Gelesen, geplant, gefahren und für sehr gut befunden
VORTEILE
- GPS-Dateien exakt und gut aufbereitet
- Format/Einband
- Ausführliche und interessante Beschreibungen
- Vielseitigkeit/Bandbreite
- Zusatzinformationen
- Top Übersichtstabelle
NACHTEILE
- empfindlich bei Nässe
- Dateidownload ausbaufähig
- Keine Angabe über „Frequentierung“
- Einstufung nicht immer transparent
BEWERTUNG
Kurzfassung
Wer einen Guide sucht, um seinen Urlaub im Allgäu etwas durch Mountainbike-Touren zu würzen ist mit diesem Guide super bedient. Er ist in der ersten Auflage erhältlich seit dem 01. September 2019.
Der gut strukturiert aufgebaute Guide beinhaltet 40 Mountainbiketouren zwischen dem Bodensee und dem Thannheimer Tal. Die Bandbreite an Touren geht von der asphaltlastigen Einsteigertour bis hin zu wurzelfeldgespickten und alpinen Tagestouren für Enthusiasten. Wer nur in eine Richtung dieser beiden Extreme sucht, wird für sein Geld etwas wenig Ausbeute haben. Wer aber ein allgemeines Werk zur Inspiration und Anregung sucht, ist genau richtig, egal ob Anfänger oder Profi. Das Hauptaugenmerk liegt bei gemäßigten Genusstouren.

Testbedingungen
Der BikeGuide für die Allgäuer Alpen wurde mir Mitte September geliefert. Seit dem 01. September kann man ihn kaufen. Seither wurden von mir ein paar der Touren genauer unter die Lupe genommen. Sicherlich konnte ich im vorgegebenen Testzeitraum nicht alle 40 Touren mit jeweiligen Varianten prüfen, aber einen allgemeinen Überblick kann ich schon bieten. Wichtig war mir hierbei, die mittleren bis knackigen Touren unter die Stollen zu nehmen. Ein hoher Trailantail ist das was die meisten Biker wohl suchen werden. Bei den Asphalttouren ist es ohnehin Geschmacksache, ob dies der artgerechten Haltung eines Mountainbikes entspricht. Für ungeübte Biker und E-Bikeausflüge wurden sie aber berechtigterweise mit aufgenommen.

