Top-Handling, Venting & Aktivkohle: Upgrade überzeugt.
VORTEILE
- Sehr schneller Durchfluss
- Venting = kein Flaschen-Kollaps
- Robuste, griffige Flasche
- Extrem leicht & kompakt
NACHTEILE
- Sedimentanfällig
- "Shake to clean“ limitiert
- Kein integrierter Vorfilter
BEWERTUNG
Einleitung
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Gewässern im Alpenvorland und im Salzkammergut beschäftigt. Im Zuge der Recherche zu meinem aktuellen Buchprojekt über die Seenlandschaft der Region war ich an knapp hundert Gewässern unterwegs – von glasklaren Quellen bis zu moorigen Lacken habe ich der EZ-Membran von Katadyn über viele Jahre hinweg jede Variante von Gewässer im Salzkammergut gezeigt.
Ich kenne das System seit seinen Anfängen und damit auch seine Stärken und seine Grenzen unter realen Bedingungen.
Die BeFree AC Bottle 0,7 L habe ich zum Testen bekommen und seitdem auf rund 20 Touren im Alpenvorland und in den österreichischen Alpen dabei gehabt. Was man hier bekommt, ist kein neues Prinzip – sondern eine Weiterentwicklung eines bewährten Systems. Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick.


Technische Daten
- Volumen: 0,7 Liter
- Filtration: 2-stufig (EZ-Clean Hohlfaser + Aktivkohle)
- Porengröße Hohlfaser: 0,1 µm
- Durchfluss: bis zu 2 Liter pro Minute
- Gewicht: ca. 93 g
- Maße: 95 × 75 × 236 mm

Erster Eindruck
Beim Auspacken merkt man klar: Das Design ist erwachsener geworden.
Die 0,7-Liter-AC-Version wirkt sofort robuster als die klassische Softflask. Sie ist griffiger, weniger wabbelig, liegt ruhiger im Rucksack und fühlt sich insgesamt wertiger an. Der Filter hat noch einen Befestigungspunkt bekommen, was ich sofort sehr zu schätzen weiß und viele der bisherigen 3D-Druck Montage System für den herkömmlichen Befree obsolet macht. Durch die stabilere Form kann der Befree jetzt auch in eine Flaschenhalterung oder auf der Seite in den Rucksack rein.
Er ist eine echte Trinkflasche geworden.
Oben gibt es noch eine Neuheit. Das Venting System. Also Luft kommt wieder in die Trinkflasche wenn man ansaugt.
Und dann das Herzstück der neuen Variante. Die zusätzliche Akitvkohle Filterstufe. Diese befindet sich nach der Hohlfaser und wird ganz einfach eingesetzt. Durch das alltagstauglichere Design und diese zusätzliche Filterstufe eröffnen sich neue Einsatzbereiche in denen Chlor, Pestizide und andere Stoffe eine noch größere Rolle spielen.

Im Einsatz
Getestet wurde ausschließlich im Alpenvorland und in den österreichischen Alpen.
Im Gebirgsbach ist der BeFree in seinem Element. Starker Durchfluss, angenehmes Handling, direkt trinken funktioniert hervorragend.
Im Vergleich zur Vorgängervariante konnte ich keine Einbußen bei der Durchflussgeschwindigkeit durch den neuen Aktivkohle Filter feststellen. Eine Änderung im Geschmack lässt sich aber definitiv feststellen im Vergleich zur Standard Variante. Je nach gefiltertem Wasser hatte die AC Variante deutlich weniger erdige oder muffige Note. Auch Quellwasser oder klare Bäche enthalten oft feine gelöste Stoffe – Huminsäuren, organische Reste oder ganz leichte Einträge von außen. Das merkt man manchmal gar nicht sofort, aber im direkten Vergleich ist das Wasser mit Aktivkohle einfach „runder“ und neutraler.
Die Kohle filtert genau diese gelösten Stoffe heraus, die die Hohlfaser nicht erwischt. Das ist kein Muss im alpinen Gelände, aber ein spürbarer Unterschied – vor allem bei stehenden Gewässern, Schneeschmelzwasser oder Quellen mit Oberflächeneinfluss.
Damit wird der BeFree mehr als nur ein Sicherheitsfilter gegen Keime. Er deckt jetzt auch die „feinen“ Sachen ab, die man früher einfach mitgetrunken hat. Der Befree wird dadurch zu einem vollwertigeren System.
Unterm Strich: Die Aktivkohle eine sinnvolle Erweiterung. Sie macht aus dem BeFree kein anderes Produkt – aber ein deutlich besser abgestimmtes.
Die Hohlfaser selbst ist technisch überzeugend. In klarem Wasser läuft ein Element über lange Zeit stabil – oft über mehrere Saisonen. Das Ende kommt nicht durch Keime, sondern durch Widerstand.
Und dieser Widerstand entsteht fast immer durch Sediment.
Gerade in moorigen Gewässern oder bei hohem Anteil an Schwebstoffen zeigt sich die Grenze des Systems sehr deutlich. Dann wird aus „Flow“ sehr schnell „Krafttraining“.
„Shake to clean“ hilft – aber nur begrenzt.
Das ist kein Qualitätsproblem der Membran.
Aber ohne Vorfilter bekommt sie den Dreck direkt auf die Poren gedrückt.
Ich war mit meinem ersten Befree damals eine Wochen autark im Gebirge unterwegs. Am ersten Tag beim ersten Einsatz hat sich der Filter in der Karstlacke leider zugesetzt und ich durfte eine Woche Krafttraining betreiben. Dadurch lernte ich schnell auf was man beim Befree achten muss.
Sediment

