Super leichte&kompakte Matte, deren R-Wert sich sehen lässt.
VORTEILE
- Super leicht
- Tolles Packmaß
- Hoher Recyclinganteil
- Hoher R-Wert
- Vegan
- Dick
NACHTEILE
- Unbequem für Seitenschläfer
- Kein integrierter Packsack
- Knistert etwas
- Keine anatomische Form
- Ventil nicht immer direkt zu
BEWERTUNG
Dieses Mal hatte ich die Gelegenheit, eine ultraleichte Isomatte von VAUDE für euch zu testen. Es handelt sich um die „VAUDE Performance 9 M“, eine High-Performance-Isomatte, die speziell für anspruchsvolle Bergtouren, und Trekking und dank des hohen R-Wertes für Ganzjahres-Camping entwickelt wurde. Die Matte ist nur in einer Größenausführung und Farbe erhältlich und die UVP liegt bei 180,00 €.
Allgemeines
Die Matte wird in einer Schutzhülle geliefert – ein Pumpsack ist hier nicht integriert. Dieser könnte gesondert erworben werden, ist aber zur Zeit ausverkauft. Die Matte ist 183cm lang, 51cm breit und stolze 9cm dick. Ob diese Abmessungen reichen, lest ihr später. Mit nur 370 GRamm ist die Matte sehr leicht und lässt sich super klein verpacken.
Durch ihren Aufbau und die gewählten Materialien (gleich mehr dazu) kommt sie auf einen R-Wert von 5,5 und lässt sich somit das ganze Jahr über nutzen. Im Lieferumfang ist außerdem ein Notfall-Reparaturset enthalten.
Exkurs R-Wert
Der R-Wert ist ein Maßstab für den Wärmedurchgangswiderstand eines Materials (Widerstand = engl. resistance). Er gibt an, wie gut oder schlecht ein Material die Wärme leitet.
| 1 | bis +7°C | Frühling, Sommer, Herbst | Camping im Sommer |
| 2 | bis +2°C | Frühling, Sommer, Herbst | Camping im Frühjahr und Herbst |
| 3 | bis -5°C | Frühling, Sommer, Herbst, gemäßigte Winternächte | Ganzjahrescamping |
| 4 | bis -11°C | Alle Jahreszeiten | Biwaks im alpinen Umfeld |
| 5 | bis -17°C | Winter | Winterbiwaks |
| 6 | bis -24°C | Winter, Expeditionen | Expeditionen |
| über 6 | ab -24°C | Extreme Winter- und Expeditionseinsätze | Extremeinsätze auf Polarexpeditionen, etc. |
Quelle: Bergzeit.
Aufbau und Material
Der Hauptstoff besteht zu 100 % aus recyceltem Polyester (20D) mit einer robusten TPU-Laminierung. Typisch für Vaude merkt man sofort, dass hier viel Wert auf Umweltfreundlichkeit gelegt wurde, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Für diese Matte werden PET-Flaschen recycelt. Bisher habe ich keinerlei Abnutzung feststellen können und das Material wirkt sehr robust. Auch beim Einpacken der Matte auf (teils steinigen) Waldböden hatte ich nie sorgen, dass sie kaputtgeht und ich besonders vorsichtig sein müsse.
Um Gewicht einzusparen, ist das Herzstück der Konstruktion ein bei Vaude neues Kammerdesign ohne durchgehende Stege. Diese Längskammern sorgen für eine optimale Druckverteilung, die alle Schlafpositionen ermöglichen soll. Wie ich geschlummert habe, lest ihr weiter unten.
Ventilsystem: Ausgestattet ist die Matte mit dem bewährten Vaude-Flachventil. Einmal verschlossen ist es natürlich absolut dicht und sorgt für ein unkompliziertes Aufblasen sowie schnelles Ablassen der Luft am Morgen. Hat man die Matte zu fest aufgepumpt, kann man durch leichten Druck auf das Ventil etwas Luft ablassen.
Isolation und Technologie
Ich habe mich gefragt, wie eine Matte so kompakt und leicht sein kann und trotzdem den hohen R-Wert aufweist. Das liegt daran, dass sie nicht auf eine Isolierung mithilfe von Daune oder Kunstfaser setzt, sondern die sogenannte Reflect-Technology nutzt. Das Innere der Luftkammern wird durch reflektierende PE‑Folie in zwei Konvektionskammern aufgeteilt, wodurch oben die vom Körper erwärmte Luft zirkuliert und unten gleichzeitig die kalte Bodenluft abgefangen wird.
Außerdem strahlt die Beschichtung logischerweise die eigene Körperwärme zurück. Das Ergebnis ist der bereits erwähnte R-Wert von 5,5, sodass Vaude eine Temperaturempfehlung von bis zu –21 °C angibt. Damit ist die Matte voll wintertauglich.
Komfort und Passform
Mit einer Dicke von stolzen 9 cm bietet die Performance 9 M exzellenten Liegekomfort – selbst Seitenschläfer sinken nicht bis zum harten Boden durch. Auf den Schlafkomfort gehe ich aber gleich noch ein. Die Kammern der Matte sind zudem im Waffelmuster angeordnet, sodass man nicht zwischen zwei beispielsweise langen Längskammern einsinken kann.