Bei den Wetterbedingungen waren überwiegend herbstlich nasse Konditionen gegeben. Bei der Tour 11 hat es am Kanzelwandsattel sogar geschneit und gerade noch 1 Grad Celsius gehabt. Da ich dieses Jahr keine großen Pläne hatte, stand das Rad (zu) viel in seinem Keller. Mit nicht mal 1000 Trainingskilometern bin ich die Touren gefahren. Man muss also kein Profi sein, um die Touren anzugehen. Wer sich gar nicht einschätzen kann, kann ja mal bei den einfacheren Routen beginnen und sich steigern.
Ich bin alle Touren mit meinem Enduro gefahren um maximalen Spaß bei den Abfahrten zu haben und dem rutschigen Matsch-Wurzelgemisch zu trotzen. Ein solides All Mountain oder Trailbike sind aber sicherlich die besten Varianten um auch zügig auf den Gipfel zu kommen. In den technischen und ruppigen Abfahrten mancher Touren stößt man mit dem Hardtail wohl schnell an die Grenzen. Unmöglich wäre aber auch das nicht gewesen.
Touren/Inhalte
Die Touren sind so gut es ging, von West nach Ost aufgeführt. Mit den ersten Touren vom Bodensee geht es überwiegend durch das Alpenvorland, bis dann zur Mitte des Führers hin die ersten „dicken“ Berge warten. Die äußeren Randbereiche des Gebiets sind dabei weniger dicht mit Touren versorgt wie der Bereich um Sonthofen, Alpsee, Bad Hindelang und Co. Wer in diesem Bereich nach Touren sucht hat eine große Auswahl und dadurch kurze Fahrwege zu vielen der Ausgangspunkte. Meiner Meinung nach ein großer Vorteil.
Wie bereits erwähnt sind die Touren von Einsteiger bis ambitioniertem Hobbyradler gestreut und anhand von Kennzeichnungen schnell zu kategorisieren. Für E-Mountainbiker ist eine gesonderte Angabe vorgesehen. Diese würde ich aber nicht so stark gewichten. Wer sein E-MTB auch mal ein paar Meter schieben mag (z.B. mit Schiebehilfe) und fahrtechnisch top fit ist, kann durchaus auch eine der Touren ohne explizite E-Bike Eignung fahren. (z.B. Tour 11 oder Tour 19).
Ebenso kommen die Genussfahrer die schöne Aussichten und einfaches Tourengelände suchen gleichermaßen auf ihre Kosten wie die Trailliebhaber. Viele der Touren bieten zusätzliche Tipps zu Varianten an, die eben mehr oder weniger Trailanteil, Fahrtechnik oder sonstige Ansprüche erwarten.
Wer gerne mal noch ein paar Meter zu Fuß zu einem Aussichtspunkt oder einem nahegelegenen Gipfel zurücklegen mag, bekommt zusätzliche Hinweise zu Bike&Hike Möglichkeiten.
Detaillierter Aufbau einer Tourenbeschreibung
Der Titelbalken in Farbe dient zur Orientierung der Tourenschwierigkeit (blau, rot, schwarz). Es ist die Kombination aus Kondition, Fahrtechnik und sonstigen relevanten Toureigenschaften wie Fahrzeit, …. Hier war mir nicht immer klar, warum die eine Tour schwarz sein soll, während eine subjektiv wahrgenommen schwierigere Tour rot angegeben war. Eine grobe Richtung ist es aber sicherlich.
Der farbig hinterlegte Infokasten liefert in Kürze die wichtigsten Eckdaten zur Tour. Dies sind Strecke, Höhe und Fahrzeit, Anspruch an Fahrtechnik und Kondition, Verpflegungsmöglichkeiten, Ausgangspunkt, Hinweis auf Kartenmaterial, Anfahrt, Resümee, Varianten, Bike&Hike und E-Bike-Einschätzung.
Danach folgt eine ausführliche Beschreibung der Tour mit vielen extra Informationen. Dieser Etappentext ist für die subjektive Einschätzung sehr gut und wichtig. Wenn ich selbst Gruppen guide, dann sind genau die Extrainformationen am Rand der Tour, das was den Leuten in Erinnerung bleibt. Diese Texte sind gut aufbereitet und super geschrieben. Großes Lob!
Am Ende folgen die Übersichtskarte mit nummerierten Wegpunkten, das super Höhenprofil und die Abbiegehinweise im Roadbook-Format. Zwischen den Texten befinden sich immer wieder Bilder von den Touren. Diese sind gut gelungen und spoilern in den wenigsten Fällen die Tourhighlights, machen aber schon mal Lust auf genau diese.
GPS-Navigation
Die Navigation durch die Touren per GPS ist denkbar einfach und meine empfohlene Variante. Die GPX-Files liegen auf den Servern vom Verlag bereit und man kann sie sich mit dem Code aus dem Buch einfach runterladen. Bis ich am richtigen Punkt zum download angekommen war und wusste wann ich den Code und den Benutzer eintippen muss vergingen ein paar Sekunden. Das könnte der Verlag vereinfachen, indem ohne Vorauswahl einfach anhand vom Code die richtigen Daten geliefert werden.
Ein Direktlink im Buch oder ein QR-Code zur richtigen Stelle im Downloadbereich würden das Prozedere ebenfalls erleichtern. Pro Tour könnte der QR-Code mit angedruckt werden, damit man unterwegs im Urlaub auch mal schnell per Smartphone eine einzelne Tour laden kann und nicht extra noch ein Notebook zum entpacken der Zip-Datei braucht.
Die geladene Zip-Datei mit den GPX-Tracks beinhaltet die 40 Touren und ein Unterverzeichnis mit allen im Buch angegebenen Varianten. Innerhalb der Files sind außerdem die ganzen Wegpunkte angegeben. Diese habe ich gleich wieder aus meiner Sammlung gelöscht, da mich diese auf dem GPS-Gerät nur vom Track ablenken. Das ist aber Geschmacksache.
Ein Tipp noch zur Navigation per GPS: niemals zu 100% auf ein Gerät verlassen. Ein Sturz mit GPS-Defekt oder leere Akkus können einem hier den Spaß verderben. Wer noch eine Backup-Karte oder ein zweites Gerät in der Gruppe dabei hat, ist einfach entspannter unterwegs. Und die Übersichtskarte im Kopf erleichtert auch im Notfall und in schnellen Passagen die Orientierung, ohne dabei ständig auf das Gerät fixiert zu sein.
Ein kleines Beispiel aus meinem Test: Auf Tour 11 wurde der Weg kurz nach Riezlern um etwa 100 Meter verlegt. Wer ausschließlich dem GPS vertraut fährt inzwischen über Privatgelände mit einem Schild, dass der Durchgang verboten ist. Ebenso waren Bauarbeiten auf einem Abschnitt der Strecke. Mit Hilfe der Karte war schnell eine nahezu identische Alternative gefunden. Wer hier auf dem GPS-Gerät nach alternativen Wegen im steilen Gelände suchen muss ist oft eine Weile beschäftigt.
Roadbook-Navigation
Die Navigation mit dem Roadbook habe ich natürlich auch getestet und bewusst das GPS ausgeschaltet. Es ist möglich sich so zu orientieren, es bedarf aber einiger Vorbereitung um flüßig die Tour fahren zu können.
Ich habe mir die ganzen Navigationshinweise aus dem Buch raus kopiert und möglichst platzsparend auf den Lenker geklebt. Das hat prima funktioniert und wenn alles glatt läuft, dann stimmen die Abbiegehinweise ziemlich genau. Für Tour 8 waren die Abbiegehinweise überschaubar und die Varianten unterwegs auch ziemlich gering. Für solche Touren also perfekt machbar.
Wer versucht, mit dem großen/schweren Buch als Roadbook zu navigieren muss zum einen sicherstellen, dass das Wetter knochentrocken ist und zum anderen ziemlich häufig das Buch in die Hand nehmen. Eine Lenkerbefestigung beim Mountainbike halte ich nicht für sinnvoll.
Bei meinen herbstlichen Touren ist etwas Wasser auf den Guide gekommen. Die farbigen Seiten haben sich daraufhin schnell zusammengeklebt und ich musste aufpassen, dass ich die Schrift nicht abscheure. Für eine Navigation bei kritischem Wetter also semi gut geeignet.

