Teurer Haltungstrainer mit Optimierungspotential
VORTEILE
- waschbar
- leicht
- platzsparend transportierbar
- funktioniert teilweise
- angenehme Materialien
NACHTEILE
- Schnalle klemmt
- Klett zieh Fäden
- nur subjektive Verbesserung
- hoher Preis im Vergleich zu ähnlichen Produkten
BEWERTUNG
Allgemein
Ich habe nun einige (eher viele) Wochen den Blackroll Posture getestet. Anfangs habe ich mir recht viel erwartet. Nach dem Testzeitraum - den ich hoffnungsvoll überzogen habe - bin ich von der Funktionalität nicht vollständig überzeugt.


Was ist das für ein "Gerät" und wie wird es verwendet?
Der Blackroll Posture ist ein Haltungstrainer aus einer Art Gurtsystem wie bei einem Rucksack. Er wird so angelegt, dass er den Träger daran erinnern soll, die Schulter zurück zu nehmen und so eine aufrechte Haltung mit einer zentralen Position der Schultern einzunehmen. Gummibänder an den Gurten ermöglichen hier eine gewisse Bewegungsfreiheit und sollen erinnern, wenn der Träger die Schultern nach vorne fallen lässt.

Nicht gedacht ist das Gurtsystem für die Fixierung der Schultern. Dies denken wohl einige Käufer, wenn man Bewertungen oder Fragen auf gewissen Portalen liest. Die Modelle die man bei Schulter- und Schlüsselbeinverletzungen angelegt bekommt sehen zwar optisch identisch aus, dort ist aber keine Flexibilität verbaut. Also Vorsicht!
Da wir aber testen wollen, zurück zum Thema.
Anfangs soll der "Trainer" nur kurz getragen werden, da es schnell zu Ermüdungserscheinungen kommt. Hierbei soll es egal sein, ob man ihn am Schreibtisch, im Haushalt oder sogar beim Sport trägt. Deshalb habe ich sanft angefangen das Ding für kurze Zeitspannen am Schreibtisch zu tragen, später auch längere Zeit im Haushalt und irgendwann sogar zum Sport. Was dabei raus kam, später!
Was bewirkt das "Teil"?
Wie bereits erwähnt soll das rucksackartige Gurtsystem an die aufrechte Haltung erinnern. Diese Erinnerung soll bei regelmäßiger Verwendung dazu führen, dass man die Haltung auch ohne den Trainer beibehält. In Summe sollen dadurch ein runder Rücken, Probleme mit den Nackenmuskeln und nach vorne gelegte Schultern vermieden werden. Es ist nicht dafür vorgesehen, vorhandene Haltungsschäden zu behandeln oder größere Korrekturen an der Haltung vorzunehmen. Vielmehr soll durch die aktive Erinnerung die Schultern durch den Träger hinten gehalten werden. Dadurch ergibt sich eine verbesserte Haltung, weniger Probleme im Brustwirbel- und Nackenbereich usw.
Was habe ich beobachtet?
Soweit die Theorie und auch die ersten Einschätzungen, die ihr vielleicht zwischen den Zeilen lesen konntet. Mein erster Eindruck war sehr vielversprechend, da ich nach kurzer Zeit schon das Gefühlt hatte eine gewisse Ermüdung zu spüren. So ist es ja auch, wenn man nach langer Zeit wieder Sport treibt. Ich saß am Schreibtisch, erinnerte mich an die aufrechte Haltung und zog brav meine Schultern nach hinten. Das gab anfangs sogar einen leichten Muskelkater.
Nach der ersten Euphorie und mit ordentlich Konzentration auf die Arbeit, und nicht mehr so sehr auf den neuen Schultergurt, bemerkte ich immer mehr, wie die Träger eigentlich viel zu weit innen sitzen, um Bewegungen meiner Schultern "einzufangen". Es war also eher der leichte Druck insgesamt der mich erinnerte, keineswegs aber an den Schultern die irgendwann nach vorne hingen.


