Actioncams

William Hook auf Unsplash.com

Das Leben ist heute nicht mehr nur „live“ nein, dank modernster elektronischer Helferlein ist es sogar noch „liver“. Instagram, Youtube und Co. stellen eine harte Bedrohung für das Real Life dar – warum? Actioncams – ob am Helm, am Selfie-Stick, an der Brust oder gar am Ski montiert – beschleunigen die Realität. Auch wenn sie dies nur viral tun, Actionsports ohne Actioncams ist heute beinahe nicht mehr möglich! Doch was muss ein gute Actioncam liefern, dass man hinterher ohne große Mühen tatsächlich einen viralen Hit von seinem sonntäglichen Ausflug landen kann? Wir tauchen ein in die Welt der Actioncams und zeigen euch worauf es tatsächlich ankommt!

Wie scharf kann scharf?

Welche Schärfe eine Actioncam zu bieten hat, das hängt ganz von ihrer maximalen Auflösung ab. Das derzeitige Non-Plus-Ultra ist die 4K- bzw. Ultra-HD-Auflösung.  Satte 3840 x 2160 Pixel (insgesamt rund 8,3 Mega-Pixel) stehen der Aufnahme zur Verfügung. Während viele Endgeräte diese enorme Pixelleistung noch nicht umsetzen können, kann man sich durchaus mit der nächst-niedrigeren Auflösung im Full-HD Format zufriedengeben (1920 x 1080px = insges. Rund 2 Mega-Pixel). Diese ist für die meisten Computermonitore und Full-HD Fernseher mehr als ausreichend.

Ruckelfrei an’s Ziel…

Neben der maximalen Auflösung spielt vor allem auch die maximale Aufnahmegeschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Ab ca. 12-15 zusammenhängenden Bildern pro Sekunde kann das menschliche Auge sich bewegende Bilder wahrnehmen. Ab ca. 24 Bildern entsteht daraus ein ruckelfreies Bild. Heutige Fernseh- und Kinoaufnahmen werden daher in der Regel mit 24-26 Bildern pro Sekunde  aufgezeichnet und bei 50 bzw. 60Hz Frequenz wieder abgespielt. Daher gilt – je mehr Bilder pro Sekunde aufgezeichnet werden, desto ruckelfreier und flüssiger erscheinen die Aufnahmen. Um scharfe Zeitlupenaufnahmen machen zu können, bedarf es natürlich einer noch viel höheren Aufnahmefrequenz. Diese schwankt je nach Modell zwischen 60 – 240 Bildern pro Sekunde. Allerdings geht diese hohe Aufnahmegeschwindigkeit sehr zu Lasten des Akkus und leider auch der Bildqualität. Zeitlupen in 4K-Qualität sind bisher noch nicht möglich – selbst bei Full-HD stoßen einige Geräte an ihre Grenzen!

Einzigartige Actioncam-Videos mit dem Skistock.

„Geh doch mal näher ran!“

Bereits vor der Erfidung des Films 1896 durch die Gebrüder Lumière war das Telefernrohr bekannt. Durch verschiedene Linsen können weitentfernte Objekte nah herangezoomt werden. Actioncams verzichten durch die Bank auf diese geniale Erfindung aus mehreren Gründen. Zum einen genügt bei kurzen Distanzen (1-5m) eine Festbrennweite, zum anderen wiegt jede zusätzliche Linse  unnötig viel Gewicht. Gleichzeitig hat man nur sehr selten durch Kontrollmonitore und Ad-Hoc WLan-Verbindungen die Möglichkeit das Live-Bild zu kontrollieren und es scharfzustellen. Wer also heranzoomen möchte, muss dies bio-mechanisch machen und sich auf das Objekt selbst zu bewegen. Allerdings können durch Bild- und Schnittbearbeitungsprogramme nachträgliche Zooms bzw. Kamerafahrten eingebaut werden. Diese gehen allerdings zu Lasten der Aufnahme- und Bildqualität.