Höhenprofile als Ergänzung zur Navigation
Die Höhenprofile im Guide sind super aufgebaut. Sie zeigen auf minimalstem Raum die Strecke, die Steigung, die wichtigsten Wegpunkte und den Untergrund. Wer das Höhenprofil im Kopf hat, hat sicher schon 70% der Navigation. Für mich das wichtigste Mittel bei allen Touren, gerade auch wenn ich das GPS nutze. Die Profile sind richtig gut gelungen.

Verbesserungsmöglichkeiten
In den GPX-Dateien hat sich bei Tour 11 ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die Datei heißt zwar Variante B, innerhalb des Tracks ist aber Variante A angegeben. Auf dem GPS heißen dann beide Varianten A, wenn man nicht aufpasst.
Außerdem würde ich im kommenden Frühjahr noch schnell die GPS-Daten mit den Wegänderungen abgleichen. Hier haben sich bereits jetzt einige Dinge verschoben durch Erdrutsch (11), Sperrungen (11), Neuanlage/Umverlegung (8), … Diese Änderungen sind meist in den örtlichen Tourismusbüros bekannt. Diese nutze ich beispielsweise auch bei der Planung von geführten Touren.
Die Fahrzeiten für die Touren mit viel Trailanteil und vielen Höhenmetern laufen etwas aus dem Ruder. Trotz weniger Trainigskilometer war ich teilweise signifikant schneller. Bei kurzen Touren (z.B. Tour 19) habe ich nicht mal die Hälfte der Zeit gebraucht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der angegebenen Dauer läge bei knapp 3km/h. Sprich: man könnte die komplette Tour wandern und wäre noch schneller.
Manche der Touren führen an echten Touri-Hotspots entlang. Ein kurzer Hinweis auf die Frequentierung lässt die Entscheidung leichter fallen, was man lieber nur Werktags, nicht Sonntags oder nur außerhalb der Ferien unter die Stollen nimmt.

Die Singeltrailskala ist inzwischen ein anerkannter Wert zur Einstufung der Fahrtechnik. Diese kann gut und gerne noch in den Infokasten. Diese 2 Zeichen haben immer Platz.
Autoren, Vorwort und Einleitung
Die Autoren sind zwei Brüder deren Leidenschaft zum Mountainbike in den Touren deutlich erkennbar ist. Es hat richtig Spaß gemacht die Touren anhand der Beschreibung zu genießen und zu erleben. Immer wieder wurde ich überrascht wie gut die Variante an der jeweiligen Stelle sich in die Tour eingegliedert hat. Hin und wieder dachte ich: hier wäre ich aber anders gefahren und bemerkte erst später, dass ich dann eventuell was verpasst hätte und wenn es nur ein sackrisch steiler Anstieg gewesen wäre.
Spezielle Features
- Kompaktes Format —> quer und immer zum „umschlagen“
- Ringbindung kann samt Cover geklappt werden
- Strukturierung von West nach Ost
- Übersichtstabelle am Ende des Buches mit allen relevanten Informationen zu den Touren
- Höhenprofil mit allen wichtigen Details

Fazit
Ich vergebe 4 Sterne, weil der Guide echt eine super Sache ist. Die kleineren Dinge, die mir nicht so zugesagt haben, habe ich schon im Text aufgeführt. Insgesamt haben sie bei mir zu einem Stern Abzug geführt. Aber es braucht ja noch Futter für Auflage 2 ;-)
Zusammengefasst aber echt ein super Werk geworden. Lob an die Autoren.
