Über Stock und über Stein, CMP das machst du fein!
VORTEILE
- Bewegungsfreiheit
- gute Stabilität
- super Grip
- gute Verarbeitung
- Preis/Leistung
NACHTEILE
- nicht 100 % dicht
- eher klein geschnitten, dafür breit
- schneller Profilabrieb
BEWERTUNG
Für OUTSIDEstories durfte ich die CMP Rigel Low ausgiebig testen. Die italienische Marke CMP war mir vorher schon ein Begriff, da ich bereits die Lima Protect Hardshelljacke und die Fit&Taste Pasta ebenfalls von ihnen testete. Dass es nun Trekkingschuhe als Testobjekt waren, hat mich besonders gefreut, da meine Hauptaktivität das Wandern ist und ich sie somit bis zum Profilabrieb testen konnte.

Dabei waren Sie bei Eintagestouren in den französischen Midi-Pyrenäen, den bellunesischen Dolomiten, sowie in den oberösterreichischen Voralpen mit. Hier durften sie sich auch am Rad unter Beweis stellen in Form einer Radwanderung.

Als Highlight nahm ich sie dann auf dem GR54 rund um das Ecrins Massiv mit. Dieser ist ein (grundsätzlich) 14 tägiger Weitwanderweg, den wir als Bivactour in 9 Tagen von La Grave bis nach Bourg d’Oisans absolvierten. Fürs Weitwandern werden generell leichte Wanderschuhe empfohlen, daher boten sich die CMP Rigel Low gut dafür an.

Bereits nach den Tagestouren kam mir schon viel unter die Sohle (Pedale, Waldboden, Schotter, Straße, Schnee, Stein). Nach dem GR54 hatte ich dann auch Schiefersand, Schieferplatten, Sand, Wiese, trockene Erde und all das in nassem Zustand ebenfalls dabei.




Aber nun zu den Schuhen.
Zuerst die Frage: Warum überhaupt Wanderschuhe, die unter dem Knöchel enden? Für mich war das anfangs ein Manko, mittlerweile bin ich aber ein großer Fan von Wanderschuhen in Sneakerform geworden. Warum das so ist, erfährst du im nächsten Absatz (jedoch nur subjektiv).
- Weil man viel beweglicher darin ist. Ich laufe generell Berge hinunter, weil das für mich meist der langweiligere Part beim Wandern ist. Mit knöchelhohen Wanderschuhen ist man in der Laufbewegung doch eingeschränkter.
- Im Gegensatz zu Trailrunningschuhen sind sie weitaus stabiler. Besonders wenn man schwierigere Etappen geht, bzw. auch bei Witterung, brauche ich gute Stabilität im Mittelfußbereich und Festigkeit im Zehen- und Fersenbereich. Weiters sind Wanderschuhe zu Trailrunningschuhen meist langlebiger, generell fester und witterungsbeständiger.
Sie haben jedoch auch Nachteile, diese sind:
- Kein Knöchelsupport. Da der Knöchel frei ist, knickst man schneller mal um, wenn man müde ist.
- Wasser und Schutt kann leicht von oben in den Schuh eindringen. Egal ob bei Regen, oder bei höheren Wasserstellen, wenn man z.B. einen höheren Bach ohne gute Steine queren muss. Dieses Problem lässt sich jedoch z.B. mit Gaters lösen. Bei Regentagen trug ich die Schuhe mit wasserdichte Socken von Sealskinz, damit blieben meine Füße bei schlechter Witterung trocken.
Diese Punkte muss man Abwägen, wenn man überlegt, sich einen neuen Wanderschuh zu zulegen. Für den Schönwetter-Sonntags-Bergläufer bzw. für Leidenschaftswanderer mit Hang zum Trailrunning sind Wanderschuhe in Low-Format jedenfalls eine Überlegung wert. Und hier kann ich die CMP Rigel Low durchaus empfehlen.
Die Bewertung:
Passform
Ich trage für normal 39 und habe den Rigel Low in Größe 40. Generell ist es bei Wanderschuhen immer wichtig, sie etwas größer zu nehmen, da der Schuh, besonders bei Mehrtätigen Wanderungen mit der Zeit anschwillt und dann oft der Platz im Schuh zu eng wird. Resultat sind dann Rötungen, Blasen oder Blutungen im Nagel. Ich habe einen sehr breiten Fuß (Mittelfußbreite 9,0 cm, Fußballenbreite 9,5 cm), wodurch mir die meisten Schuhe leider nicht passen. Die CMP Rigel Low passten mir in Größe 40 jedoch super. Lediglich als der Fuß anschwoll, wurde es mir im Zehenbereich etwas zu eng und mein Ballen, großer und kleiner Zeh hatten Rötungen. Aber nach 9 Tagen mit rund 11000 Höhenmetern war das ein durchaus sehr guter Ergebnis.

