Trekkingzelte

Von sabine


E4, GR21 oder der Jakobs-Weg … die Auswahl an Trekking- und Weitwanderwegen ist enorm. Trekker, Wanderer, Pilger – sie alle wollen die Natur genießen. Ein ganz zentraler Punkt auf einer solchen Tour ist in jedem Fall das Nachtlager. Genauer gesagt: das Trekkingzelt. Und das mobile Zuhause muss einiges können. Windstabil muss es sein, wasserdicht sowieso, geräumig, einfach zum Aufbauen und obendrein soll es leicht sein.

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon ein Trekkingzelt im Auge, das du demnächst online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Kaufkriterien rund um das für dich richtige Trekkingzelt. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

 

1. Biwaksack vs. Ultraleichtzelt vs. Trekkingzelt

Die wohl kleinste Form eines Zelts ist der Biwaksack. Er ist mit einem Gewicht zwischen 100 und 1.000 Gramm wohl die kleinste und leichteste Art nachts mehr oder weniger passabel geschützt im Freien zu schlafen. Für Trekker, die alleine und ohne jeglichen Komfort die Natur erkunden wollen, sicher eine ordentliche Alternative. Ultraleichtzelte sind in verschiedenen Formen und Größen erhältlich – in seltenen Fällen sogar als doppelwandiges Zelt. Ultraleichtzelte bieten einen passablen Schutz vor den Elementen. Sie sind mit einem Packgewicht zwischen ca. 800 und 1.500 Gramm sehr leicht und bieten sogar ausreichend Platz für bis zu zwei Personen. Während Biwaksäcke sehr flach sind und wenig Windangriffsfläche bieten sind Ultraleichtzelte nicht ganz so aerodynamisch und auf Grund des sehr leichten Materials nicht für beständig starke Windsituationen geeignet. Robuste Trekkingzelte vereinen hier Stabilität, Raumangebot aber auch moderates Gewicht. Die Ein- bis Zwei-Personen-Trekkingzelte wiegen zwischen ca. 1.200 und 2.800 Gramm und sind mit ihrem Packmaß perfekt auf das Volumen von Trekkingrucksäcken zugeschnitten.

Foto: Dino Reichmuth auf Unsplash - Danke!

 

2. Tunnel vs. Kuppel vs. Geodät

Welches ist die beste Trekkingzeltform? Hier gibt es viele Vorlieben, aber keinen klaren Favoriten. Tunnelzelte sind mit ein wenig Erfahrung sehr schnell aufgebaut. Die hintere Apside einfach mit zwei Heringen abspannen, Gestängebögen einfädeln, quasi nur noch einmal „aufschütteln“ und voilá schon steht das Tunnelzelt. Durch seine schmale Form und die halbwegs aerodynamischen Apsiden sind Trekkingzelte in Tunnelform relativ gut windstabil. Bei Seitenwind allerdings haben sie eine riesige und teilweise sogar senkrechte Angriffsfläche – selbst mit der besten Sturmabspannung, kann man einigen Böen einfach nichts mehr entgegensetzen. Dafür kann man die meist sehr großzügigen Apsiden optimal mit Rucksäcken und Schuhen füllen. So bleibt auch das gesamte Gepäck während der Nacht und bei Regen gut geschützt und trocken. Auch sehr angenehm sind die steilen Seitenwände, die einen großzügigen Innenraum garantieren.

Kuppelzelte haben den Vorteil, dass sie meist freistehend sind, also keine Heringe  benötigen, um zu stehen. Dabei laufen meist jeweils zwei Gestängebögen über Kreuz von Zeltecke zu Zeltecke. Das Innenzelt wird in vielen Fällen einfach nur an das Gestänge geklippt. Bei warmen Temperaturen kann man sich das wasserdichte Überzelt sparen und die Nacht quasi unter freiem Himmel genießen. Für unvorhersehbares Wetter, sollte jedoch das Überzelt lieber aufgezogen und an den Clips – meist an der Gestängebogenverankerungen – befestigt werden. Um die volle Stabilität, optimalen Wetterschutz und das gesamte Raumangebot nutzen zu können, sollte das Trekkingzelt in Kuppelform immer komplett abgespannt sein.

