Perfekter Schuh für schmale Füße
VORTEILE
- gute Passform für schmale Füße
- umlaufender Geröllschutz
- wasserdicht dank Gore-Tex
- gute Anpassung der Schnürung
- griffige Sohle
- bedingt Steigeisenfest (hinten Kipphebel, vorne Körbchen)
NACHTEILE
- bei sommerlichen Temperaturen sehr warm
BEWERTUNG
Für Bergtouren habe ich typischerweise drei Paar Schuhe zur Auswahl. Ist es eher eine Wanderung in leichtem Gelände, greife ich auf meine halbhohen Zustiegsschuhe zurück. Wird es ein wenig alpiner, habe ich einen noch recht beweglichen Wanderschuh. Kommt auch ein Gletscher ins Spiel, kommt man nicht umhin, einen steigeisen-geeigneten Schuh zu wählen.
Oft stehe ich dann bei verschiedenen Touren vor der Qual der Wahl, ob ich jetzt den Wanderschuh oder doch lieber den steigeisenfesten Schuh wähle, der allerdings auch etwas mehr auf die Waage bringt. So wäre es mir auch in diesem Herbst wieder gegangen, als für ein verlängertes Tourenwochenende im Berchtesgadener Land die Watzmann-Überschreitung und der Hochkalter auf dem Programm standen. Noch bevor ich die Entscheidung treffen musste, hat sich Outside-Stories gemeldet, ob ich Lust hätte, den Freney EVO LTH GV aus dem Hause Asolo testen möchte.
Kurz gegoogelt, wie so der Einsatzbereich des Stiefels ist und dabei auf die Stichworte "Alpine Bergtouren", "Klettersteige" und "anspruchsvolle Trekkingtouren" entdeckt. Das klingt nach dem passenden Schuh für das Wochenende. Die italienische Marke "Asolo" war mir schon ein Begriff, als Jugendlicher hatte ich schonmal ein paar Bergschuhe von diesem Hersteller, diese sind mir zumindest mal nicht negativ in Erinnerung geblieben. Insgesamt muss ich erwähnen, dass ich über die letzten Jahre immer mehr ein Freund von den italienischen Bergschuh-Marken geworden bin, da scheint Qualität und in meinem Fall auch die Passform zu stimmen.
Die Asolo Freney Evo Familie:
Die Freney Evo Familie ist die neue Produktlinie von Asolo für die Kategorie "Performance Light Hiking". Der von mir getestete Schuh fällt hierbei in die Kategorie "Alpine Mountaineering". Laut Asolo-Homepage ist der Anwendungsbereich dieser Schuhe für Aktivitäten, die auf mittelgroßen Bergen ausgeübt werden, dabei leichtes Gepäck und schnelles Vorankommen im Fokus steht. Neben dem Gewicht stehen noch die Eigenschaften Comfort, Kletterfähigkeit, Unterstützung, Traktion, Steigeisenkompatibilität und Design für diese Modellreihe. Klingt ja fast so, also könnte ich mit diesem Schuh meinen bisherigen Wanderschuh und den steigeisenfesten Schuh ersetzen. Mal sehen, wie der Test ausfällt. Die Modelle der Freney Evo Familie gibt es übrigens immer in der High-Cut und in der Mid-Cut Variante. Von mir getestet wurde die High-Cut-Variante.