Will man hingegen die Schuhe binden, was vom Boden aufheben oder sonstige Bewegungen mit nach vorne gezogenen Schultern machen, dann spürt man zwar die Einschränkung, aber das gehört für mich zur "gesunden" Bewegungsfreiheit dazu.
Zurück zum Testzeitraum hat es subjektiv geholfen, aufrechter zu sitzen. Warum auch immer. Hatte ich das Gerät abgelegt und spürte den Gurt nicht mehr, war dieser Effekt aber immer wieder ziemlich schnell verfolgen.
Insgesamt spürte ich bei längerem Tragen sogar eher eine Zunahme an Verspannungen der Schulterblätter und leichte Kopfschmerzen. Ich vermute dazu führten die dauerhaft angespannten Muskeln im oberen und mittleren Rücken.
Hat es nun geholfen?
Ja, es hat geholfen mich an eine aufrechte Sitzposition zu erinnern. Aber es hat auch dazu geführt, dass ich mich etwas verkrampft habe. Außerdem war meine Bewegungsfreiheit nach vorne ziemlich eingeschränkt, sodass ich nach dem Ablegen oft froh war, meinen Rücken wieder zu mobilisieren und mich auch mal ordentlich nach vorne zu beugen.
In Summe würde ich also sagen, heben sich die positiven und negativen Effekte auf. Eine dauerhafte Zunahme von Muskelstrukturen für eine verbesserte Haltung konnte ich nicht beobachten. Hier bin ich der Meinung, dass ein Ausgleichtraining für Rücken, Nacken und Brustmuskulatur deutlich bessere und nachhaltigere Effekte erzielen. Und für eine gesunde Muskelstruktur braucht man ja keine 3 Stunden ins Fitnessstudio.
Tragekomfort
Über dem Shirt getragen merkt man relativ schnell, dass hier ständig Falten und Knitter sind. Das ist gerade an kalten Tagen schnell mal unangenehm. Über dem Hemd und unter dem Jackett konnte ich es gar nicht tragen. Es sah aus als hätte ich vergessen zu bügeln.

Beim Versuch, das Teil unter der Kleidung zu tragen bin ich schon beim Anziehen gescheitert, da entweder das Teil so verrutschte, dass das Unterhemd drückte oder ich hinterher alles schräg an mir hängen hatte. Direkt auf der Haut ging nicht, da die Haut schnell merkt, dass hier was scheuert.
Als ich beim Sport (joggen) versuchte den Gurt zu tragen hatte ich im Nachgang sogar richtige Scheuerstellen an den Schlüsselbeinen und unter den Armen. Das ist also suboptimal.
Weiteres zum „Tragen“
Die Verstellung durch den Klett ist so lange gewählt, dass es bei Funktionsshirts zu gezogenen Fäden kommen kann. Das ist natürlich ein NoGo.

Ebenso hatte ich hin und wieder Reizungen am Nacken und unter den Armen.

Während dem Tragen sollte eine Schnalle hinten mittig in das Gurtsystem einlaufen. Diese Schnalle verklemmt gerne beim Anziehen und dann hängt das ganze System schief. Eine asymmetrische Positionierung oder zwei Schnallen wären hier deutlich sinnvoller.


Qualität und Pflege
Den Gurt kann man in der Maschine waschen. Bei 40 Grad wird er auch gut sauber und müffelt nicht. Wir denken daran, dass er unten den Armen durchläuft. Die Nähte und die Materialien weisen keinen Verschleiß auf. Hier gibt es also erstmal nichts zu klagen. Das passt alles sehr gut.

Spezialitäten
- durch Klettverschluss leicht verstellbar
- waschbar bei 40 Grad in der Waschmaschine
- laut Hersteller über und unter der Kleidung tragbar
- Blackroll ist nur der "Verkäufer"
- vom Hersteller Swedish Posture wird das Teil entwickelt hergestellt

Fazit
Insgesamt bin ich vom großen Nutzen nicht überzeugt. Der Trainer erinnert sicher daran, dass man aufrechter sitzt. Ob es nun durch das Anlegen generell oder durch die Gummibänder ist, ist im Grunde ja egal. Eine verbesserte Haltung konnte ich auch nach einem langen Testzeitraum nicht feststellen. Eine gute Rückenschule und einen generell beweglichen Körperbau erlangt man meiner Meinung nach nur durch entsprechendes Training und nicht durch diesen Gurt.
Am Ende ist es ein Gurt, der in China günstig hergestellt wird. Er ist von vielen Herstellern für günstigeres Geld mit gleichem "Nutzen" erhältlich. Trotzdem ist er gut verarbeitet und hat einen subjektiven Effekt. Deshalb nicht Fisch und nicht Fleisch, nicht topp und nicht nutzlos, für mich also 3 Sterne!