Trekkingzelte mit geodätischer Form sind die wahren Bollwerke im Sturm. Die zwei bis vier Gestängebögen überkreuzen sich dabei mehrere Male und bilden so eine extrem robuste Konstruktion. Gleichzeitig ist das Raumangebot relativ groß, da die Grundfläche nicht mehr rechteckig, sondern eben geodätisch, also sechseckig ist. Im Gegensatz zu den anderen Zeltformen besitzt das Geodät meist nur eine Apside und damit auch nur einen Eingang – durch den erweiterten Innenraum ist dies jedoch verschmerzbar. Durch die vielen Gestängebögen und die komplizierte Zeltform dauert der Aufbau unter Umständen etwas länger als bei anderen Zelten. Zudem ist es – ebenfalls wegen der Gestänge – etwas schwerer als die anderen Trekkingzelte. Wer aber auf Windstabilität angewiesen ist, wird schon in der ersten stürmischen Nacht das Mehrgewicht nicht bereuen!

 

3. Aluminium vs. Carbon

Es herrscht beinahe schon ein Glaubenskrieg zwischen den Verfechtern von Alu- und Carbon-Gestängen. Beide haben ganz objektiv ihre großen Stärken und Schwächen. Carbon ist wesentlich leichter als Aluminium. Dafür ist Alu flexibler. Carbon hält im Gegenzug enorme Drücke aus. Doch der entscheidende Vorteil von Alu-Gestänge ist: man kann Alu-Gestänge schnell und einfach auch unterwegs reparieren. Reparaturhülsen liegen meist schon beim Kauf dabei. Carbon-Gestänge kann, wenn es gebrochen ist, meist nur noch der Mülltonne zugeführt werden, da es auffasert und so eine Reparatur für den Laien unmöglich macht.

 

4. Einwandig vs. doppelwandig

Unabhängig von der Zeltform gibt es Trekkingzelte mit nur einer Wand – Innen- und Außenhülle ist dieselbe – und eben mit zwei getrennten, bestehend aus Innen- und Außenzelt. Einwandige Zelte sind angenehm leicht – logisch es fehlt ja auch die Hälfte des Materials. Zudem lassen sie sich schnell und bequem aufbauen. Doppelwandige Zelte bzw. Zelte mit Innen- und Außenzelt sind in der Regel etwas schwerer und benötigen eine minimal längere Aufbauzeit. Ihr großer Vorteil gegenüber den Einwandzelten besteht jedoch in der Belüftung und Kondenswasserbildung.

Foto: Wolfgang Lutz auf Unsplash - Danke!

 

5. Was ist wasserdicht? Tropfen um Tropfen, von innen und außen…

Logisch: wenn es regnet, muss ein Zelt – egal welcher Art – konsequent wasserdicht sein. Viele Hersteller geben ihre Wasserdichtigkeit mit dem Maß der Wassersäule in Millimeter an. Dies ist zwar ein guter Indikator dafür, wie viel Wasser ein Zelt im Optimalfall tatsächlich abwehren kann, in der Realität sind diese Werte jedoch meist unerreichbar. Einzig der Boden des Zeltes kann unter gewissen Spitzenbelastungen z.B. auf Knien diese Werte überschreiten, so dass die Feuchtigkeit punktuell von unten durchdrücken kann. Viel entscheidender ist jedoch, wie gut die Feuchtigkeit aus dem Inneren wieder aus dem Zelt entweichen kann. Denn durch Silikon- und Polyurethan-Imprägnierungen sind die Zelte eigentlich komplett wasserdicht, aber nicht „atmungsaktiv“. D.h. es kommt schnell zur Kondenswasserbildung. Diese wird oft als undichtes Zelt missinterpretiert (selbst wenn es gar nicht geregnet hat!). Es ist daher wichtig, dass das Zelt immer gut belüftet ist, so dass die Feuchtigkeit nach draußen entweichen kann. Meist sind die Belüftungsöffnungen auch so konstruiert, dass sie während Regen – wenn er nicht gerade waagrecht von der Seite kommt – geöffnet bleiben können. Doppelwandige Zelte, haben den Vorteil, dass sich das Kondenswasser auf der Innenseite des Außenzeltes bildet. So tropft es nicht direkt auf den Schlafenden, sondern wird vom Innenzelt (teilweise zumindest) abgeleitet. Zudem läuft das ablaufende Kondenswasser am Außenzelt auch direkt ins Freie und nicht ins Zelt. Durch findige Konstruktionen sind nun auch Einwandzelte nah an den Standard doppelwandiger Zelte herangerückt. ACHTUNG: Finger weg vom Kondenswasser auf der Innenseite. Durch den Dochteffekt fängt das Wasser genau an dieser Stelle an zu tropfen. Lass es lieber seitlich ablaufen!

