Toller kompakter Einstieg in die Astrofotografie.
VORTEILE
- Kompaktes Design
- Spielerischer Einstieg in die Welt der Astrofotografie
- Hochwertige Verarbeitung
- Magnetischer ND-Filter
- Muss nicht 100 % in Waage ausgerichtet sein
NACHTEILE
- Recht geringe Auflösung (maximal 1080 px)
- Keine Transporttasche im Lieferumfang
- Internetverbindung für Fotobearbeitung notwendig
BEWERTUNG
Als Outside-Stories Produktscout hatte ich die Chance, das Dwarf Mini Smart-Teleskop von DWARFLAB zu testen. Dieses kompakte Teleskop bietet den Einstieg in die Astrofotografie mittels intuitiver Technik und der Steuerung über das Smartphone.

Als mich das Paket erreichte war ich bereits verwundert, wie kompakt das Gerät doch sein muss, denn der Karton misst gerade einmal 21,5 x 15,5 x 9,5 Zenitmeter und liegt nicht schwer in der Hand. Als alter Hase in der „normalen“ Fotografie weiß ich, dass Linsen – und dabei besonders lange Brennweiten – ziemlich klobig und schwer sein können.

Zahlen, Daten, Fakten:
Das Datenblatt verspricht eine Vollbild-äquivalente (35 Millimeter Film) Brennweite von 1.016 Millimetern. Durch die Blendenöffnung von 30mm ergibt sich eine Blende von ca. f/34. Hiermit lässt sich auch das kompakte Maß erklären. Fotografen mag die hohe Blendenzahl etwas abschrecken, doch für die Astrofotografie reicht diese Öffnung bereits aus, da man hier bspw. keine extreme Tiefenschärfe haben möchte, die größere Blendenöffnungen mit sich bringen. Neben der Hauptlinse gibt es noch eine zweite Weitwinkellinse, hauptsächlich zum Fokussieren bzw. Orientieren am Nachthimmel.
Der Sensor ist mit 1/2,8 Zoll Größe nicht sehr groß und entspricht in etwa der Größe des Sensors eines iPhone 11. Jedoch hat der IMX662 Sensor „lediglich“ eine Auflösung von 2 Megapixeln, also vereinfacht gesagt größeren und empfindlicheren Pixeln, wodurch sich dieser Sensor eben gut für die Astrofotografie eignet. Fotos und Videos lassen sich in Full-HD-Auflösung, also 1920 x 1080 Pixel aufnehmen.
Zur optimalen Nutzung im Astrobereich sind verschiedene Filter sinnvoll, die bereits im Dwarf Mini integriert sind und nicht einzeln aufgeschraubt werden müssen. Im Detail sind das ein Dunkelbildfilter, ein Astrofilter und ein Dual-Narrowband-Filter. Diese Filter helfen dabei, Infrarotlicht zu verstärken, sowie Mond- und Stadtlichtverschmutzungen herauszufiltern. Auf das Weitwinkelobjektiv lässt sich nur der Astrofilter anwenden. Möchte man zudem in Richtung Sonne fotografieren oder filmen, gibt es einen magnetisch aufsatzbaren ND-Filter, der zum Lieferumfang gehört.
Das Teleskop selbst dreht sich motorisch um 360 Grad und kann den Kopf ebenfalls motorisch neigen. Hierbei ist ein Neigewinkel von 225 Grad möglich. Das Gerät muss nicht vollständig waagerecht stehen, um zu funktionieren, daher ist ein Stativ nicht zwingend vonnöten. Aufgrund der kleinen Standfläche, in der auch die Stativaufnahme (1/4“) integriert ist, steht das Teleskop zwar auf einer Tischfläche gut, aber auf unebenem Untergrund wird es nicht sicher genug stehen, um auch bei Drehungen stabil zu bleiben.
Der Akku hat eine Kapazität von 7000 mAh und soll das Dwarf Mini damit gut 4 Stunden versorgen. Das wäre eine Langzeitaufnahme von ca. 250 Astrofotos (inkl. Einrichtung und Pufferung). Es kann mit 22W über USB-C geladen oder alternativ über einen externen Akku oder ein Netzteil während des Betriebs gespeist werden.
Ersteinrichtung:
Um das Dwarf Mini steuern zu können, bedarf es der App DWARFLAB. Über diese App wird das Teleskop gesteuert, verwaltet und die Fotos und Videos werden aufgerufen. Bei der Erstanmeldung kann das Teleskop registriert werden. Diese Registrierung ist spätestens auch für die Bearbeitung der Fotos im integrierten „Stellar Studio“ notwendig.