Test der Schuhe:
"Gehe niemals mit einem brandneuen Schuh auf Tour. NIEMALS. Ein Schuh muss immer ordentlich eingelaufen werden." Gehört, nicht berücksichtigt. Normalerweise mache ich mit neuen Schuhen immer zumindest eine kleine Probetour, bevor ich damit auf "richtige" Tour gehe.
Im Falle des Asolo Freney ist mir dies allerdings nicht gelungen, ganz einfach aus dem Grund, dass die Schuhe erst zwei Tage vor der Tour bei mir eingetroffen sind. Also musste ich doch nochmals eine Entscheidung treffen: Auf das Tourenwochenende am Watzmann und Hochkalter die bisherigen, eingelaufenen Schuhe mitnehmen, oder volles Risiko gehen und die neuen, noch nie getragenen Schuhe an die Füße binden. Ich habe mich für einen Kompromiss entschieden: Ins Auto kommen beide Schuh-Paare. Die erste Tour (Hochkalter) gehe ich mit den Asolo Freney-Schuhen, falls ich damit Probleme haben sollte, kann ich für die zweite Tour (Watzmann-Überschreitung) noch immer auf die eingelaufenen Schuhe zurückgreifen.
Nun stand ich also da, in Ramsau auf dem Parkplatz, an den Füßen nagelneue Schuhe, die noch keinen natürlichen Boden zu Gesicht bekommen haben. Aber ich dachte mir: Immerhin kann ich so rausfinden, ob die Schuhe gut sind oder nicht. Und nachdem ich im vergangenen Winter 100 km mit offenen Fersen durch Lappland gelaufen bin, haben schmerzende Füße ihren Schrecken verloren. Üblicherweise bekomme ich sehr schnell und häufig Blasen an den Fersen. Bei der Schnürung des Asolo Freney habe ich darauf geachtet, dass der untere / vordere Teil der Schnürung sehr straff sitzt, ab Knöchelhöhe habe ich den Schuh eher sanft gebunden. Das scheint für meine blasengeplagten Füße genau die richtige Taktik gewesen zu sein.
Zumindest der 2-stündige Aufstieg zur Hütte und der nachmittägliche Ausflug zum "Schönen Fleck" habe ich blasenfrei überstanden. Damit waren die Schuhe für mich nun auch eingelaufen. Nun noch ein paar Worte zum Gelände: Der Anstieg zur Hütte fand hauptsächlich auf breiten Schotterwegen statt. Teilweise auch etwas steiler, aber die Sohle hatte mit diesem Geläuf leichtes Spiel. Im oberen Teil des Anstiegs war es dann eine Mischung aus aufgeweichtem, erdigem Boden in Abwechslung mit kleineren Felsblöcken, die vom vorangegangenen Regen noch feucht waren.
Auch hier: Die Sohle hatte zu jeder Zeit sehr guten Grip. Auf der nachmittäglichen Erkundungstour ging es dann durch ein Geröllfeld aufwärts und auch eine kleine Klettereinlage im Schwierigkeitsgrad I-II war dabei enthalten. Der Schuh hat zu jeder Zeit alles mitgemacht und ich hatte nie das Gefühl, dass der Schuh die falsche Wahl für die Unternehmung wäre. Besonders im Geröllfeld hat sich bereits der umlaufenden gummierte Geröllschutz bewährt.

Zurück in der Hütte habe ich sowohl Schuhe als auch Füße genauer unter die Lupe genommen: An den Schuhen konnte ich noch keine Abnutzungserscheinungen ausmachen, auch die Füße waren erstaunlich friedlich. Am darauffolgenden Tag stand die "Haupt-Tour" auf den Hochkalter an. Hier war viel Kletterei bis zum II. Schwierigkeitsgrad zu erwarten, teilweise auch auf schmalen Tritten. Der Schuh hat diesen Anstieg ohne Murren mitgemacht. Auch ich war ohne Murren unterwegs.