 

Unterlegplane – ja, nein, vielleicht?

Aber ja doch! Eine Bodenunterlegplane sollte zum Schutz eines jedes Zeltes dabei sein. Zum einen hält eine zusätzliche Bodenplane den Zeltboden sauber, zum anderen Verstärkt sie dessen Wassersäule bis annähernd ins „Unendliche“. Gleichzeitig schützt sie auch vor kleinen Steinchen, die Löcher reißen können.

 

Imprägnierung

Zelte sind von den Herstellern so imprägniert, dass sie unbeschadet viele male bedenkenlos verwendet werden können. Jedoch setzen falsche Lagerung, UV-Licht und Feuchtigkeit der Imprägnierung und auch dem Zeltstoff enorm zu. Ein gut gelagertes Zelt liegt an der frischen Luft. Es ist trocken und frei von Schmutz – Zelte sind übrigens auch waschbar, wenn man alle Leinen entfernt! Und Zelte lagern am liebsten im Regal gut geschützt vor der Sonne. Sollte nach einigen Jahren die Imprägnierung nachlassen, so kann man sich hier mit einfachen Mitteln behelfen: Silikonspray, spezielle Zeltimprägnierer (auf Wasser und/oder Essigbasis), oder auch Einwaschimprägnierungen (am besten in der Badewanne durchführen!). ACHTUNG: nur das Außenzelt und gegebenenfalls den Boden nachimprägnieren – durch das Innenzelt muss nach wie vor die Luft zirkulieren können, daher hier keine Imprägnierung aufbringen!

Foto: Teddy Kelly auf Unsplash - Danke!

 

Abspannen und Abspannleinen

Jede Leine ist zusätzliches Gewicht – richtig. Aber jede zusätzliche Abspannleine bietet auch zusätzliche Sicherheit bei starkem Wind. Wer sein Zelt nicht richtig abspannt riskiert auch schon bei kleinen Luftbewegungen und kurzen Schauern, dass es undicht wird oder gar unter der (Wind-)Last zusammenbricht – im schlimmsten Fall evtl. sogar im Wind davon fliegt, wenn es gerade nicht bewohnt ist. Neben Heringen bieten sich auch immer Wurzeln, Felsen, Bäume oder sonstige schwere Gegenstände an, um das Zelt daran fest zu binden. Natürlich kann es auch einmal passieren, dass eine Abspannleine reißt oder vom Fuchs durchbissen wird (schon erlebt!). In diesem Fall rentiert es sich tatsächlich immer eine Ersatzleine dabei zu haben.

 

Zusatzfeatures

Alles was ein Zelt nicht braucht, bedeutet zusätzliches Gewicht. Ein zweiter Eingang bedeutet ein zweiter Reißverschluss, ergo mehr Gewicht. Viele Taschen und Ablagen sind zusätzlicher Stoff, ergo mehr Gewicht. Großvolumige bzw. überdimensionierte Zelte z.B. ein Zweimannzelt für nur eine Person bedeutet natürlich unweigerlich mehr Gewicht. Innenzelte mit einem geringen Meshanteil sind subjektiv etwas wärmer, dafür auch objektiv schwerer. Je mehr ein Zelt also „kann“, umso mehr muss man sich auch fragen, ob man das auch tatsächlich alles braucht – schließlich ist ein Trekkingzelt immer ein optimaler Kompromiss zwischen Gewicht, Schutz und Komfort.

 

Noch mehr Beratungen direkt aus der Praxis kannst du dir bei unserer Community und den Produktscouts holen. In deren Produktbewertungen siehst du ganz schnell welche Trekkingzelte toppen und welche floppen.

Erzähle uns doch gleich mal von deinen eigenen Erfahrungen und bewerte deine persönliche Ausrüstung:

 

Bilder im Text: Dino Reichmuth (oben im Text), Wolfgang Lutz (mittig im Text), Teddy Kelly (unten im Text)  auf Unsplash.com - Danke!

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