Helm, Brust oder Lenker…

Wie verwackelt oder ruhig eine Actionaufnahme ist, hängt ganz davon ab wie sie aufgenommen wurde. Shots aus der Hand sind meistens sehr ruhig, da die Arme Schwingungen und Geländeunebenheiten automatisch ausgleichen. Ähnlich verhält es sich auch bei Aufnahmen vom Helm, da die Actioncam im Optimalfall direkt in die Falllinie der Augen gerichtet ist. Besonders wenige Verwacklungen erzielt man auch bei Shots von der Brust – vor allem wenn sich der Actionsportler auf einem Bike, Surfbrett oder anderen Fahrzeug befindet und die Actioncam ordentlich verzurrt ist. Besonders spektakulär erscheinen auch Fahrten die z.B. direkt vom Bike-Lenker aufgenommen werden – allerdings können die ohne vernünftigen Bildstabilisator arg verwackeln und das Videoerlebnis schnell verderben.

Wie bitte mache ich die Cam fest?

Fotokameras und Camcorder verfügen in der Regel alle über ein ¼ Zollgewinde zur stabilen Befestigung auf einem Stativ. Actioncams hingegen setzen auf jeweils eigene Befestigungssysteme, die zum großen Teil nur als Sonderzubehör erhältlich sind. Nur in seltenen Fällen werden komplette Befestigungseinheiten mit der Actioncam im Lieferumfang mit geliefert. Die Auswahl der Systeme ist groß und meist unter einander auch nicht kompatibel. Nicht jede beliebige Helmhalterung passt auch zur gewählten Actioncam. Auch Selfie-Sticks sind nicht immer mit jedem Gerät kompatibel. Dafür gestaltet sich die eigentliche Montage der Kamera am Helm oder mittels Brustgurt angenehm einfach. Auch die mitgelieferten Klebestreifen leisten einen guten Dienst. Ihr Nachteil: man kann sie meist nicht rückstandsfrei entfernen was zu Lasten der Befestigungsoberfläche wie auch der Halterung geht. Wer neue, kreative Blick- und Aufnahmewinkel sucht, der kann sich im umfangreichen Zubehör austoben – den Unmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Plitsch, platsch… da kommt der Regen…

Wasser ist der natürliche Feind von jeglicher Elektronik. Auch Actioncams sind davor nicht ganz sicher. Leichtes Spritzwasser und ein kurzer Regenschauer sind für die meisten Geräte ohne größere Auswirkungen. Dennoch macht es Sinn bei härteren Einsätzen z.B. auf dem Wasser ein komplett wasserdichtes Schutz-Case dabei zu haben. Wie die Befestigungseinheiten gibt es auch die wasserdichten Cases als Zubehör. Diese sind dann je nach Hersteller bis zu 40 Meter wasserdicht – für einen kleinen Tauchausflug durchaus brauchbar.

Das Actioncam-Case hält Staub, Schmutz und Nässe von der Kamera fern. Leider auch den Ton.

Vom Stumm- zum Tonfilm und zurück…

Alle Actioncams zeichnen natürlich auch den Ton mit auf. Die einen tun das mit Unter besser als die anderen. Wirklich gute Tonqualität, die auch an die Bildqualität heranreicht, erhält man jedoch nur durch ein zusätzliches, externes Mikrofon. Windgeräusche (z.B. Fahrtwind) kann man allerdings nicht vermeiden. Deshalb macht es auch durchaus Sinn seine Actionvideos hinterher mit einem stimmigen Musikbett zu unterlegen. Ist die Actioncam im wasserdichten Case verpackt, ist es mit dem Ton quasi eh vorbei, da das Mikro ja mitverpackt wird.

Und plötzlich ist es vorbei mit der Herrlichkeit…

Ein cooler Move, ein großartiger Stunt, ein langer Trail und trotzdem reicht’s nicht bis zum Schluss – Die Akkulaufzeiten sind – vor allem im 4K-Modus – durchaus begrenzt und reichen im Idealfall nur wenige Stunden. Ein Zusatzakku für längere Sessions sollte daher generell miteingeplant sein. Vor allem im Winter, wenn die Kälte zusätzlich an der Akkuleistung knabbert.

 

Welche Actioncams unsere Tester und die Community für gut befinden, das kannst du direkt in den Bewertungen auf OUTSIDEstories sehen.

 

Bewertungen aus der Community

Ratgeber

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus