Lawinen-Notfallausrüstung: LVS-Gerät

Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule, Stefan Langkau

Sobald du beim Freeriden, Skitourengehen oder Schneeschuhwandern die gesicherten Pisten und Wege verlässt, besteht unter Umständen das Risiko, von einer Lawine erfasst und verschüttet zu werden – zwar versuchst du bereits bei der Tourenplanung, es auf einem vertretbaren Minimum zu halten, ganz ausschließen lässt es sich allerdings nie. Um dafür vorbereitet zu sein, ist die komplette Lawinen-Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Lawinenschaufel, Lawinensonde, Erste-Hilfe-Set, Handy) Pflicht.

Essentieller Bestandteil davon ist das LVS-Gerät – die schnellste und sicherste Möglichkeit, Verschüttete zu orten. In diesem Artikel erklären wir dir, wie ein LVS-Gerät funktioniert, was die Unterschiede sind und worauf es beim Kauf ankommt. Darüber hinaus findest du In unserer Community eine Menge authentischer Erfahrungen zu verschiedenen Modellen.

So funktioniert ein LVS-Gerät

LVS-Gerät ist die Abkürzung für Lawinenverschüttetensuchgerät. Es wurde bereits vor fast 50 Jahren entwickelt und funktioniert immer noch nach dem gleichen Prinzip wie damals: Das Kernstück ist ein kombinierter Sender-Empfänger, der im Sendemodus ein elektromagnetisches Feld auf der Frequenz 457 Kilohertz aussendet. Im Suchmodus führt es dich entlang der Feldlinien zu einem weiteren LVS- Gerät im Sendemodus, indem es dir akustische Signale („Pieps“) und optische Zeichen auf dem Display gibt.  Es wird von AA- oder AAA-Batterien mit Energie versorgt. Der Prozessor arbeitet mittlerweile digital und empfängt die Signale über drei integrierte, senkrecht zueinander stehende Antennen.

Das elektromagnetische Feld breitet sich "nierenförmig" um das LVS-Gerät aus | Foto: Ortovox

Kaufberatung – das muss dein LVS-Gerät können

Bei der Entscheidung für ein bestimmtes LVS-Gerät musst du immer im Hinterkopf behalten, dass das beste Gerät nur so gut wie sein Benutzer ist. Stelle dir folgendes Szenario vor: Ein Mitglied deiner Gruppe liegt unter den Schneemassen begraben und es ist nichts mehr von ihm zu sehen … nun liegt es alleine an dir, ihn lebend zu bergen – eine extreme psychische Herausforderung. Deshalb kommt es bei nicht-Profis, abgesehen vom regelmäßigen Training, auf die einfache, intuitive Bedienbarkeit des Gerätes an. Wir empfehlen daher folgende Mindestanforderungen an das LVS-Gerät:

● Digitales 3 Antennen Gerät
● Ortung mit Richtungspfeil und Entfernungsangabe auf einem Display
● Markierfunktion der Verschütteten bei komplexer Mehrfachverschüttung

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Berg- und Skischulen bieten Training in der "Live Situation" an | Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule, Christopher Spiegel

Welche Zusatzfunktionen gibt es bei LVS-Geräten?

Die fünf Hersteller ARVA, BCA, MAMMUT, PIEPS und ORTOVOX bieten jeweils teurere Highend-Geräte mit zusätzlichen Funktionen und günstigere Standard-Geräte an. Folgende Zusatzfunktionen können sehr hilfreich sein und die Bedienung unterstützen - es kommt dabei aber auch auf den persönlichen Geschmack an:

● Optimierung des Senderadius auf der Schneeoberfläche durch automatische Wahl der Sendeantenne abhängig von der Lage des Gerätes

● Automatisches Umschalten von Suchen auf Senden nach einer gewissen Zeit (falls der Sucher von einer Nachlawine verschüttet wird)
● Verfügbarkeit des Analogtons
● Gruppencheck-Funktion
● Möglichkeit von Software-Updates
● Kopfhörer-Buchse
● Displaybeleuchtung
● Personalisierung der Funktionen entsprechend persönlicher Vorlieben

Der Gruppencheck ist eine von vielen, hilfreichen Zusatzfunktionen | Foto: Ortovox

Was sind die qualitativen Unterschiede der LVS-Geräte?

Grundsätzlich sind eine große Reichweite und ein schneller Suchmechanismus wichtig. Die tatsächlichen Unterschiede diesbezüglich lassen sich nur durch umfangreiche Tests herausfinden, die zum Beispiel vom Deutschen Alpenverein durchgeführt werden. Bei den verschiedenen Suchphasen sind auch unterschiedliche Eigenschaften des LVS-Geräts wichtig.

