Skitourenstöcke

Titelfoto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule

Im Vergleich zum anderen Equipment sind Skitourenstöcke meist nicht im Fokus. Zu Unrecht, denn ohne sie geht so gut wie gar nichts, weder bergauf – noch bergab. Zudem gibt es zig verschiedene Varianten für jeden Einsatzzweck. Die Skitouren-Experten von OUTSIDEstories erklären dir in diesem Artikel die Unterschiede, und worauf es bei Skitourenstöcken ankommt.

Ohne geht´s nicht: Skitourenstöcke sind entscheidend auf jeder Tour. Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule

Die variable Länge ist bei Skitourenstöcken entscheidend – drei Verstellkonzepte gibt es

Zunächst gilt es die passende Länge für dich einzstellen. Zum Abfahren haben deine Skitourenstöcke die optimale Länge, wenn das Ellbogengelenk eine Beugung von circa 90 Grad aufweist und der Unterarm parallel zum Boden ist. Dabei ist die reale Länge ausschlaggebend, das heißt der Stock steckt bis zum Teller im Schnee und du hältst ihn am Griff fest.  Ein sogenannter Teleskopstock (längenverstellbar) ist beim Skitouring ein „Must-have“, weil du zum Aufsteigen zirka fünf bis zehn Zentimeter mehr benötigst, um optimalen Vortrieb mit den Armen zu generieren.

1. Ältere Modelle besitzen meist eine Klemmfixierung: Am Ende des unteren, dünneren Rohrs befindet sich ein Konus, der sich bei Drehung im inneren des oberen, dickeren Segments aufspreizt und sich so festklemmt. Nachteilig ist bei diesem System, dass viel Kraft zum Fixieren und Lösen aufgewendet werden muss, weil es ansonsten zusammenrutscht. Außerdem kann mit der Zeit die Funktion durch Ausleiern, Verschmutzen oder Oxidieren beeinträchtigt werden.

2. Eine weitere Variante ist die Rasterverstellung mit Feder-Druckknöpfen, die aber ebenfalls erhebliche Nachteile mit sich bringt. Zwar ist das Handling relativ einfach und ein Verrutschen nicht möglich, allerdings sind die Stöcke weniger stabil und die Bedienung ist mit Handschuhen praktisch unmöglich.

Der bei Komperdell Power Lock genannte Clip-Verschluss lässt sich auch mit Handschuhen gut verstellen. Foto: Komperdell

3. Deshalb besitzen alle modernen Skitourenstöcke einen Clip-Verschluss, der wie der Schnellverschluss am Fahrradsattel funktioniert. Durch einen relativ verschleißfreien Clip am unteren Ende des oberen Rohrs wird das untere Rohr festgeklemmt. Dieser lässt sich schnell, auch mit Handschuhen öffnen und schließen, vereist und verrutscht nicht. Durch eine Stellschraube, die sich, je nach Modell, entweder mit einem Schraubenzieher oder den Fingern drehen lässt, ist der Clip nachjustierbar - bei längerer Nichtbenutzung sollte er dennoch geöffnet werden.

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Das Material der Skitourenstöcke: Stabilität vs. Gewicht, Alu vs. Karbon

Dünn und hochstabil: Alurohre, Foto: KomperdellDein idealer Skitourenstock sollte stabil, robust, aber dennoch leicht sein. Dieser Kompromiss lässt sich mit den beiden Materialien Aluminium und Karbon am besten realisieren. Das Aluminium ist zwar etwas schwerer, jedoch robuster gegen Schläge und steifer beim Anschieben. Wird der Alu-Stock, z.B. bei einem Sturz, etwas verbogen, lässt er sich normalerweise vorsichtig wieder zurückbiegen.

 

Hochfest und extrem leicht: Carbon. Foto: Komperdell

Karbon hat den großen Vorteil, dass es deutlich leichter ist. Da die Stöcke insbesondere beim Skitourengehen laufend in Bewegung sind und daher jedes Gramm zählt, ist es normalerweise vorzuziehen. Zudem ist es flexibler, was beim Stockeinsatz beziehungsweise beim Sommereinsatz im Abstieg dämpfend wirkt. Andererseits ist es beim Aufsteigen aber eher von Nachteil und bricht auch leichter. Daher gibt es bereits Kevlar-verstärkte Produkte, um dies zu verhindern. Die faltbaren Stöcke sind grundsätzlich durch die zwei Schnittstellen etwas schwerer.

Damit du Halt findest: Spitzen und Teller

Skitourenstöcke besitzen typischerweise eine Spitze, die vom Teller zirka acht Zentimeter misst. Ist sie länger, besteht die Gefahr des Steckenbleibens oder Abbrechens (teilweise ist sogar eine Sollbruchstelle vorhanden); ist sie kürzer, bekommst du nicht ausreichend Halt. Als eigentliche Spitze ist eine sogenannte Rundkrone aus Karbid, die in den Stock eingesetzt wird, erste Wahl – diese nutzt sich nicht ab und du findest selbst auf sehr eisigem Untergrund genügend Grip.

