Bergfotografie #4

Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Technik

Natur- und besonders Bergfotografie leben von eingefangen Emotionen. Aus diesem Grund widmet unser Experte Dr. Günter Zöhrer den vierten Teil seiner Serie „Bergfotografie“ hauptsächlich dem Einfangen und Festhalten von Gefühlen.  Er ist davon überzeugt, dass aussagekräftige Fotografien nur demjenigen gelingen der es schafft sich von lästigem Alltagsstress zu lösen und die Umwelt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Sein Blogbeitrag gibt nützliche Tipps, die Hobbyfotografen dabei helfen sollen sich auf die umgebende Natur zu konzentrieren, um diese im Foto wiederzugeben. Den Entstehungsprozess eines Fotos unterteilt er dazu in die vier gleichwertigen Abschnitte Gehzeit, Ruhezeit, Kreativzeit und Emotionszeit, welche er im Folgenden detailliert erklärt.

In unserer insgesamt 5-teiligen Serie „Bergfotografie“ erklärt euch Fotoexperte Dr. Günter Zöhrer alle Facetten seiner persönlichen Philosophie der (Berg-)Fotografie. Wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, sollte sich direkt mit „Foto Doc Günter“ in Verbindung setzen, um an einem seiner spannenden Fotoseminare teilzunehmen. Alle Infos hierzu erhaltet ihr am Ende dieses Blogposts.

 

TEIL 4: Die vier Fotozeiten – Die Gehzeit – Ruhezeit – Kreativzeit – Emotionszeit

Nachdem sich Fotografen immer wieder dieselbe Frage gestellt haben und sicherlich immer wieder unzufrieden nach Hause gekommen sind möchte ich nochmals darauf hinweisen was wichtig ist. Geht hinaus der Natur wegen und nicht des Fotos wegen. Lasst Euch Zeit. Genießt die Luft, die Farben, den Duft und die Stille. Versucht auch mal alleine zu sein. Lasst Euch Zeit. Gebt Euch dem Jetzt hin. Spürt Euch selbst da draußen. Erst dann, wenn ihr innerlich still werdet und das Jetzt wahrnehmen könnt, beginnt zu fotografieren. Und wie das genau geht, beschreibe ich Euch in den 4 Fotozeiten

 

Fotozeit I – Die Gehzeit

Die Gehzeit ist ein wichtiger Teil der Bergfotografie, denn durch das Erwandern des Motives beginnt ihr Kontakt zur Natur aufzubauen. Wenn ihr vom Stress der Arbeit oder eurem zu Hause kommt, könnt ihr nicht sofort abschalten und entspannen. Dazu benötigt ihr etwas, was für den Körper sehr wichtig ist. Und zwar in einen Zustand der Ruhe zu kommen um diese überschüssige negative Energie des Stresses abzubauen. Es ist ein bisschen so wie im Tierreich. Wenn zum Beispiel eine Antilope vor einem Löwen flüchtet, und diese Flucht auch erfolgreich ist, dann benötigt sie Zeit um den Stress dieser Situation, den Überlebenskampf, abzubauen. Sie macht das dadurch, dass sie am ganzen Körper zittert. Nach einer gewissen Weile steht sie auf und grast friedlich weiter, so als ob nichts gewesen wäre. Babys und Kleinkinder bauen Stress auch auf ähnliche Weise ab. Ihr tut dies dadurch, dass ihr zu gehen beginnt. In einem Rhythmus. Der Körper beginnt langsam die Natur zu spüren, mit seinen Sinnen (riechen, hören und fühlen). Dies ist eine uralte Methode des Körpers, die auch heute noch funktioniert. Durch das Gehen beginnt ihr Dinge in euch zu verbrennen, aber nicht vorwiegend Fett, nein, ihr beginnt vor allem Gedanken zu verbrennen. Es wird jener Teil der negativen Energie, die ihr in eurem Alltag erzeugt habt, abgebaut beziehungsweise durch Bewegung an die Natur abgeben. Dadurch beginnt ihr auch still zu werden, euch einfacher zu fühlen und natürlich auch Dinge loszulassen, die Euch vorher noch belastet haben. Es ist dabei egal ob ihr weite oder kurze Strecken geht. Wichtig ist nur, dass ihr währenddessen Eure Konzentration auf Euren inneren Körper (Anm. nach Eckhart Tolle) richtet und ihn von innen fühlt. Das führt Euch ins Jetzt und ihr werdet dadurch gegenwärtig.