Steifheit
Wie bereits erwähnt ist es mir bei Wanderschuhen wichtig, dass ich im Mittelfußbereich genug Steifheit habe, dass ich vor allem beim Berglauf nicht im Schuh abrutsche. Festigkeit im Zehen- und Fersenbereich ist mir ebenfalls wichtig für Kletterpartien und enge Stellen. Im Klettersteig habe ich den Schuh nicht getestet, dafür ist er eher ein bisschen zu weich. Bei den Kletterpartien in Wanderwegen hat er jedoch ausgereicht und sich gut geschlagen. Auf spitzen Steinen zu gehen wird mit der Zeit mit diesen Schuhen etwas unangenehm, aber sie sind ja auch Trekkingschuhe und keine Bergschuhe. Für den normalen Gebrauch sind sie ideal gemacht und äußerst angenehm zu tragen. Dadurch, dass der Schuh an den richtigen Stellen steif ist, gibt er automatisch mehr Stabilität und schützt damit auch zu einem Teil vorm „Umböckeln“.

Grip und Profil
CMP hat beim Rigel Low eine guten Mittelweg zwischen Gummiweichheit (Haftung am Stein) und Festigkeit (Abrieb) gefunden. Nach 1,5 Monaten ausgiebigen Wanderns ist vom Profil noch relativ viel da, nur im Fußballenbereich sehe ich starken Abrieb, da ich vor allem bergab viel mit dem vorderen Fußbereich arbeite. Was den Grip anbelangt, hat der Schuh sehr gut hergehalten. Lediglich bei trockener Erde, glattem Stein und nassem Metall (Kuhgitter) bin ich gerutscht, da kann der Schuh denk ich mal jedoch wenig dafür :) An den letzten drei Tagen meines Weitwanderweges bin ich bergab hin und wieder ausgerutscht, da das Profil im Zehen/Ballenbereich aufgrund des Abriebs bereits etwas runder war. Ansonsten hielt der Schuh wie Kaugummi, ich war positiv begeistert!

Verarbeitung
Die Schuhe sind, vor allem für diesen Preis (angeben) sehr gut verarbeitet. Nach dem intensiven Test sind lediglich Gebrauchsspuren am Profil zu sehen: Seitlich an der Dämpfung in Form von Kratzer, unten am Profilabrieb (hauptsächlich vorne) und beim Gummi der Zehen- und Fersenkappe. Die Nähte halten noch überall, bzw. sind durch äußere Einwirkung geschützt. Der Knickbereich vorne (Zehen/Ballen) sieht trotz exzessivem Gebrauch auch noch gut aus. Was auch noch zu erwähnen ist, ist dass die Farbkombi mit Olivgrün/Pink vor allem bei Waldboden ein äußerst schönes Bild machen.




Sohle
Die Sohle im Schuh ist herausnehmbar, so kann man z.B. orthopädische Sohlen einlegen, wenn man diese benötigt. Ich habe jedoch die vorhandene Sohle verwendet (Ortholite Foam) und war sehr zufrieden damit. Auch das Innenmaterial des Schuhs ist sehr weich und angenehm.

Wasserdichte
Wie bereits beschrieben, ist der Schuh bei Regen nicht ideal, da Wasser von oben leicht eindringen kann. Wenn man mit ihnen jedoch noch niedrige Bachpassagen quert, die nicht über den Knöchel reichen, halten sie das Wasser gut ab. Die sollte dank der wasserdichten Membran „CLIMA PROTECT“ im Obermaterial gewährleistet sein. Auch Spritzwasser perlt gut am Material ab und dringt nicht durch. Hin und wieder hatte ich jedoch nasse Zehen, wenn ich z.B. durch hohes nasses Gras ging. Nach dem Putzen der Schuhe mit Wasser und Bürste glaube ich, dass das Wasser seitlich bei der Zunge, also beim Übergang von Zunge zu Schuh, eindringt. Auch am nächsten Tag war dieser Bereich (vor allem am oberen Bereich der Zunge zum Rauhledermaterial) von Innen noch etwas feucht, was mich in meiner Vermutung bestätigt.



Fazit:
Ein solider, gemütlicher und leichter Wanderschuh für Ein- und Mehrtagestouren. Er ist perfekt für schönwetter-Sonntagswanderer oder als Spaßschuh für Vielwanderer. Beim Weiterwandern hat er sich ebenfalls sehr gut geschlagen, jedoch hat er dafür dann nur eine eher kurze Lebensdauer aufgrund des starken Profilabriebs. Wenn CMP ihre Wasser-Leaks noch optimiert, wäre der Schuh optimal!
