Weitwandern: Route de Ländle

Von Philip
Blick auf Burg Hohenzollern © Karlheinz Goller

Ein neuer Weitwanderweg führt durch Baden-Württemberg – die »Route de Ländle«! Auf genussvollen Wegen verbindet sie die schönsten Gebiete des Ländles auf 35 Etappen. Die »Route de Ländle« führt auf Qualitätswanderwegen von Weinheim im Odenwald nach Konstanz am Bodensee – und lässt dabei Natur, Kultur und Gastfreundschaft erleben. Philipp Sauer hat die »Route de Ländle« ausgekundschaftet und beschreibt sie exklusiv in seinem Rother Wanderführer – natürlich mit schönen Unterkünften, guten Adressen für die Einkehr und vielen Besichtigungstipps. 

"Wir wandern durch eine Kulturlandschaft. Das heißt, dass neben der grandiosen Natur auch immer wieder kulturelle Highlights auf uns warten und wir bzgl. der Infrastruktur sehr gut versorgt sind. Dies kann man nutzen. Wer etwas voraus plant, kann deshalb mit „kleinem Gepäck“ reisen, denn in unseren Unterkünften haben wir immer wieder die Möglichkeit zu waschen oder unsere Ausrüstung durch vorab dorthin gesendete Wechselwäsche- und Verpflegungspakete aufzufrischen. Die Brauchwäsche kann dann von dort retour wieder in die Heimat zurück geschickt werden. Zudem kann man sich auf diesem Weg zuverlässig und konstant mit speziellen Lebensmitteln (Allergie, vegan, etc. …) versorgen." 

Eine der Lieblingsetappen des Autors stellen wir euch im Folgenden kurz vor.

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Etappe 20 der Route de Ländle: Vom Raichberg nach Albstadt-Lautlinge

»Traufgänge« und Felserkundungen

Zum schönsten Naturerlebnis auf der Alb gehört mit Sicherheit das stundenlange Wandern entlang der Traufkante mit spektakulären Ausblicken weit in die Landschaften Baden-Württembergs hinein. In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares, und vor allem die Gemeinde Albstadt hat in letzter Zeit verstanden, mit diesem Pfund zu wuchern. Die »Traufgänge« um Albstadt wurden allesamt als Premiumwanderwege ausgezeichnet. Heute und morgen erkunden wir sie. Zuerst entdecken wir das Ruchtal, das von Wacholderheiden umgeben ist. Von dort geht es dann zum Trauf hinauf, an dessen Kante wir den Aussichtspunkt Pfeffinger Böllat und das kleine Dorf Burgfelden mit seiner geschichtsträchtigen, romanischen Michaelskirche erreichen. Anschließend steigen wir über das Felsenmeer, eine Ansammlung großer, bizarrer Felsformationen mitten im Wald, nach Lautlingen ab.

Die Wegbeschreibung

Wir orientieren uns vom Nägelehaus nach Westen und am "roten Dreieck". 


Tipp von Philipp Sauer: "Das Nägelehaus ist eines meiner liebsten Quartiere auf der Alb. Nicht weil es durch eine besonders raffinierte Küche oder liebevoll eingerichtete Zimmer auffällt. Es ist der wahrhaft hollywoodeske Ausblick vom wenige 100 m entfernten Trauffels, den man hier auf das Albvorland und die auf einem Bergkegel mächtig thronende Burg Hohenzollern hat. Nach einer anstrengenden Etappe gibt es nichts schöneres als sich ein Glas Bier zu schnappen, über ein wunderschönes Hochwiesenfeld und am Raichbergturm vorbei zu diesem speziellen Platz zu schlendern und den Sonnenuntergang zu geniessen."


Hohenzollernblick

Ein Pfad führt uns moderat abwärts durch ein Waldstück. Nach dem Wald müssen wir nach links abbiegen in Richtung Dagersbrunnen, welches nach ca. 300 m erreicht und durchquert wird. Unser Wegzeichen ist hier das "braune Traufgänge-Schild". Bald darauf trifft man auf die Zufahrtsstraße zum Zollersteighof. Wir folgen ihr 150 m nach rechts leicht bergan, biegen dann scharf links ab und wandern an den Liftanlagen des Skiklubs vorbei zum Beginn des Ruchtales. Wenige Meter geht es auf der rechten Talseite auf einem geschotterten Waldweg in das Tal hinein, dann wechseln wir die Talseite und wandern auf dem sogenannten Wiesenweg weiter. Der Talverlauf beschreibt eine Linkskurve, und linker Hand taucht eine tolle Wacholderheide auf. Wir orientieren uns hier nach rechts und überqueren den Bach Schmiecha. Ein Pfad führt uns kurz bergan und wir erreichen ein kleines Gehöft an der L 360. Rechts (westlich) daneben liegt der Gasthof Stichwirtshaus .

Hier überqueren wir die L 360 und gehen kurz am linken Straßenrand der gegenüberliegenden Zufahrtstraße nach Pfeffingen (K 7141) weiter. Dann müssen wir auch diese Straße überqueren, da uns das "rote Dreieck" rechts auf einen Schotterweg leicht bergab weist. 200 m weiter zweigt nach links ein Pfad in den Wald ab und führt uns einen Hang hinauf. Nach ca. 500 m stoßen wir aus dem Wald und erreichen wenig später einen Wanderparkplatz. Dort orientieren wir uns nach rechts und laufen auf einem asphaltierten Feldweg zu einem Bauernhof. Etwa 300 m nach dem Bauernhof geht ein Erdweg nach links ab und führt uns zum Wald. Auf einem Pfad wandern wir nun durch wunderbaren Traufwald. Gut 1 km weiter geht es dann durch eine Wacholderheide bergab. Hier treffen wir an der Straße (L 443), kurz vor Pfeffingen, auf einen schönen Rastplatz mit Brunnen. Pfeffingen lassen wir links liegen und überqueren die Straße (Vorsicht, Schnellfahrer). Das »rote Dreieck« führt uns die Böschung hinauf und dann weiter bergan, zuerst durch eine Wacholderheide, später steiler, serpentinenartig durch den Wald. Auf dem Albplateau angekommen, müssen wir nun aufpassen: Erst nach 600 m zweigt unsere Route nach rechts ab ("rotes Dreieck") und bringt uns Richtung Trauf, nach 300 m geht es dann nach links. Der Waldwirtschaftsweg geht direkt am Trauf in einen Pfad über. Diesem Pfad folgen wir nun ca. 2 km bis zum Aussichtspunkt Böllat, dabei orientieren wir uns an drei Wegzeichen, dem "braunen Traufgang", dem "roten Dreieck" und dem "rot unterstrichenen grünen Baum". Am Böllat hat man Richtung Süden einen tollen Ausblick auf den wellenförmigen Verlauf des Albtraufs. Nun folgen wir dem "roten Dreieck" nach Burgfelden hinein, über das Sträßchen "Im Gäßle" erreichen wir die Dorfmitte. Dort trifft man auf das nette "Bergcafé". Die berühmte Michaelskirche liegt links um die Ecke, außerdem gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten.

Blick vom Böllat. © Philipp Sauer

Besichtigungstipp Burgfelden: Das kleine Burgfelden, 912 m, liegt auf der Berginsel des Böllat. Der Weiler hat etwa 320 Einwohner und ist der kleinste und höchstgelegene Stadtteil von Albstadt. Mitten im Dorf liegt ein Kleinod, die Michaelskirche. Sie birgt bedeutende Wandmalereien aus der Zeit um 1080. Auf www.burgfelderinfo.de gibt es weitere Informationen, auch zu Besichtigungen.


Tipp von Philipp Sauer: "In dem netten Dörfchen, dass eigentlich vor unserem eigentlichen Tagesziel liegt, kann man auch schön übernachten. Manchmal sind nämlich die Unterkünfte in den eigentlichen Etappenzielen ausgebucht. Deshalb sind in diesem Wanderführer zu bestimmten Zielorten auch Unterkünfte in Nachbarorten angegeben, auf die im Bedarfsfall ausgewichen werden muss. Das heißt in der Konsequenz, dass wir hin und wieder vor oder hinter unserem eigentlichen Etappenziel übernachten und deshalb am kommenden Tag die fehlenden Kilometer nachholen müssen bzw. die zusätzlich zurückgelegten Kilometer eingespart haben. Liegt die gewählte Unterkunft abseits der beschriebenen Route, muss die Rückkehr zur selbigen dann anhand des Kartenmaterials (bzw. mit GPS) selbst geplant werden."