Um das Teleskop nun das erste Mal in Action zu versetzen, muss eine Verbindung aufgebaut werden. Mit den meisten Handys ist es möglich, eine NFC‑Verbindung herzustellen. Dafür bringt man das Handy einfach in die Nähe des Gerätes. Meist wird die Verbindung danach schnell hergestellt, teilweise schlug sie zwischendrin aber auch immer mal fehl, eine Logik konnte ich daraus jedoch nicht ableiten.

Befindet man sich zu Hause im WLAN Netzwerk, kann das DWARF Mini über das Handy auch direkt mit dem Netzwerk verbunden werden, um bspw. größere Uploads zu starten oder die Firmware upzudaten. Ansonsten ist aber auch eine Verbindung direkt zum Teleskop möglich. Befindet man sich draußen auf weitem Feld, kann man den Verbindungsmodus dann auch auf AP‑Modus stellen. Das beschleunigt auf jeden Fall den Verbindungsaufbau.
Und Action:
Wie zuvor beschrieben kann das DWARF Mini zwar auf jeder halbwegs ebenen Fläche aufgestellt werden, ich habe es jedoch vorgezogen, ein kleines Stativ mitzunehmen. Das schafft einerseits Stabilität vor dem Umfallen, aber auch einen ganz praktischen Schutz vor Wackeln im Bild, sofern es auch gut steht. Bei der verwendeten recht langen Brennweite sind kleine Wackler bereits sehr stark im Bild zu erkennen.


Je nach Situation, also ob man den Nachthimmel oder in die Sonne fotografieren möchte, wie bei einer Sonnenfinsternis, wird ein ND-Filter benötigt. Dieser wird einfach per Magnet vorne aufgesetzt. Passenderweise gab es eine, zumindest partielle, Sonnenfinsternis bei uns, bei der ein paar coole Fotos und ein Zeitraffer entstanden.



App-Funktionen:
Zu Beginn einer Aufnahme muss ein Modus ausgewählt werden. Hierzu gibt es zwei Wege. Man kann auf die Schaltfläche „Foto“ öffnen und landet in der direkten Steuerung des Teleskops oder über „Atlas“ in der unteren Menüleiste in einer Atlasübersicht gelangen, in der man Sterne, Sternenformationen, Planeten oder Galaxien direkt ansteuern kann.

Startet man in der Atlas-Funktion, die sich für die Astrofotografie anbietet, sieht man den aktuellen Sternenhimmel über sich, der per Geolokation immer aktuell gehalten wird.


Der kompetente OUTSIDEstories-Test: Dwarf Mini von DWARFLAB, Smart-Teleskop
Im Beispiel habe ich den Andromedanebel ausgewählt. Über das Fotografiesymbol rechts kann man nun direkt eine Verfolgung dieses Nebels starten und die Aufnahme beginnen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, über die Symbole am rechten oberen Bildschirmrand andere Funktionen anzuwählen (von oben nach unten):
- Lupe: ermöglicht die Suche nach gewünschten Formationen

- Bildformatanzeige: stellt die Anzeige auf das jeweilig genutzt Gerät ein und ermöglicht ein Umschalten der Linsen für die Voransicht des Bildausschnitts

- Astro Mosaik: Zur Erstellung von größeren Bildern werden mehrere Fotos zusammengelegt

- Star Party: Zusammen mit anderen Astrofotografen kann man gemeinsam fotografieren und so große Mosaike oder detailreichere Bilder erstellen.

Wählt man im Atlas eine Formation oder einen Punkt aus, den man fotografieren möchte, stellt sich das Teleskop ein und startet das Tracking. Damit landet man auch in der eigentlichen Fotooberfläche, auf die man auch von der Startseite gelangen kann.


Hier können Feineinstellungen am Foto vorgenommen werden. An meinen Standorten, an denen ich testen konnte, stellte das Teleskop sich über Auto-Parameter immer so ein, dass ein Foto über 4 Stunden gebraucht hätte, also auf 249 Einzelfotos. Da mir das gerade für die ersten Versuche etwas zu viel erschien, habe ich immer die manuellen Einstellungen bevorzugt, mit denen sich auch bereits ansehnliche Fotos erstellen ließen. 30 bis 50 Einzelfotos habe ich bei Sternen aber immer gewählt.
Der Fokus kann entweder manuell eingestellt oder per Autofokus durch das Teleskop automatisch angepasst werden. Dieser schien mir gut zu funktionieren und die bessere Wahl, da ein händisches Fokussieren gerade bei der langen Brennweite nicht ganz einfach ist.
Neben der Astro- oder Deep Sky Fotografie können auch andere Modi gewählt werden.

- Allgemein: Normale Kamerafunktion, wobei ich den Nutzen davon nicht wirklich sehe aufgrund des speziellen Sensors und der doch langen Brennweite. Im Beispiel sieht man oben links das Weitwinkel Objektiv und im großen Bild das lange Zoom, übrigens mit Autofokus scharf gestellt.

