machen wohin mit dem Zipper, wenn er gerade nicht im Einsatz ist. Ich kann ihn einfach in die Hosentasche stecken wenn er nicht gebraucht wird. Das ist für mich ein echter Pluspunkt im Vergleich zum TowWhee.

Verwendet haben wir den BikeZipper über den Testzeitraum mit einem Fahrrad, Tretbulldog, Laufrad, Kettcar und Roller. Ich habe den Zipper sowohl bei Spaziergängen als auch auf kurzen und langen Radtouren verwendet. Besonders hilfreich fand ich den Zipper auf dem Trainingsarea im Bikepark Fiss-Ladis, als ich Niklas damit immer wieder schnell den Berg hinauf zum Einstiegspunkt in den Trail ziehen konnte.




Was meinen Sohn aber wirklich stört ist das Klettband, welches ich auf seinem Lenker kleben musste. Er ist leider schon etwas zu arg zum Mountainbiker von mir herangezogen worden. Daher ist ihm die Optik seines „Bikes“ und ein möglichst cleaner Look sehr wichtig . Man kann den Zipper zwar auch ohne das geklebte Gegenstück verwenden, aber das Klettband am Zipper selbst ist mit der rauen Seite nach unten verbaut. Eher ungünstig für den Lack am Lenker. Zudem ist das Stück Klett am Lenker permanent der Witterung und Waschgängen ausgesetzt wodurch es mit der Zeit verwittert und sich der Kleber löst. Somit muss es immer wieder getauscht werden. Hier würde ich mir eine andere Lösung wünschen wie z.B. eine Schelle mit Schnellspanner ähnlich wie man es vom Sattel kennt.
Ansonsten ist die Montage aber wirklich in ein paar Sekunden vorgenommen. Mein Vertrauen in die Festigkeit des Klettbands war anfangs auch nicht besonders. Über den Testzeitraum ist es mir aber nie verrutscht oder abgegangen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das Klettband auch langfristig seinen Dienst erfühl, da Klett mit der Zeit durch Verschmutzung und Ermüdung bekannterweise irgendwann schlicht nicht mehr richtig funktioniert. Eine Schelle aus Metall wäre langfristig wohl stabiler.

Wenn ich alleine mit meinem Sohn unterwegs bin, ohne den Kids Croozer Anhänger mit meiner Tochter darin, ist es wirklich super leicht ihn hin und wieder mit dem Zipper über Steigungen zu helfen. Niklas muss dann aber auch bei der Sache sein und darf nicht in der Weltgeschichte umherschauen, weil er mir sonst ins Rad fährt, da der Abstand zwischen uns doch relativ gering ist. Über längere Distanzen, wenn er nicht mehr kann oder will finde ich den Bikezipper eher anstrengend. Ich muss dann ständig mit einer Hand fahren und mich zum Ziehen leicht zur Seite drehen. Mit der Zeit geht das ziemlich auf die Schulter und den Rücken. Daher setze ich, wenn er wirklich nicht mehr will dann doch lieber auf das TowWhee. Mit diesem habe ich beide Hände frei und muss nicht einhändig fahren. Außerdem kann ich eine normale Fahrposition beibehalten. Wenn ich beide Kinder dabei habe ist es für mich nicht möglich Niklas mit dem Zipper zu ziehen und mit Hänger Steigungen zu überwinden. Ich kann dabei schlicht das Gleichgewicht nicht mehr halten. Das TowWhee befestige ich meist am Hänger und Niklas kann sich selbst einklinken, wenn ihm ein Berg zu steil ist.

Der Einsatzbereich beschränkt sich aber nicht nur auf ein Bike, er kann an all seinen Fahrzeugen befestigt werden. Ich gehe gern mit Niklas an die Boulderwand im Schulhof meines Heimatorts. Er fährt die Strecke zwischen Oma’s Haus und der Wand meist mit seinem Tretbulldog. Der Hinweg ist kein Problem, es einfach nur Bergab. Retour ist für mich immer recht mühsam gewesen. Ich musste dann meisten in gebückter Haltung schieben, da der Berg für ihn und seinen Traktor zu steil ist. Hier spielt der Bikezipper sein Potential voll aus. Auch bei längeren Spaziergängen mit seiner Schwester im Kinderwagen habe ich den Zipper sehr schätzen gelernt. Sollte er mal streiken, kann ich den Korkball leicht am Kinderwagen fixieren. Ich bin auf solchen Spaziergängen schon mehrfach von gebückt schiebenden Eltern auf den Zipper angesprochen worden. Die Frage war immer die Gleiche. „Das ist ja super, wo kann ich das kaufen? Mir tut jedes Mal der Rücken weh nachdem ich meine(n) Tochter(Sohn) durch die Gegend schieben musste.“



Das dünne Seil des Zippers ist aber nicht nur Segen, es kann auch ein Fluch sein, da er den Zipper wenn ich ihn nicht abnehme vom Fahrzeug gern für allerlei Spielerein genommen hat bin ich dann doch dazu übergegangen das der Zipper nur in Anwesenheit von mir am Fahrzeug ist. Da ich Angst habe, dass er sich mit dem dünnen Seil bei seinen Spielerein verletzt. Ich befürchte immer, dass er sich damit stranguliert oder dumm einschneidet, wenn er sich darin verheddert. Außerdem würde ich den Korkball nicht einfach loslassen, weil ich immer fürchte er schnallt Niklas ins Gesicht oder auf die Finger. Die Rückholfunktion ist etwas stark, ich würde Sagen ähnlich dem Anlasser eines Rasenmähers.
FAZIT?
Der Bikezipper ist wirklich Klasse. Bis auf eine andere Montagemöglichkeit anstelle des Kletts bin ich super zufrieden. Niklas ist auch durchwegs begeistert. Er findet den Zipper „total cool“ wenn er Hilfe braucht. Am Bike ist er „echt hässlich“ und darf nicht dran sein, wenn er ihn nicht braucht. Der Preis ist für mich absolut in Ordnung, verglichen mit anderen Systemen für diesen Anwendungszweck ist er wirklich günstig. Bei Radtouren funktioniert er dann, wenn die Kinder kurz Hilfe brauchen. Ist länger Hilfe nötig, greife ich lieber zum TowWhee, da es damit angenehmer ist längere Strecken zu bewältigen. Hier ist der Preis und der Montageaufwand ebenfalls nicht besonders hoch. Der BikeZipper spielt sein volles Potential besonders dann aus, wenn man selbst zu Fuß unterwegs ist und die Kleinen mit ihrem Fahrzeug. Auf langen Spaziergängen ist er einfach ein Segen. Ich kann ihn nur empfehlen. Er ersetzt Abschleppsystem wie dem TowWhee zwar nicht, ist aber eine ganz hervorragende Ergänzung. Ich werde ihn sicher noch lange verwenden, da unser Küken in ein bis zwei Jahren auch anfangen wird auf dem Laufrad durch die westlichen Wälder Augsburgs zu flitzen. Damit wird es für uns noch lange zip on, zip off heißen und #wirsehenunsdraussen…