Fotozeit II – Die Ruhezeit

Nach der Gehzeit beginnt eine weitere Phase des Nicht-Fotografierens. Es ist die Ruhezeit, die ihr an der Fotolocation genießen dürft. Es ist die Phase der Entspannung nach der Anstrengung des Gehens. Und das nicht nur Äußerlich sondern auch Innerlich. Wenn ihr in der Gehzeit Kontakt zur Natur aufgenommen habt, könnt ihr in der Ruhezeit Dinge, die ihr gedanklich an diesen Ort mitgenommen habt, an die Natur abgeben. Ihr setzt Euch bewusst an einen stillen und gemütlichen Platz, schaut auf das was da draußen ist, und beobachtet Euer Inneres weiterhin. Sehen ohne zu denken, oder wie es Eckhart Tolle poetisch formulierte: „Höre die Geräusche, beurteile sie nicht. Höre die Stille, die die Geräusche umgibt.“ Es ist so, als ob ihr das Panorama mit eurem ganzen Körper beobachtet und dadurch intensiv fühlt. Das was Euch im Außen berührt ist jener Teil in Euch, der gespiegelt wird, jener Teil, der von Euch beachtet und angenommen werden will. Ihr könnt schwere Gedanken und Probleme jetzt an die Natur abgeben und müsst Euch nicht darum kümmern wie das geschieht. Der Verstand kann das nicht erfassen. Stellt euch vor, dass das, was da draußen ist, euch zuhört und auf das reagiert, was ihr denkt und fühlt. Wollt ihr Gutes im Leben erfahren, dann denkt mit positiven Gedanken und die entstehen nur dann, wenn ihr die positive Energie dahinter zulasst. Sie entspringt einer viel tieferen Quelle als es der Verstand ist. Sie ist das wunderbare Gefühl, das ihr im Antlitz dieses besonderen Panoramas, des reinigenden Geräusches des Regens oder der Stille des Nebels fühlt. Sie ist das Gefühl, dass ihr erfahrt, wenn ihr Teil der Natur seid. Sie ist die Energie, die hinter allem Denken und Handeln steht, oft leider im Verborgenen. Mit dieser Energie formt ihr eure Gedanken und somit eure Welt. Also, gebt Euch dem Sein hin, lernt zu sehen, lernt auf eure Sinne zu achten und beobachtet eure Gedanken von außen. Nutzt die Kraft des Sehens für euer Wohlbefinden und bleibt dadurch im Fluss des Lebens.

 

Fotozeit III – Die Kreativzeit

Wir fotografieren nun das was wir eben in uns selbst gefühlt haben. Unsere Gegenwärtigkeit, das Jetzt. Die Kamera kann nichts anderes Einfangen als das Jetzt, aber wir können uns dieses Jetzt durch die Fotografie abermals vergegenwärtigen. Was spricht mich in diesem wundervollen Panorama an? Auf was reagiert mein Körper, was fühle ich gerade. Genau an diesem Punkt entsteht Fotografie, ohne dass man es will. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aufgrund meiner Gegenwärtigkeit immer wieder Momente passieren, mit denen ich nicht gerechnet habe und die Begeisterung und Enthusiasmus in mir erzeugten. Plötzlich ein besonderes Licht durch die untergehende Sonne, ein Blitz, ein Tier das im Motiv auftaucht, eine Sternschnuppe oder sonstige Besonderheiten, die dich weiter im Jetzt halten. Gegenwärtigkeit lässt Freude entstehen. Und diese besonderen Momente an besonderen Orten halten wir fest, fotografieren sie, durch unsere Gefühle im Inneren und Fotos im Außen. Es ist Emotion, die hier in Bilder festgehalten wird. Es ist Bewusstheit, die in Fotos bewahrt wird. Es ist eine wunderschöne Form der Kunst, das Leben zu genießen und zu erhalten.

