Nicht sehr intuitiv, aber auch große Heckklappe zu öffnen!
VORTEILE
- Heckklappe zu öffnen, auch beim Hochdachkombi
- Viel Platz für die Räder
- Erweiterbar für ein drittes Rad
- Sicher und stabil
- Verstellbare, keilförmige Radschalen
NACHTEILE
- Kompliziert in der Bedienung
- Nicht intuitiv
- Alles schwergängig
- Viel Kraft benötigt
- Groß zum Lagern
BEWERTUNG
In den letzten Wochen habe ich einen Fahrradgepäckträger von ATERA, nämlich den Strada EVO RV. Getestet habe ich die Version für zwei Fahrräder, welche allerdings erweiterbar auf drei Fahrräder ist. Den Testbericht zum Erweiterungsmodul könnt ihr in einem separaten Artikel lesen.
Das besondere an dem Gepäckträger ist, dass er über einen Rollenauszug ausziehbar ist, sodass man die Heckklappe problemlos öffnen kann. Viele Gepäckträger sind mit einem Kippmechanismus ausgestattet, sodass sich die Heckklappe auch öffnen lässt. Das funktioniert allerdings nur bei „normalen“ PKWs.
Bei (Hochdach-)Kombis allerdings nicht. Dank Rollenauszug bekomme ich die Klappe von meinem Berlingo aber geöffnet. Das ist die ganz große Stärke und das Alleinstellungsmerkmal dieses Trägers. Jetzt kann ich endlich meinen Kofferraum öffnen! Mehr dazu und zur sonstigen Benutzerfreundlichkeit lest ihr im Verlauf des Berichts.
Allgemeines:
Der Strada Evo RV ist der neue Kupplungsträger von Atera. Er ist ausgelegt für zwei Fahrräder, lässt sich jedoch erweitern auf drei Fahrräder (Achtung! Das Erweiterungsmodul des Vorgängerträgers EVO 2 und dass des neuen Trägers EVO RV haben zwei unterschiedliche Modellnummern).
Die nachfolgenden technischen Informationen stammen aus dem Produktblatt/ der Pressemitteilung von Atera. Ich habe den Gepäckträger aus logistischen Gründen nicht selbst nachgewogen und auch nicht an seine Maximalgrenze beladen können.
Jede Schiene kann aber mit maximal 30 kg beladen werden, was zu einer Gesamtbeladung von maximal 60 kg führt. So ist auch der Transport von E-bikes kein Problem. Zu beachten ist, dass auch mit der Erweiterung für ein drittes Fahrrad (max. 15 kg) die Gesamtbeladung von 60 kg nicht überschritten werden darf! Der Abstand zwischen den Schienen ist mit knapp 20 cm sehr großzügig, sodass die Räder unproblematisch nebeneinander passen (mehr dazu später). Das Eigengewicht des Fahrradträgers liegt bei 18,4 kg und die Maße betragen: L 1080 x B 330 x H 750 mm im eingeklappten Zustand.
Auf dem Träger können Räder mit einer Reifengröße von bis zu 29 Zoll und Breite bis zu 3 Zoll montiert werden. Um die maximale Reifenbreite montieren zu können, müssen jedoch längere Rastbänder nachbestellt werden. Mit meinen 2,4 Zoll breiten Reifen war die Montage noch knapp möglich.
Die Rahmendurchmesser, die transportiert werden können liegen zwischen 25 und 80 mm und auch der Transport von Carbon-Rahmen ist möglich.
Preislich liegt der Strada EVO RV zur Zeit bei 929 € ohne Erweiterung.
Anleitung
Die Anleitung besteht quasi nur aus Bildern, welche für mich schlecht bis kaum verständlich sind.
Die Montage musste daher mit Hilfe von YouTube-Videos, Wissenstransfer von anderen Gepäckträgern und Ausprobieren erfolgen. Hier wären ein paar Sätze der Erläuterung auf jeden Fall hilfreich, da ein Bild in diesem Fall leider nicht mehr als tausend Worte sagt…
Es gibt jedoch auch ein Video von Atera selbst zur Montage. Es befindet sich hinter diesem Link: https://youtu.be/-WVmmKrclmM?si=NQoqHbr6HPuSN8ab
Montage
Wie eben schon erwähnt, war die Anleitung leider nicht hilfreich bei der Montage. Ich dachte jedoch: „Naja, ich habe schon verschiedene Gepäckträger genutzt. Wird schon nicht so kompliziert sein.“ Da habe ich mich allerdings etwas getäuscht. Die Montage ist zwar mit etwas Ausprobieren und Videos anschauen machbar und geht auch von Mal zu Mal zügiger, intuitiv ist sie jedoch nicht und ich habe definitiv schon Träger genutzt, deren Montage leichter vonstattengeht.
