Zukunftsweisendes Material und funktionelles Design
VORTEILE
- biologisch abbaubar -> kein Mikroplastik
- recyclebar mit Upcyclingprämie (30 % Rabatt)
- neutral in Geruch und Geschmack
- absolut Schadstofffrei
- Cradle to Cradle Gold
- Green Product Award 2019
NACHTEILE
- temperaturbeständig nur bis 45 °C
- nicht Spülmaschinengeeignet
- nicht für heiße Getränke geeignet
- aus Erdöl hergestellt
- Sand knirscht noch lange in Verschluss
- Verschluss wird nach einiger Zeit leicht undicht
BEWERTUNG
Jeder von uns benutzt eine Trinkflasche. Das Leitungswasser in Deutschland ist so gut, dass es absurd scheint, dass noch so viel in Flaschen gekauft wird. Doch ist auch die Wahl der richtigen Trinkflasche nicht einfach. Einige sind aus Aluminium, welches erst einmal unter hohem Energieaufwand hergestellt werden muss. Andere sind aus Kunststoffen, welche Schadstoffe enthalten können und durch UV Licht und Abrieb zu Mikroplastik zerfallen. Zudem sind ein gutes Aussehen und eine einfache Handhabung wichtige Kriterien. Die Bayonix Bottle setzt den gängigen Materialien etwas mehr als episches entgegen und erfüllt auch die übrigen Kriterien mit Bravur.

Materialauswahl
Die Flasche besteht aus einem auf Erdöl basierenden Kunststoff. Dieser ist biologisch abbaubar, kann aber auch zerkleinert werden und dann ohne weitere Zusätze als neues Ausgangsmaterial für weitere Flaschen verwendet werden. Ein unabhängiges und akkreditiertes Labor bestätigte mit einem Migrationstest von über 20 schädlichen Chemikalien, bei dem keiner dieser Stoffe auch nur in Spuren nachgewiesen werden konnte, dass die Flasche absolut Schadstofffrei ist. [S. Hunger, April 2019, 1-5]
Warum die Flasche aus Erdöl und nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird begründet Bayonix wie folgt: Ein Kunststoff mit den geeigneten Materialeigenschaften wäre sonst nur mit Additiven möglich gewesen. Diese seien chemisch bedenklich, wodurch das Material in der Verwendung als Trinkflasche weder unbedenklich für die Umwelt und den Menschen, noch kompostierbar gewesen wäre. Zudem steht die anderweitige Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen immer auch in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung und der Urwalderhaltung. [S. Hunger, April 2019, 1-5]
Die Erklärung bezüglich des Verzichts auf nachwachsende Rohstoffe finde ich in diesem Fall nachvollziehbar. Auch wenn sie im Originaltext sehr überzogen scheint. Fast wie ein panischer Versuch sich für die Verwendung von Erdöl zu rechtfertigen. Und natürlich hat der umweltbewusste Mensch im Hinterkopf, dass wir, wenn wir noch knapp 8 Jahre so weitermachen wie bisher und Kohle, Gas und Erdöl verbrennen, sich das Klima soweit erwärmt hat, dass es in die sich selbst beschleunigende Phase der Erwärmung übergeht und wir alle verkackt haben. Aber darum geht es bei diesem Produkt nicht. Als alternative zu allen anderen Flaschen, die wir nutzen können, um unterwegs unabhängig von Wasserquellen zu sein, ist sie unschlagbar gut. Sie zeigt zudem vielmehr auf, was wir aus Erdöl alles sinnvolles machen können, während wir es noch nutzen.
Über die NawaRo-Materialien oder auch Biokunststoffe, von denen die derzeit gängigsten thermoplastische Stärke (80 %), Celluloseacetat (CA), Polymilchsäure (PLA) und Polyhydroxybuttersäure (PHB) sind, lohnt es sich aber kurz nach zu denken.
Stärkekunststoff wird direkt aus Nahrungsmitteln hergestellt, muss erst durch das Vermengen mit anderen Kunststoffen wasserbeständig gemacht werden, wäre danach aber immer noch biologisch abbaubar. CA aus dem unverdaulichen Teil vieler Pflanzen ist nicht biologisch abbaubar. PLA und PHB werden letztlich auch aus Zucker und Stärke (Glycerin und Palmöl) und damit aus Lebensmitteln hergestellt. PLA ist jedoch biologisch abbaubar und wäre mit einer Erweichungstemperatur von 60 °C vermutlich besser für eine Trinkflasche geeignet. Polyhydroxybuttersäure ist biologisch abbaubar und hat sogar einen Schmelzpunkt von über 130 °C.
Natürlich stehen Stärkeblends, PLA und PHB in Konkurrenz zu Lebensmitteln, jedoch steht der verwendete Kunststoff auch in Konkurrenz zu anderen Verwendungen von Erdöl. Diese Konflikte bestehen immer, wenn wir uns dazu entscheiden Rohstoffe für etwas bestimmtes zu nutzen.
Ein Argument, nämlich der Preis und damit die Wettbewerbsfähigkeit des verwendeten Kunststoffes, wird von Bayonix nicht angesprochen. Doch ist es ebenso wichtig ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass neue Alleskönner und entsprechende Fertigungsverfahren erst einmal entwickelt werden wollen. Und das kostet Geld und macht Kunststoffe wie Polymilchsäure und Polyhydroxybuttersäure noch so teuer. Daher können wir froh sein, dass es zumindest aus Erdöl für einen erschwinglichen Preis eine so sichere und umweltfreundliche Trinkflasche gibt.
Zu den Materialeigenschaften bei erhöhten Temperaturen schreibt Ruhland, dass das Material bei Kontakt mit heißem Wasser wabbelig weich wird und beim Abkühlen wieder erstarren. Überschreitet daher bitte nicht die 45 °C. [L. Ruhland, Taz.am Wochenende, 10.11.2018, Berlin 27 Alle 25 Nord, ePaper S 31]
Biologisch abbaubare Kunststoffe
Es gibt eine Vielzahl von Flaschen, deren Materialien recycelt werden können. PET wird zu Fleecestoffen, usw.
Doch landen diese Flaschen allzu oft im falschen Müll oder gar in der Natur. Sie zersetzen sich durch UV-Licht und Reibung sehr langsam und werden nach und nach zu Mikroplastik. Eine Möglichkeit dieser Umweltverschmutzung entgegen zu treten, ist die Entwicklung und der Einsatz abbaubarer Kunststoffe. Da oft nur Geld in die entsprechende Forschung fließt und Anwendungsbereiche erschlossen werden, wenn es für diese Art der Kunststoffen einen Markt gibt, unterstützt man eine verdammt gute und wichtige Entwicklung mit jedem Kauf eines solchen Produktes.
Damit ein Kunststoff abbaubar ist, muss er eine Sollbruchstelle enthalten. Was bedeutet, dass er nicht alle Eigenschaften eines herkömmlichen Kunststoffes erfüllen kann. Die Bayonix Bottle verträgt Wasser und Mikroorganismen, jedoch keine Temperaturen über 45 °C und ist eventuell nicht so unglaublich unnötig langlebig wie eine PET-Flasche. Für eine Kompostierung braucht es Wasser, Mikroorganismen und hohe Temperaturen. Der Verzicht auf heiße Getränke ist daher vermutlich der Tradeoff für ein so fortschrittliches Material. Da Bayonix selbst sagt, dass Additive, die die Temperaturbeständigkeit erhöhen würden, die Abbaubarkeit zu Nichte machen würde, denke ich, dass hier ein direkter Zusammenhang besteht.
Dazu wie gut der verwendete Kunststoff abbaubar ist, gibt es leider keine offiziellen Angaben. Soll die Flasche jedoch lange halten und einem nicht im Rucksack wegrotten, so wird ihr Abbau auch ziemlich lange dauern. Jedoch haben biologisch abbaubare Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe an genau dieser Stelle ein noch viel größeres Problem. Sie können auch nicht einfach auf den Kompost im Garten geworfen werden, brauchen oft besondere oder sehr harsche Bedingungen für den Abbau und sind nur auf dem Industriekompost zu entsorgen.
Zur Werbung von Bayonix
Die Werbung zielt offensichtlich auf aufgeklärte, anspruchsvolle und umweltbewusste Kunden ab. Diese zu mobilisieren, um eine notwendige Weiterentwicklung der Kunststoffe zu ermöglichen, halte ich auch für äußerst Lobenswert.
Bei einer solchen Werbung und Rechtfertigung des eigenen Produktes muss man jedoch aufpassen nicht alle anderen Materialien zu diskreditieren. Hier entsteht leicht der Eindruck biologisch abbaubare Kunststoffe auf Basis nachwachender Rohstoffe wären keine adäquate Alternative zu den auf Erdöl basierenden Kunststoffen. Das stimmt aber nur bedingt und muss für den Einzelfall abgewogen werden.
Ich habe den Eindruck, als wurde hier versucht voreilig mögliche Angriffspunkte auszuräumen, weil dem ein oder anderem ein überdurchschnittlich gutes Produkt noch nicht perfekt genug sein könnte. Doch wem der eigene Impact auf die Ressourcen unserer Welt so unendlich wichtig ist, sollte vielleicht lieber nach den Prinzipien des Minimalismus leben und eine alte PET-Flasche nutzen, die eh schon hergestellt wurde und ansonsten nur auf dem Müll landen würde, anstatt sich das neuste Nobelprodukt zu kaufen und dadurch moralisch besser zu fühlen, ohne wahrhaft ökologisch zu handeln.
Verschluss und Handhabung
Der Verschluss kommt ganz ohne Gummi- oder Siliconabdichtungen aus. Der Deckel lässt sich mit nur einer Umdrehung schnell öffnen und schließt zuverlässig. Jedoch knirschte er nach einem Tag am Strand noch tagelang und wurde jetzt nach 6 Wochen leicht undicht. Schraubt man ihn jedoch mit etwas Kraft zu, so funktioniert er auch weiterhin.
Der Verschluss der Trinköffnung sitzt bombenfest, was auch lange so bleibt. Zudem lässt er sich einhändig öffnen, schließen und klingt bei kohlensäurehaltigen Getränken wie eine Flasche Flensburger. Die Trinköffnung selbst ist so groß, sodass man bequem und zugleich in sehr großen Schlücken daraus trinken kann. Optimal für den Sport.
Durch ihren simplen Aufbau lässt sie sich sehr einfach reinigen. Dadurch eignet sie sich auch für das Mixen von Shakes. Falls der Kohlenhydrate-Protein-Shake nach dem Sport mal etwas größer sein darf. Wer aus einem alten Shaker so eine Siebkugel zum klumpen freien Auflösen von Pulvern hat, kann diese hier gut einsetzen.
Am Deckel befindet sich noch eine Öse an der eine Schnur oder ein Karabiner befestigt werden kann. Dies ermöglicht es, die Flasche außen an einem Rucksack zu befestigen und sie so griffbereit und gegen Verlust gesichert zu transportieren.
Die Spritzgussteile sind sehr sauber hergestellt und auch der aus rauer griffiger Farbe hergestellte Aufdruck sieht sehr wertig aus. Die herausstehende Schrift am Deckelrand gibt ordentlich Traktions, so dass der Deckel kraftvoll zugeschraubt werden kann. Über Design und Farbe kann man immer streiten. Mir gefällt sie aber sehr gut.
Daten
Volumen: 0.75 L (Herstellerangabe)
Volumen: 0.83 L (selbst gemessen)
Gewicht: 205 g (selbst gewogen)
Temperaturbereich: bis 45 °C (Herstellerangabe)
Material: abbaubarer Kunststoff aus Erdöl
Zulieferer: Süddeutschland (Herstellerangabe)
Fertigung: Bayern (Herstellerangabe)
Auszeichnungen
Cradle to Cradle - von der Wiege zur Wiege - beschreibt das Design von Produkten und deren Fertigungsprozesse, die auf einen geschlossenen Kreislauf hin ausgelegt sind. Es geht dabei um Umwelt- und Ressourcenschonende Produktionsprozesse, die Produkte hervorbringen, die leicht wieder zu zerlegen und zu recyceln sind und sich somit vollständig in den Schöpfungsprozess neuer Produkte integrieren lassen. Dabei ist es wichtig, dass die Qualität der Materialien über mehrere Kreisläufe hinweg erhalten bleibt und nur als sicher eingestufte Chemikalien verwendet werden.
Das Material der Bayonix Bottle ist ein solches, dass vollständig recycelt oder gleich umweltverträglich kompostiert werden kann. Dafür gab es 2018 die Cradle to Cradle Gold Zertifizierung. Das Cradle to Cradle Products Innovation Institute ist eine nonprofit Organisation, die seit 2010 diesen Cradle to Cradle Certified™ Produkt Standard verwaltet. [c2ccertified.org]
Green Product Award: Fortschrittliche Innovationen hervorzuheben und anspruchsvollen Kunden Orientierung und Sicherheit zu geben, ist für die Unterstützung kleiner Marken unerlässlich. Und vor allem im Bereich der grünen Produkte ist es sinnvoll darüber einerseits auf Aufmerksamkeit und verdiente Reichweite zu setzen und andererseits die gelegentlich etwas höheren Preise zu rechtfertigen.
Die Flasche von Bayonix hat 2019 den Green Product Award erhalten. Der Green Product Award zeichnet seit 2013 einmal im Jahr Produkte und Services unter den Kriterien des Designs, der Innovation und der Nachhaltigkeit aus und präsentiert diese dem deutschen Markt. Er richtet sich dabei an nationale sowie internationale etablierte Firmen und Start-Ups und präsentierte die ausgezeichneten Produkte in 2019 auf dem Green Campus, der Internationalen Handwerksmesse in München. [gp-award.com]


Upcyclingprämie
Jedes Produkt erreicht einmal sein Lebensende. Damit die alte Flasche dem Kreislauf zugeführt und Kunden erhalten bleiben, gewährt Bayonix einen 30 % Rabatt auf eine neue Flasche, wenn ihnen die alte zugeschickt wird. In Zukunft soll es auch andere Möglichkeiten der Rückgabe als die über den Postweg geben.
Resümee
Ich finde die Flasche ästhetisch wie chemisch gesehen wunderschön. Dem Design des Materials wird mit dem schicken Design der Flasche Rechnung getragen. Wer etwas auf verantwortungsbewusste Entscheidungen hält, kann mit dieser Flasche zeigen, dass er eine Entwicklung von nachhaltigen Produkten unterstützt und dafür aller höchstens auf einen heißen Tee verzichten muss. Zudem ist es gerade bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen wichtig, dass sie eben nicht ewig und unter allen Bedingungen halten. Der durch sie erzeugte Müll tut das sonst nämlich auch. Zu beachten ist jedoch, dass sie als neues Produkt noch ihre Kinderkrankheiten hat. Zumindest ist meine jetzt nach einen schonungslosen Dauereinsatz über 6 Wochen etwas undicht geworden. Steht sie nicht aufrecht im Rucksack oder wird sie nicht mit Kraft fest verschlossen, so sickern kleine Tropfen durch den Schraubverschluss hindurch, was mich als Wassertrinker jedoch nicht weiter stört.