Während der „Signalsuche“ kommt es auf die Empfangsreichweite des LVS-Geräts an. Diese wird durch die Lage des sendenden Geräts beeinflusst. Je früher der Erstempfang, desto besser…aber nur, wenn das Signal auch verfolgt werden kann.

Bei der Signalsuche können auch die Ski anbehalten werden, um sich schnell am Lawinenkegel zu bewegen | Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule, Christopher Spiegel

Ein weiterer Unterschied ist die Breite des Suchstreifens, die auf dem Gerät individuell angegeben wird. Zur Ermittlung dieses Werts werden im ersten Schritt wahrscheinliche Verschüttungsszenarien angenommen. Anschließend wird der Weg, den die suchende Person zurücklegen muss, im Vergleich zur Wahrscheinlichkeit, ein Signal zu finden, optimiert. Dabei wird in Kauf genommen, dass in einem ungünstigen Szenario nachgesucht werden muss. Aus diesem Grund sollten nicht-Profis eine Suchstreifenbreite von 20 Metern nicht überschreiten.

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Als Grobsuche wird die Suchphase vom Erstempfang bis etwa fünf Meter Distanz zum Sender bezeichnet. Hier spielt die Verfolgbarkeit des Signals die größte Rolle. Es gibt teils gravierende Differenzen zwischen den Geräten bei größerer Entfernung.

Bei der Feinsuche bestimmst du das Distanz-Minimum im Nahbereich um den Sender. Dabei ist die Arbeitsgeschwindigeit des Gerätes ausschlaggebend.

Die Feinsuche findet nah an der Schneeoberfläche statt und es ist Präzision gefragt | Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule, Christopher Spiegel

Die größte Anforderung an dein LVS-Gerät ist die komplexe Mehrfachverschüttung: Es müssen zwei oder mehr sendende Geräte in einem bestimmten Bereich gefunden werden. Dabei sollte das Ausblenden der gefundenen Sender einwandfrei funktionieren, sowie die Arbeitsgeschwindigkeit des Geräts möglichst hoch sein.

Was musst du bei der Benützung eines LVS-Geräts beachten?

Nun möchten wir dir anhand einer kurzen Checkliste zeigen, was beim Gebrauch des LVS-Geräts wichtig ist:

In Bezug auf das  LVS-Gerät gibt es noch ein paar Dinge zu beachten | Foto: Ortovox

Verwende ausschließlich Alkaline-Batterien. Diese geben auch bei Kälte noch genügend Energie ab.

Kontrolliere die Batteriespannung täglich. Diese wird beim Einschalten des Gerätes auf dem Display in Prozent angezeigt. Unter einem Wert von 40 Prozent sollten diese gewechselt werden. Wir empfehlen dir, Ersatzbatterien auch während der Touren mit dir zu führen.

Trage das LVS-Gerät geschützt unter der Kleidung, so dass es bei einem Lawinenabgang nicht beschädigt oder verloren wird.

Schalte das LVS-Gerät bei Verlassen der gesicherten Pisten und Wege ein, kontrolliere die Funktion des Geräts der weiteren Teilnehmer und schalte es erst bei Betreten der gesicherten Pisten und Wege wieder aus.

Platziere dein LVS-Gerät mindestens 40 Zentimeter von anderen elektronischen Geräten entfernt und stelle sicher, dass die Geräte im Falle eine Unfalls nicht aufeinander liegen können; schalte alle anderen elektronischen Geräte aus, um ganz sicher zu gehen.

Außerdem ist es empfehlenswert, Software Updates durchzuführen (Infos auf Hersteller-Website) und  im Sommer die Batterien heraus zu nehmen, damit sie nicht auslaufen.

Regelmäßiges Training im Umgang mit dem LVS-Gerät ist äußerst wichtig | Foto: ROCK'nd SNOW Berg- und Skischule, Stefan Langkau

Was gehört noch zur Lawinen-Notfallausrüstung?

● Lawinensonde: Zur Bestimmung der genauen Lage des Verschütteten, nachdem du in der Fensuche das Distanz-Minimum bestimmt hast.

● Lawinenschaufel: Zum schnellen Bergen, ohne sie brauchst du das zehnfache der Zeit.

● Erste Hilfe-Set: Zur schnellen Erstversorgung von eventuellen Verletzungen des Verschütteten

● Mobiltelefon: Zum Absetzen des alpinen Notrufs - im Zweifel die 112.

Nur mit der kompletten Ausrüstung lässt sich der Verschütte innerhalb von durchschnittlich 11 Minuten zu bergen und versorgen – wobei er die ersten 15 Minuten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent überlebt.

Am besten, ihr trainiert das immer wieder. Aufrischungskurse bietet etwa Anfang Dezember die ROCK`nd SNOW Ski- und Bergschule (195 Euro) an. 

 

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