Zunächst einmal muss der Rastbügel, mit dem der Träger geschlossen wird, halb hochgeklappt werden; dazu muss der Schlüssel stecken und das Schloss aufgedreht werden. Der Schlüssel bleibt stecken. Dann wird der Träger schräg angehoben und auf den Kupplungskopf gesetzt.
Schön ist, dass hier ein kleiner Knopf/ Indikator mit roter und grüner Markierung am Befestigungsteil über dem Kupplungskopf ist. Sitzt der Träger richtig, so wird der grüne Ring sichtbar.
Man kann den Träger jetzt noch problemlos nach links und rechts verschieben und neigen. Danach kann man den Rastbügel spannen. Dazu zieht man einen Knopf zum Griff hin und drückt den Bügel nach unten.
Es gibt zwei Raststufen. Sobald die erste erreicht ist, kann man den Sitz des Trägers nochmal nachjustieren und spannt dann weiter zur zweiten Raststufe. Im Video, welches ich geschaut habe, sah das ganz einfach aus (Video ist zum Modell EVO 2 – vielleicht geht es da auch ganz einfach).
Ich dachte, ich hätte den Hebel weit genug geschlossen und wollte den Schlüssel abziehen. Hier kommt zum ersten Mal das geschlossene Sicherheitssystem ins Spiel. Man kann den Schlüssel erst dann drehen und abziehen, wenn der Rastbügel ganz unten ist. War er bei mir scheinbar nicht. Es war tatsächlich etwas mehr als sanfte Gewalt (aufstemmen mit dem gesamten Oberkörper) auf den Bügel notwendig, um diesen weit genug zu schließen. Danach konnte ich den Schlüssel jedoch abziehen und der Träger saß fest.
Nicht vergessen das Stromkabel festzumachen :)
Dann habe ich mir ein Rad geschnappt und draufgesetzt. Super gut gefallen mir die Radschalen. Diese sind keilförmig und frei positionierbar.
Man kann sie also flexible auf den Radstand anpassen und durch die Keilform verdrehen sich die Reifen nicht und wackeln kaum beim Fahren.
Befestigt werden die Reifen dann mit einem Ratschensystem, ähnlich wie eine Snowboardbindung.
Die Ratschen waren bei der ersten Nutzung sehr (!) schwergängig. Das wurde aber mit jedem Durchgang besser. Ebenfalls über ein Ratschensystem werden die Rahmen der Räder befestigt. Dazu gibt es zwei flexibel anbringbare Abstandshalter, die das Rad mit dem Haltebügel des Trägers verbinden.
Die Haltebügel können nur dann verschoben werden, wenn die Ratsche offen ist (auch wieder das geschlossene Sicherheitssystem). Das ist zwar großartig für die Sicherheit, jedoch umständlich, wenn man den Abstandshalter „mal eben schnell“ noch ein Stück nach links schieben will.
Auch ist bei der Verbindung zwischen Abstandshalter und Haltebügel noch so ein Gummiring untergelegt, welcher jedes Mal separat verschoben werden muss. Warum dieser nicht fest am Abstandshalter ist, ist mir unklar.
Hat man die richtige Position gefunden, nutzt man den Ratschenverschluss, um das Rad zu sichern.
Auch dieser lässt sich nur bedienen, wenn der Schlüssel umgedreht wurde.
Am Ratschenband ist ein verschiebbarer Gummipuffer, welcher den Kontaktpunkt mit dem Rahmen bilden sollte, um diesen zu schützen.
Bei mir ist es leider einmal passiert, dass sich das Ratschenband verklemmt hat und nicht mehr zu lösen war. Zum Glück hatte ich gerade kein Fahrrad montiert. Atera hat mir versichert, dass das noch nie vorgekommen ist und mir zeitnah einen neuen Bügel zugeschickt.
Am Ratschenband ist ein verschiebbarer Gummipuffer, welcher den Kontaktpunkt mit dem Rahmen bilden sollte, um diesen zu schützen.
Schön ist, dass der Verschloss vor übermäßig festem Anziehen schützt. Sobald genug Spannung auf dem Verschluss ist, greift die Ratsche nicht mehr und rutscht durch. Dann kann man den Hebel einklappen, Schlüssel drehen und abziehen. Wie bei der Schnalle am Reifen gilt auch hier, dass die ersten Male sehr schwergängig waren.