Stockteller gibt es in unterschiedlichen Varianten. Je weicher der Schnee, desto größer sollte der Teller sein, damit der Stock nicht zu weit einsinkt. Im Pulverschnee brauchst du einen großen Teller, im Firn einen mittleren und auf Eis praktisch gar keinen. Als Standardgröße (Durchmesser des Tellers) haben sich daher acht bis neun Zentimeter durchgesetzt. Je größer der Teller ist, desto mehr behindert er dich und desto wichtiger ist es, dass er flexibel ist. Ansonsten rutscht der Stock ab, wenn er schräg im Schnee steckt und der Tellerrand aufliegt – das erzeugt nicht genügend Reibung. Um dem entgegen zu wirken, wurden Teller aus Hartplastik mit einem Gelenk entwickelt, oder weichere Teller, die in sich flexibel sind. Eine weitere Option stellen Wechselteller dar, die teilweise sogar mitgeliefert werden. Allerdings ist zum Tauschen meistens eine Zange notwendig. Außerdem gibt es Teller mit bestimmten Zusatzfeatures, die ein einfacheres Bedienen der Steighilfe oder ein Enteisen der Felle ermöglichen.

Ohne Stockteller geht´s nicht. Standard sind acht bis neun Zentimeter Tellerdurchmesser. Foto: Marmot/Frank Kretschmann

Skitourenstöcke müssen gut in der Hand liegen: Der Griff

Obwohl die Form des Griffs relativ einheitlich ist, kommen ganz unterschiedliche Materialien, wie Kunststoff, Gummi, Schaumstoff oder Kork zum Einsatz. Da du beim Skitourengehen meist Handschuhe trägst, ist das jedoch nicht ausschlaggebend. Lediglich von reinem Kunststoff ist abzuraten, da dieses Material sehr wenig Grip bietet. Es kommt mehr auf die ergonomische Form an, die du im Laden ausprobieren solltest; üblich sind zehn bis elf Zentimeter Umfang.

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Einerseits sind vorgeformte Fingermulden und eine Stütze für den Handballen wichtig, damit sich der Griff komfortabel deiner Hand anpasst. Andererseits macht eine Verdickung am oberen Ende des Griffs Sinn, falls du gerne den Stock von oben greifst, zum Beispiel beim Aufstieg in hängendem Gelände auf der Talseite. Umgekehrt besitzt ein guter Skitourenstock unterhalb des Griffs eine Manschette zum Greifen an der Bergseite. Die Griffe sind meist nur aufgesteckt, deshalb lassen sie sich relativ einfach herunterziehen, wenn die Stelle erhitzt wird, beispielsweise um den Stock zu kürzen.

Praktisch: Die verlängerte Griffzone beim Komperdell-Stock. Foto: Komperdell.

Gut sichtbar: Der verlängerte, farbige Griff. Die C2 Carbon Ultralight von Komperdell sind trotzdem extrem leicht und stabil.

Nicht nur beim Lift fahren komfortabel: Schlaufensysteme

Beim Schlaufensystem der Skitourenstöcke kommt es ebenfalls auf die Breite und die ergonomische Form an, um ein angenehmes Tragegefühl zu bekommen: Wo diese am Handrücken anliegt, ist sie optimalerweise breiter und mit dünnem Neopren verstärkt. Die Fixierung erfolgt mit Hilfe von einem Keil, der am oberen Ende des Griffs innen liegt. Mittlerweile gibt es auch Sicherheitssysteme, bei denen sich die Schlaufe ab einer bestimmten Zugkraft vom restlichen Teil des Stocks löst. Schlaufen mit Klett (Aufreiben der Kleidungsstücke) und spezielle Schlaufensysteme für Ski-Stöcke sind für den Skitouren-Einsatz nicht empfehlenswert.

Mit einer Schlaufe bleibt der Stock fest in der Hand. Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule/Stefan Langkau

Hightech zum Falten: Wie Skitourenstöcke mit einem Handgriff verschwinden

Für die Splitboarder unter uns ist ein kleines Packmaß essentiell, weil bei der Abfahrt die Stöcke möglichst im Rucksack verschwinden sollten. Auch wenn du sie zum Trekking bzw. Bergsteigen einsetzen möchtest, solltest du darauf nicht verzichten. Mittlerweile gibt es Stöcke, die komplett in drei, mit einem dünnen Stahlseil verbundene, Segmente zerlegbar sind und fast genau so stabil sind wie die Fixen. Das System ist bereits so weit entwickelt, dass sie sich im Handumdrehen zusammenbauen lassen. Das beste dabei: im oberen Segment ist bei den High-End-Modellen die Höhenverstellung mit Clip integriert. Das Ganze bietet dir den großen Vorteil, dass sich das Packmaß erheblich reduziert und der Stock auch im inneren eines kleinen Rucksacks verstaubar ist, du aber (fast) keine Abstriche bei Gewicht und Stabilität machen musst. Allerdings ist diese Art der Skitourenstöcke teurer.

Nicht nur beim Splitboarding muss das Packmaß der Skitourenstöcke so klein wie möglich sein. Foto: LEKI Tour Stick Vario Carbon

 

 

 

 

 

Highendstöcke wie etwa der hier gezeigte LEKI Tour Stick Vario Carbon gibt es auch als Woman-Variante. Diese unterscheiden sich jedoch nur im Design, nicht in der Ausstattung.

Die Preise: Carbon und Zusatzfeatures kosten

Die Preisspanne reicht grob von 50 bis zirka 180 Euro. Alu ist grundsätzlich günstiger als Carbon. Insbesondere Zusatzfeatures, wie die Faltbarkeit, machen sich beim Preis bemerkbar. Für einen langlebigen, hochwertigen Marken-Carbon-Skitourenstock sollte man daher zirka 175 Euro veranschlagen.

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Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Andy Hetz von der ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule aus Kulmbach, der uns bei diesem Artikel tatkräftig unterstützt hat.

 

 

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