Damit war also getestet: Verschiedene Untergründe von Schotter über grobes Geröll und leichte Klettereinlagen im Anstieg. Aber, das ist ja nicht alles, wenn man auf Berge steigt. Man muss ja auch wieder runter von den Dingern. Der Abstieg vom Hochkalter durch das Ofental beginnt mit Kletterei im Abstieg.
Hier war der sehr gute Grip der Vibram-1229-Mulaz-Sohle perfekt geeignet. Kein rutschen, immer genug Reserven. Der Schuh ist insgesamt sehr gut kontrollierbar. Etwas unterhalb der Fels-Passage stand dann ein Geröllfeld auf dem Programm. Eine Mischung aus grobem und feinem Geröll, bei dem teilweise "Abfahren" möglich war, hinterließ zwar farblich ein paar Spuren an den Schuhen, der Geröllschutz hat aber alle Beschädigungen abgewehrt.
Durch den High-Cut in Kombination mit einer langen Hose sind auch keine Steinchen über den Schuhrand eingedrungen. Im unteren Bereich ging es dann noch auf Waldwegen in Richtung Tal. Insgesamt hatte dieser Tourentag 1000 hm im Aufstieg und knapp 1800Hm im Abstieg. Sowohl Schuhe, als auch Füße haben diese Belastung problemlos bewältigt. Nach diesen sehr guten Erfahrungen war für mich klar, dass ich den Asolo Freney auch für die zweite Tour am Watzmann verwenden werde.
Diese Tour war von der Beschaffenheit als auch von den Höhenmetern sehr vergleichbar zur Hochkalter-Tour. Auch der elend lange Abstieg ins Wimbachgries und der lange Talhatscher zurück zur Wimbachbrücke war gut zu meistern. Keine Frage, nach so einer Tour ist man immer froh, wenn man die Bergstiefel ausziehen kann und in Flipflops umsteigen kann...das möchte ich nicht beschönigen. Aber dennoch war ich angenehm überrascht, wie gut diese Schuh an meine Füße passen.
Nicht testen konnte ich auf diese Tour die Steigeisentauglichkeit. Zu Hause im Keller habe ich zumindest mal ausprobiert, ob meine Steigeisen sich stabil am Schuh befestigen lassen, das hat ohne Probleme geklappt. Man muss allerdings beachten, dass der Schuh nicht für irgendwelche Steileis-Flanken konzipiert ist, sondern eher für moderate Gletscherbegehungen. Die Steigeisen können im Fersenbereich mit einem Kipphebel ausgestattet sein, im Zehenbereich sind Körbchen Pflicht. Etwas negativ aufgefallen ist mir die starke Isolierung des Schuhs. Ich hatte nach jeder Tour sehr feuchte Strümpfe. Die Isolation des Schuhs ist also nicht so ganz Hochsommer-geeignet, allerdings trocknen die heutigen Socken ja auch im Handumdrehen.
Materialien und Eigenschaften der Komponenten der Schuhe:
Bezüglich der Materialien und Komponenten des Schuhs möchte ich von unten nach oben beginnen:
Bei der Sohle handelt es sich um eine Vibram-1229-Mulaz-Sohle. Vibram ist aus meiner Sicht ein absolutes Muss, das sind einfach die Experten, was die Bereifung von Bergschuhen betrifft. Im Zehenbereich (ungefähr vom großen Zeh bis zum Ballen) ist eine Climbing-Zone angebracht. Dieser Bereich ist äußerst Steif und nicht durch tiefe Kerben unterbrochen. Damit kann man den Fuß selbst auf schmäleren Leisten präzise setzen. Der restliche Teil der Sohle ist mit grobem, selbstreinigendem Profil versehen. In meiner Testumgebung war es nicht sonderlich schlammig, aber auch auf weichem Wiesenboden ist nichts zwischen dem Profil hängen geblieben.

Für die Dämpfung ist im Fersenbereich ein EVA-Anti-Schock-Absorber integriert. Die Zwischensohle besteht aus Polyurethan sorgt für die notwendige Stabilität des Schuhs. Oberhalb der Sohle folgt der gummierte Geröllschutz, der insbesondere im Zehenbereich sehr weit nach oben gezogen ist. Auch seitlich bis hinten ist dieser Geröllschutz vorhanden. Der Rest des Schuhs ist eine Mischung aus wasserabweisendem Perwangerleder und Lycra. Eine Besonderheit ist hier noch die Asolo 3D shaped Technologie ab dem Knöchelbereich aufwärts (inkl. Zunge). Dieser PU-geschäumte Bereich sorgt für Komfort, aber auch die notwendige Stabilität.
Die Schnürung zieht sich von weit vorne im Zehenbereich zuerst durch Bandschlaufen (2 Stück) dann weitere 3 feste Metallhaken über den Spann. An der Fußfessel findet sich der erste frei fädelbare Metallhaken, den ich noch straff geschnürt habe.


Oberhalb des Knöchels hat die High-Cut-Variante dann noch zwei weitere Metallhaken zur Schnürung, diese habe ich im Aufstieg eher locker geschnürt, im Abstieg stabiler. Im Fersenbereich ist am oberen Rand des Schuhs noch eine Hilfs-Lasche angebracht, um den Schuh greifen oder auch aufhängen zu können.
Fazit:
"Geh niemals mit neuen, nicht eingelaufenen Schuhen auf Tour!" Hmmm. Warum nicht. Wenn der Schuh gut ist, kann man es riskieren ;-) Der Asolo Freney EVO LTH GV ist gut; der Schuh ist super. Für meine Einsatzzwecke und meine eher schmale Fußform ist der Schuh perfekt. Ich werde in Zukunft keine Entscheidungen vor der Tour treffen müssen, die Wahl wird immer auf den Asolo fallen.