Wir biegen nach rechts in den Burgweg ein und folgen diesem aus dem Ort hinaus. Am Ortsausgang biegen wir nach links ab zum Wanderparkplatz Heersberg. Den Wanderparkplatz lassen wir links liegen und folgen dem Asphaltsträßchen weiter bis in eine Linkskurve. Dort geht ein Wiesenpfad nach rechts ab und zum Albtrauf vor. Ab hier wandern wir nun auf einem Pfädchen und zwischen Kiefern am Albtrauf entlang. Quasi alle 50 m kommt die Möglichkeit, auf einem Bänkchen mit Postkartenblick zu rasten. Linker Hand liegt ein Spiel- und Rastplatz und 300 m weiter stehen wir vor dem Vorderen Heersberg mit seiner schönen Wacholderheide. Eine Mixtur aus Düften verschiedenster Art liegt in der Luft: Kiefern, Wacholderheide und Wiesenkräuter. 

Hier führt ein geschotterter Weg nach rechts in den Wald hinein: der Heersbergrundweg. Ihm folgen wir. Nach ca. 800 m erreichen wir die Abzweigung rechts zum Felsenmeer hinunter. Dem Wegweiser (Felsenmeersteig) und der »roten Raute« folgen wir bergab. Nach 150 m stoßen wir auf das Stichwegzeichen ("liegendes V"), das uns nach links zum Felsenmeer führt – hier ist auch ein Hinweisschild angebracht, das den Weg durch das Felsenmeer nach Lautlingen hinunter veranschaulicht. Ein wenig Zeit sollte man sich nun nehmen, um die vielen bizarren Felsformationen zu erkunden, die mitten im Wald liegen und durch eine Art Rundpfad miteinander verbunden sind. Wir verlassen das Felsenmeer am gegenüberliegenden (östlichen) Ende und steigen auf einem Pfad zu einem Forstweg ab. Am Fuß des Imenfelsens geht’s weiter am Hang des Albtraufs entlang. Oberhalb von Lautlingen stößt man aus dem Wald und trifft auf Magerwiesengelände. Der Felsenmeersteig führt uns nun vollends ins Tal, bis zum Ortsrand von Lautlingen beim Sportplatz. Via Mühlgasse gelangen wir zur B 463 (Laufener Straße), queren diese und nehmen die Straße »Am Schloss«, über welche wir die Von-Stauffenberg-Straße erreichen. Hier halten wir uns rechts und stehen 300 m weiter am Bahnhof Albstadt-Lautlingen.

 Bizarre Felsformationen werden beim Durchwandern des Felsenmeers passiert. © Philipp Sauer


Tipp von Philipp Sauer: "Wem Abends langweilig ist und noch Schmalz in den Muskeln hat, dem sei der sogenannte „Mulipfad“ empfohlen. Dieser liegt oberhalb von Lautlingen, führt vom Sportplatz (Infotafel) zum Heersberg hinauf und wurde von Gebirgsjägern im 2. Weltkrieg als Übungspfad benutzt. Relativ kurz, sehr steil  und mit Ketten als Aufstiegshilfen durch die Felsen, vermittelt dieser Pfad eine fast schon alpine Dimension der Alb. Um die 2 Stunden einplanen. Der Einstieg liegt etwas versteckt und geht von unserer heutigen Wanderroute ab."


Geschätzte Zeit für die Tour: 5 Stunden für 18,4 Kilometer.

Wer die Schönheit Baden-Württembergs auf nun einmal selbst erleben möchte: Der handliche Rother Wanderführer "Route de Ländle" von Philipp Sauer bietet ausführliche Wegbeschreibungen, Wanderkärtchen mit eingezeichnetem Wegverlauf und aussagekräftige Höhenprofile. Detaillierte Infos zu Verkehrsanbindung, Einkehr und Unterkunft erleichtern die Planung. Außerdem stehen GPS-Daten zum Download von der Internetseite des Bergverlag Rother bereit. Die Karte zur gesamten Tour kannst Du hier anschauen.

 

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