- Deep Sky: Wie zuvor schon eingehend beschrieben für verschiedene Sternformationen und Himmelskörper
- Sonnensystem: Bspw. für die Sonnenfinsternis, Einschränkung hierbei ist die Auflösung von nur 720p statt der 1080p. Ich denke, hier wird wegen des 2 x Zoomfaktors nochmals ein Bildbeschnitt vorgenommen, um die Sonne einfach nochmals größer abbilden zu können.
- Milchstraße: Wie der Name schon sagt, für Bilder der Milchstraße
– Sternspuren: verschwommene Sternenspuren, die entstehen, wenn das Bild durchgehend einen Fixpunkt mit einer langen Belichtung bzw. vielen übereinandergelegten Bildern darstellt.
Praxis:
In der Praxis habe ich gemerkt, dass es gar nicht einfach ist, eine geeignete Nacht und einen geeigneten Spot zu finden, wenn man nicht gerade in den Bergen oder der Einöde unterwegs ist. Es gibt mehrere Faktoren, die es schwieriger machen, ein gutes Astrofoto zu schießen. Das Wetter muss passen, der Himmel sollte natürlich wolkenfrei sein.
Windstille ist ratsam, um ein Verwackeln zu vermeiden, da die Belichtungszeiten der einzelnen Bilder jeweils oft mehrere Sekunden betragen. Die Lichtverschmutzung sollte so gering wie möglich sein. Gerade der letzte Punkt ist bei ansonsten gutem Wetter in bebautem Gebiet schwer zu finden. Als Anhaltspunkt nehme ich gerne die Sichtbarkeit der Milchstraße. Bei mir zu Hause habe ich leider keinen Spot, an dem ich die Milchstraße gut erkennen kann. Das kenne ich eher aus den Alpen, der Toskana oder Schweden.
Dort habe ich mehrfach wirklich tolle sternenklare Nächte erlebt. Leider war ich für den Test an keinem dieser Orte und musste mit den Gegebenheiten arbeiten, die mir zur Verfügung standen. Dazu muss man eine Nacht abpassen, in der man auch mal etwas länger draußen bleiben kann, sprich am nächsten Morgen nicht zu früh auf die Arbeit muss. Die Möglichkeiten beschränken sich schnell aufs Wochenende und durch das Wetter werden die möglichen Tage stark beschränkt. Kurzum, obwohl es wirklich Spaß macht, sich mit den Sternen und der Astrofotografie zu beschäftigen, ist das leider kein Hobby, welches man jederzeit und überall ausüben kann. Dessen sollte man sich bewusst sein.
Positiv sind aber die Kompaktheit und die einfache Bedienung des Dwarf Mini. Man kann es auch auf Reisen gut einpacken, denn es nimmt nicht viel Platz im Gepäck ein und kann gerade in abgelegeneren Gegenden ein wirklich tolles Gadget sein und für besondere Urlaubserlebnisse sorgen.
Die gemachten Aufnahmen landen auf dem Dwarf Mini selbst im internen Speicher. Dieser misst über 50 GB und ist damit fürs Erste ausreichend groß. Möchte man die Fotos bearbeiten, was häufig sehr sinnvoll ist, muss man sie in der App nochmals in „Stellar Studio“ auswählen und hochladen.

Über verschiedene Filter lassen sich Verbesserungen durchführen und auf die Fotos anwenden. Die Beispielbilder wieder anhand der Andromedagalaxie (1: „out of Cam“, 2: bearbeitet)


Fazit:
Für einen Einstieg in die Astrofotografie bietet sich das Dwarf Mini hervorragend an. Es ist eine Kombination aus ernst zu nehmendem Teleskop und „spielerischem“ Lerngerät.
Alles zusammen in einem wirklich sehr kompakten Gehäuse. Der magnetische ND-Filter ist ein tolles Gadget um die Möglichkeiten des Teleskops auch auf das Sonnensystem zu erweitern. Ein Ladekabel liegt dem Gerät bei, leider keine Transporttasche. Diese hätte ich mir gewünscht, da ich ein Gerät in dieser Preiskategorie ungern einfach in die Tasche stecke. Ein gepolsterter Beutel hätte es wahrscheinlich schon getan, hier muss man sich selbst etwas Passendes suchen. Im Zweifel muss der relativ stabile Karton herhalten. Ein Stativ zu besitzen ist ratsam, da es den Funktionsumfang nochmals erweitert.
Würde ich das Dwarf Mini empfehlen? Ja, auf jeden Fall, es ist eine sehr gute Einstiegsdroge in die Astrofotografie und macht Lust auf mehr, was DWARFLAB in zwei weiteren Ausbaustufen mit dem Dwarf 3 und nun auch in deutlich größer mit dem Draco bietet.

Pippo
Sehr guter Test!
3 Tage 1 Stunde her