Durch die verstellbaren Radschalen und Abstandshalter, gepaart mit dem relativ großen Abstand zwischen den Schienen für die Fahrräder, kann man problemlos zwei Mountainbikes montieren ohne sich davor viele Gedanken über die Anordnung oder Sattelhöhe zu machen.
Die Köpfe der Abstandshalter sind drehbar, was die Montage zusätzlich erleichtert. Der Abstand ist so geräumig, dass man auch die Lenker nicht verstellen muss. Zur Sicherheit haben wir zwischen Gabel des einen und Hinterbau des anderen Rads noch ein kleines Polster zwischengelegt.
Eine ganz Herausforderung war jedoch die Montage des Nummernschildes. Zu zweit, plus Anleitung, plus YouTube haben wir 30 Minuten vergeblich probiert den Mechanismus zu verstehen und haben schon die Kabelbinder geholt, bevor wir zufällig den Mechanismus durchschaut haben.
Zwischenfazit zur Montage:
+ Fehler in der Anwendung sind durch das geschlossene System quasi ausgeschlossen
- viel Krafteinsatz beim Schließen des Hebels notwendig
- Verschlüsse schwergängig
- Nicht intuitiv
- Nummernschildmontage super kompliziert
Demontage
Die Demontage war deutlich unkomplizierter als die Montage. Begonnen mit den Reifen zunächst die Ratsche drücken, dann öffnet diese und das Band löst sich so weit, dass man den Rest bequem rausziehen kann.
Für die Abstandshalter braucht man wieder den Schlüssel. Verschluss öffnen und dann an dem kleinen weißen Hebel/ Schalter ziehen.
Dann ist der Halter offen. Man muss jedoch stark am Band ziehen, um es aus der Ratsche rauszubekommen. Am Anfang hatte ich Sorge, dass es festklemmt; ich war aber wieder nur zu zaghaft. Sind Reifen und Rahmen offen, kann man das Rad einfach runterheben. Auch hier wurde die Bedienung mit Mal zu Mal leichter, das Rausziehen des Bandes aus der Abstandshalterung ist mir aber nach wie vor zu schwergängig. Außerdem sind an einem Ratschenband bereits Abnutzungsspuren zu sehen.
Sind die Fahrräder unten, kann der Träger demontiert werden. Dazu muss der Rastbügel geöffnet werden – Schlüssel einstecken, drehen und Knopf/ Hebel am Griff betätigen, dann Bügel hochklappen.
Sobald man das Stromkabel demontiert hat, kann man es am Gepäckträger festmachen und es fliegt nicht durch die Gegend.
Danach kann der Träger von der Anhängerkupplung runter gehoben werden.
Lagerung
Zur Lagerung kann der Haltebügel eingeklappt werden, sodass der Träger etwas kompakter wird.
Leider ist er nicht weiter komprimierbar. Andere Träger lassen sich da noch weiter zusammenfalten. Er nimmt also relativ viel Platz in der Garage oder im Keller weg und kann je nach Autotyp nicht mal eben schnell in den Kofferraum gesteckt werden.
Gesamteindruck Bedienerfreundlichkeit
Leider kann ich den Gepäckträger insgesamt nicht als bedienerfreundlich bezeichnen. Zumindest nicht für die ersten Benutzungen.
Begonnen bei der Anleitung, über die nicht intuitiven Verschlüsse, die schwergängigen Ratschen und den zum Teil hohen benötigten Krafteinsatz, ist alles doch etwas unnötig kompliziert und hat meine Nerven zu Beginn stark strapaziert.
Mit jeder Benutzung wird es natürlich besser, aber wenn ich den doch eher hohen Preis im Hinterkopf habe, erwarte ich ein Produkt was einfach und unkompliziert funktioniert.
Positiv hervorzuheben sind aber die keilförmigen und verstellbaren Reifenschalen. Man kann das Rad flexibel auf dem Träger montieren und es wird allein dadurch gut und wackelfrei in Position gehalten. Ich schiebe bei Rädern, die ich zum ersten Mal montiere, immer die Radschalen eng zusammen, lasse sie aber offen. Wenn ich dann das Rad auf den Träger hebe, schieben sie sich automatisch in Position.