 

Fotozeit IV – Die Emotionszeit

Die Emotionszeit ist jener Moment innerlicher, positiver Energie, die du beim Fotografieren in dir erzeugt hast und nach dem Fotografieren mitnimmst. Die fotografische Aufnahme ist das Abbild des Jetzt und das Gefühl, dass du in dir trägst, ist das emotionale Abbild des Erlebten. Es wurde dir als unvergesslicher Augenblick geschenkt. Solche Erfahrungen sind immer positiv, lebensbejahend und mit Dankbarkeit erfüllt. Jetzt darfst du deine Emotion mit nach Hause nehmen. Und zwar als Erinnerung und in Form deiner Fotos.

Aber das war es noch lange nicht. Die Bildentwicklung und Bildbearbeitung ist ein wichtiger Teil der Emotionszeit. Du brennst darauf, deine Fotos zu sichten, sie zu entwickeln und zu bearbeiten und vor allem deiner Familie und deinen Freunden zu zeigen. Dieser Prozess ist ebenfalls Teil der Fotografie der dir dazu dient, das Jetzt weiterhin zu erfahren. Deine Bilder werden nun auf den Computer geladen, benannt, mit GEO Koordinaten versehen. Du bist vollkommen konzentriert und kennst keine Müdigkeit bevor nicht alle Fotos fertig sind. Du gibst dich wiederum diesem Moment hin und lässt dich von nichts ablenken. Diese Arbeiten gehören einfach zur Fotografie dazu, ob in analoger oder digitaler Form. An diesem Punkt entsteht das Endergebnis, das Foto. Es ist ein Ausdruck deines kreativen Schaffens. Kreativität ist für mich alles was rund um das Foto geschieht. So auch die digitale Bildentwicklung und Bildbearbeitung. Mit dem Foto verbindest Du Deine Erlebnisse und Emotionen und es lässt dich daran erinnern wie man etwas tun soll, damit es für dich gut wird. Bleibe immer Gegenwärtig bei allem was du tust. Das lernst du, wenn du fotografierst. Leiste keinen Widerstand, akzeptiere alles so wie es ist, urteile nicht, würdige alle Deine Schritte, auch dann, wenn sie nicht so verlaufen wie du es dir vorstellst.

 

Fotografie als Entschleunigung! In den Fotoseminaren von „Die Kraft des Sehens“ steht der Mensch im Mittelpunkt. Fotografie wird in meditativer Form dazu benutzt, die Schönheit der Natur und sich selbst darin wahrzunehmen. Anhand der von Dr. Günter Zöhrer entwickelten 4 Fotozeiten – Gehzeit | Ruhezeit | Kreativzeit | Emotionszeit – soll die Natur gewürdigt und eine spürbare Gegenwärtigkeit erzeugt werden. Die 4 Fotozeiten beruhen auf den menschlichen Grundfunktionen Bewegen – Ruhen – Erschaffen und Fühlen. Bewusste Wahrnehmung im Außen und respektvolle Achtsamkeit im Inneren führen uns zum einzigen Punkt in dem wir alle Leben. Dem Jetzt. Und nur das Jetzt kann auch Fotografiert werden. Es gibt keinen Druck ein besonderes Foto machen zu müssen, was zählt ist das Erlebnis in der wunderbaren Natur der Berge. Ob schönes oder schlechtes Wetter, das Foto darf entstehen und kommt erst am Ende des kreativen Prozesses. 


 

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Titelbild & Bilder im Text: Dr. Günter Zöhrer

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