Meine provisierte Lösung seit damals: Vorfilter beim Befüllen.
Ein einfacher Baumwoll-Teebeutel als Sedimentfänger verhindert, dass sich die Membran bei problematischem Wasser schnell zusetzt. Das ist ein Notbehelf aber keine saubere Lösung.
Ich möchte hier ganz klar erwähnen, dass dies ein systemimmanentes Problem aller Hohlfaser-Filter ist und kein spezifisches BeFree Problem.

Handling unterwegs
Direkt trinken funktioniert angenehm. Ja – man muss etwas stärker drücken, weil das Material stabiler ist. Aber der Wasserfluss bleibt konstant und sauber. Durch die neue Form ist auch das trocknen der Flasche endlich kein Problem mehr. Die Softflasks kleben ja immer gerne aneinander und sind dann der ideale Nährboden für Keime. Das Thema ist mit der neuen Variante endlich Geschichte.
Im Vergleich zu Pumpfiltern oder Rückspülsystemen ist der BeFree für mich das intuitivste und praktischste System. Füllen. Drücken. Trinken.
Das Nachfüllen im vollen Rucksack ist in der Praxis umständlich.
Viele – mich eingeschlossen – greifen hier zu eigenen Lösungen.
Ich habe mir einen Adapter gebaut, um über den Trinkschlauch zu befüllen, ohne den Rucksack auszuräumen.
Das funktioniert, aber es ist alles andere als optimal. 3D-Prints sind zum Teil wahre Bakterienfallen, genauso wie feuchte Baumwollbeutel beim Vorfilter..
Hier liegt aus meiner Sicht ein großes, noch ungenutztes Potenzial:
Ein standardisierter, sauberer Anschluss und ein nachrüstbarer Vorfilter – kein Workaround, sondern Teil des Systems.
Das Venting ist für mich in der aktuellen Version in punkto Handling der eigentliche Gamechanger:
kein Zusammenziehen mehr, kein Widerstand im System, kein „Arbeiten gegen die Flasche“. Vorallem gab es während dem Testzeitraum dadruch nie Wasseraustritt.
Man merkt klar es geht in eine, wie ich finde sehr gute Richtung. Man geht weg davon den Befree jedes Gramm abzuringen und inkludiert wieder etwas mehr Funktionalität, was ich sehr begrüße.
Fazit
Die BeFree AC Bottle 0,7 L erfindet das System nicht neu – aber sie bringt es spürbar weiter.
Flasche und Venting zusammen mit AC sind ein echter Gamechanger für mich. Das Handling ist durch das Ende des „Vakuum-Effekts“ so viel besser, dass diese 0,7-AC-Version für mich ab sofort die erste Wahl im Katadyn-Sortiment ist – einfach, weil sie sich im Alltag und am Berg am stimmigsten anfühlt.
Die größte Baustelle ist und bleibt das Sedimentmanagement. Die Hohlfaser ist für unsere Wasserqualität technisch überlegen, scheitert in der Praxis aber nicht an Keimen, sondern schlicht an Schwebstoffen. Wenn sich der Filter im Gletscher-, Karst- oder Moorwasser „zubetoniert“, wird aus einem Weltklasse-Werkzeug ein Problem.
Draußen zählt nur die binäre Realität: Kommt Wasser oder nicht?
Unterm Strich ist die neue Variante des Befree ein hervorragend weiterentwickeltes Werkzeug mit einem spürbaren Upgrade.
Was jetzt noch fehlt, ist der Mut zu einer Art „Pro-Variante“ oder ein „Mission Kit“ mit Vorfilter und einem sauberen Anschluss zur Befüllung von Trinksystemen.
Und ja – ich und viele andere wären bereit, dafür mehr Gewicht und einen höheren Preis in Kauf zu nehmen.
Eine Version für den Einsatz unter widrigen Bedingungen – „For the mission“



