Die Ecken der Matte sind abgerundet, was den perfekten Kompromiss darstellt, um unnötiges Materialgewicht einzusparen und dennoch maximalen Komfort zu bieten.
Bis auf die abgerundeten Ecken ist die Matte rechteckig. Es wird also keinerlei Rücksicht auf die menschliche Anatomie genommen. Das hat in meinen Augen ein paar Nachteile (mehr dazu gleich), laut Vaude aber den Vorteil, dass man zwei Matten lückenlos aneinanderlegen kann, um ein stabiles „Doppelbett“ zu bauen, ohne dass in der Mitte ein lästiger Graben entsteht. Dafür müssen allerdings auch beide die gleiche Matte haben und man muss es schaffen, dass diese nicht auseinanderrutschen und wirklich fest sind (Klettverschluss als Idee? Ich habe es nicht probiert...).
Der Praxistest: Unterwegs im Einsatz
Meine „alte“ Isomatte hat nur 5 Zentimeter Dicke, sodass ich am Anfang einen riesen Schlafkomfort erwartet habe. Nach der ersten Nacht war ich jedoch enttäuscht. Wichtig ist, nicht zu viel Luft in die Matte zu pusten. Ganz prall halte ich sie für eher unbequem. Mit weniger Luft drin wurde sie dann aber besser – mehr dazu gleich noch.
Aufgrund des sehr dünnen 20-D-Außenmaterials war ich anfangs ganz kurz etwas skeptisch, ob die Matte raueren Untergründen „im“ Zelt bzw. beim Auf- und Abbau standhält. Diese Skepsis hat sich – wie oben beschrieben – in der Praxis jedoch schnell gelegt.
Trotz des extrem leichten Gewichts und des minimalistischen Packmaßes ist das Material im Einsatz ausreichend robust.
Zum Befüllen habe ich den Pumpsack meiner anderen Isomatte benutzt. Ob das gleich beschriebene Problem daher kommt, dass es ein SeaToSummit-Pumpsack ist, oder auch bei dem von Vaude auftritt, kann ich leider nicht beurteilen.
Es war jedoch so, dass fast bei jedem zweiten Aufpusten das Ventil nach Entfernen des Pumpsacks nicht ganz dicht war. Es war etwas Luft entwichen und ich musste es erst schließen und konnte es dann wieder öffnen (dann war alles dicht), um Luft nachzujuzustieren. Ansonsten funktioniert das Ventil kinderleicht: Einfach pusten (Mund oder Pumpsack) und es verschließt automatisch.
Zum Feinjustieren einfach etwas Druck aufs Ventil ausüben und die Luft entweicht langsam. Danach verschließen. Zum Einpacken kann man den Verschluss ins Ventil stecken, sodass die Luft entweicht und das Ventil offen bleibt.
Durch die besondere Isolierung hatte ich zunächst Angst vor lautem Knistern/ Rascheln, da man beim Aufbauen die Folie doch schon gehört hat. Einmal aufgepumpt hält sich das lästige, laute Rascheln, das man von vielen anderen isolierten ultraleichten Luftmatratzen kennt, hier erfreulicherweise stark in Grenzen.
Die Druckverteilung funktioniert leider für Seitenschläfer nicht gut. Obwohl ich nicht zum Boden sinke (wie eingangs erwähnt), haben bei mir nach 2–3 Nächten immer starke Hüftschmerzen eingesetzt. Der Wechsel zurück auf meine alte Matte oder der Isomattentausch mit einer Freundin haben Abhilfe geschaffen.
Es lag also nicht einfach nur an meinem Körper und auch die gerade Form bringt für mich einige Nachteile mit sich. Wir Frauen haben eher breite Hüften, und da sind 51 Zentimeter einfach schmal. Ich konnte mich nicht von einer auf die andere Seite drehen, ohne meine Position auf der Matte anzupassen, sonst wäre ich leicht runtergerutscht. Auch in „Embryoposition“ ist die Breite eng bemessen, wenn die Knie auch auf der Matte sein sollen.
Dafür bräuchte ich an den Füßen und am Kopf weniger Platz. Eine anatomisch angepasste Matte würde mir deutlich mehr Komfort liefern und eventuell nochmal etwas Material einsparen.
Die Länge von 183 Zentimetern sind bei einer Körpergröße mit 173 Zentimeter das Minimum.
Ich habe die Matte mit kleinen Klebepatches versehen, damit mein Kissen darauf haftet. Also nicht wundern, was das auf den Bildern ist.
Fazit
Die Vaude Performance 9 M überzeugt durch ihr geringes Gewicht und ihr kleines Packmaß bei einem überragenden R-Wert und ansprechender Dicke. Das Wärme-Gewichts-Verhältnis ist in meinen Augen echt überragend und der Liegekomfort dank der üppigen Dicke von 9 Zentimetern und der Waffelstruktur echt hoch. Trotz Isolation mit reflektierender Folie raschelt die Matte angenehm wenig.
Toll ist außerdem die Verwendung von recyceltem Polyester. Zudem ist die Matte vegan.
Abstriche muss man beim Lieferumfang machen, da ein (integrierter) Pumpsack bei diesem Preis eigentlich Standard sein sollte. Außerdem gibt es die Matte nur in einer Ausführung in rechteckiger Form.