Toll ist, dass sich der Träger aber nicht wie die meisten anderen Träger abklappen, sondern ausfahren lässt. Dadurch entfernt er sich weit vom Kofferraum, sodass sich die Heckklappe meines Citroen Berlingo Multispace problemlos (!!!) öffnen lässt.
Auch Flügeltüren eines CamperVans/Camper-Kastenwagens sollen zu öffnen sein und wenn ich sehe, wieviel Platz bei mir ist, kann ich mir das auch sehr gut vorstellen, dass das passt.
Um den Träger abzusenken, muss eine Verriegelung über dem Nummernschild gelöst und dann ein Hebel unter dem Nummernschild gedrückt werden.
Dann kann man den Träger auf sich zu ziehen. Achtung: Bei mir stößt er auf den Boden. Unbedingt also bis zum Ende begleiten, sonst sind die Lampen schnell kaputt.
Um den Träger wieder in die normale Position zu bringen, schiebt man ihn einfach wieder hoch. Nochmal ein Achtung: Wenn man zu wenig Schwung hat oder zu sanft arbeitet, dann rastet die Sicherung über dem Nummernschild nicht von alleine ein.
Durch das geschlossene Sicherheitssystem ist es praktisch unmöglich loszufahren, ohne dass alles ordnungsgemäß fest ist. Das finde ich gut durchdacht. Man darf nur den Schlüssel nicht verlieren, sonst hat man ein Problem.
Mein Zwischenfazit zur Bedienerfreundlichkeit:
Die Dinge sind teilweise nicht intuitiv und man muss sich trauen auch mal mehr Kraft anzuwenden. Ich bin eigentlich keine zaghafte Person, bin aber manchmal gescheitert, weil ich zu vorsichtig war. Jetzt wo ich weiß, dass der Träger mit mehr Kraft zu bedienen ist, funktioniert es auch. Trotzdem frage ich mich immer wieder: „Soll das so? Oder gibt es doch noch einen Trick oder Kniff, den ich nicht verstanden/ gefunden habe?
Sicherheit und Fahrgefühl
Der Fahrradträger sitzt super fest auf der Anhängerkupplung und wackelt wenig bis kaum. An dieser Stelle punktet der Atera Strada Evo RV auf jeden Fall. Außerdem muss man durch die Sicherheitsfunktion der Ratsche am Abstandshalter keine Angst haben, dass man den Rahmen zu feste einklemmt.
Zudem ist es über den geschlossenen Kreislauf der Sicherungen und Schlösser praktisch unmöglich loszufahren, ohne dass alles sicher und fest ist und durch die Verriegelung kann sich (abgesehen von einem technischen Defekt, Materialbruch o.ä.) auch keine Halterung lösen.
Fazit
Das Fazit zu schreiben, beziehungsweise überhaupt ein Fazit zu ziehen, fällt mir dieses Mal sehr schwer.
Ein riesiger Vorteil für mich persönlich ist, dass ich meine Heckklappe öffnen kann. Dafür kann ich auch gerne mal über andere, nicht so gelungene, Dinge hinwegsehen. Es waren aber bis zur ersten Tour in den Bikepark viele kleine oder auch größere Stolperstellen zu bewältigen und ich war mehrfach kurz davor mein Rad doch einfach ins Auto reinzulegen.
Mein Fazit ist daher: Der Träger funktioniert und erfüllt seinen Job (Fahrräder werden sicher und fest transportiert), vieles ist aber unnötig kompliziert und von anderen Herstellern irgendwie besser umgesetzt. Ich hoffe, dass das Problem mit der verklemmten Ratsche wirklich nur eine Ausnahme war und nicht nochmal passiert, wenn ein Fahrrad montiert ist.
Die große Stärke des Trägers liegt aber ganz klar darin, dass dieser auf dem Rollensystem nach vorne zu ziehen ist. Als Besitzer:in eines Hochdachkombis, Campervans, Bus, Kastenwagen oder ähnlichem hat man bei dem Strada Evo RV die Möglichkeit die Hecklappe oder Hecktüren zu öffnen, was bei den meisten (oder gar allen?) anderen Trägern in Kombination mit unseren Autos nicht möglich ist.
Da das schon echt super ist, sehe ich für meinen Teil über die anderen Schwächen hinweg. Für Besitzer:innen anderer Autos gibt es aber sicherlich Alternativen, die einfacher in der Handhabung, günstiger und platzsparender sind.
Hinweis: Anke hat auch das Erweiterungsmodul ATERA Strada EVO RV von 2 auf 3 Räder getestet.
► Siehe hier ihre Bewertung.