LOWE ALPINE Altus ND30 - Wanderrucksack Frauen

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Vielseitiger, geräumiger Allrounder mit durchdachten Tricks
King Review
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ProduktScout
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8. April 2019
Vielseitiger, geräumiger Allrounder mit durchdachten Tricks

Vorteile

  • individuell einstellbare Rückenlänge
  • spezielles neu entwickeltes Belüftungssystem im Rücken
  • neuartige Stockhalterung
  • wasserabweisend
  • seitliches Reingreiffach für Dinge von ganz unten
  • viele Verstaumöglichkeiten

Nachteile

  • Stockhalterung funktioniert nicht mit Faltstöcken
  • schnelle erste Gebrauchsspuren

Die Bewertung

Bereits Mitte September 2018 durften mein Mann und ich als Product Scouts an der Produktpräsentation der neuen Altus Range von Lowe Alpine auf der Erfurter Hütte teilnehmen. Das Event dauerte gute 1,5 Tage in denen jeder von uns einen Rucksack bei einer kürzeren Tour mit Übungs-Klettersteig und einer Tageswanderung mit Klettersteig (inkl. Schwierigkeitsgrad C) ausgiebig testen durften. Da es sich bei den Testmodellen noch um (allerdings schon sehr weit gereifte) Prototypen handelte, kann es sein, dass einige kleinere Details auf den Fotos nicht ganz so aussehen, wie beim inzwischen (März 2019) kaufbaren Modell.

 voll bepackt Ansicht hinten rechts

Passform

Ich durfte den Altus ND30 mit einem speziell für die weibliche Figur angepassten Tragesystem testen. Der Rucksack hat bei einem Fassungsvermögen von ca. 30 Liter ein stolzes Eigengewicht von 1,4 Kilo, das man auch ordentlich merkt - vor allem bei einer kurzen Tour zum Übungsklettersteig und zurück. Denn dazu haben wir gerade mal eine kleine Flasche Wasser eingepackt - und eben das Klettersteigset samt Helm und Handschuhen. Trotz der geringen Ladung saß der Altus jedoch sehr gut am Rücken und auch beim Klettern in der Via Ferrata hat nichts gewackelt oder gestört.

 

nicht so voll gepackt

Gleiches gilt auch für den mit Proviant und Wechselklamotten gut gepackten Rucksack bei einer Tagestour inkl. Klettersteig. "Ausgestopft" oder halb leer ist den Zurrgurten egal. Man kann den Rucksack über den Hüftgurt, den Brustgurt und die beiden Gurte auf den Schultern sehr gut auf die individuell gewünschte und persönlich komfortabelste Trageweise einstellen.

Auch die Rückenlänge lässt sich in einem gewissen Bereich individuell einstellen. Das System hierzu ist einfach und kann jeweils an den beiden Schultergurten unabhängig voneinander eingestellt werden.

 voll gepackt Ansicht hinten links

Features

Die Riemen an Brust- und Hüftgurt sind auch für weniger schmal Gebaute jeweils lang genug - mir persönlich hat dann ein Schlaufengurt zum Verstauen gefehlt, so dass ich immer die Enden um die Oberschenkel baumeln hatte. Das mag aber auch am Prototyp gelegen haben, die endgültige Variante hat das bestimmt.

 lange Bändel

Als praktisch durchdachtes Feature hat sich die Höhenverstellung des Brustgurtes erwiesen: anders als bei den meisten Rucksäcken wird hier nicht über ein Schienensystem verstellt, sondern mit Haken und Ösen. Sollte hier doch einmal ein Gurt reißen, kann dieses System leichter ausgewechselt werden.

 Brustgurtverstellung mit Haken und Ösen

Auf den Hüftflossen sind rechts und links wie üblich kleine Seitentaschen angebracht. Positiv ist mir hier aufgefallen, dass sie nicht so stark auftragen, obwohl sie recht viel Stauraum für nützlichen Kleinkram wie Taschenmesser, Labello, Taschentücher, Traubenzucker etc. bieten. Normalerweise scheuere ich mich regelmäßig an solchen Taschen auf - vor allem, wenn ich ohne Stöcke unterwegs bin. Dann scheine ich die Arme näher am Körper zu haben und komme damit häufiger mit den Taschen in Kontakt. Beim Altus ND30 hielt sich das erfreulicherweise in Grenzen.

 Taschen auf den Hüftflossen tragen nicht stark auf

Ein neu entwickeltes Belüftungssystem - das ND Air Contour+ - soll für angenehme Belüftung im Rückenbereich bei gleichzeitig hoher Stabilität des ganzen Systems sorgen. Leider sorgt diese Steifigkeit dafür, dass die Polsterung der Gurte recht hart ist. Mir zumindest ist sie anfangs unangenehm steif aufgefallen. Im Laufe der Wanderung bzw. des Klettersteigs habe ich mich dann schnell daran gewöhnt - das mag aber auch daran gelegen haben, dass das unsere erste Via Ferrata war und damit andere Dinge kurzzeitig in den Vordergrund getreten sind (bspw. eine nicht ganz auszublendende Höhenangst)…

Schulterriemen

Scheuer- oder Druckstellen hatte ich nirgends. Allerdings habe ich schon bessere Belüftungssysteme am Rücken gehabt.

 Belüftung

Es gibt wie es sich für einen ordentlichen Wanderrucksack mit breitem Einsatzgebiet gehört, haufenweise Schlaufen und kleinere Ösen und Taschen, um alles zu verstauen, was man so braucht während oder nach der Tour. Praktisch ist hierbei die Möglichkeit, von außen (also quasi vom Rücken des Rucksacks her) in das Hauptfach zu greifen. Gerade wenn man etwas von weiter unten braucht, muss man nicht den ganzen Inhalt rausräumen, sondern kommt unkompliziert bis ganz nach unten.

Das System zum Einladen des Toploaders ist beidhändig sehr einfach zu bedienen und lässt sich durch ein Zugsystem gut schließen und öffnen.

Hauptfach innen zu  Hauptfach innen offen

Zusätzlich kann hier wiederum durch einen Zurrgurt die Ladung gut verstaut und gesichert werden.

Hauptfach Zurrgurt offen   Hauptfach Zurrgurt zu

Das Deckelfach lässt genug Platz für eine Kamera oder ähnlich schnell erreichbares Equipment.

Lowe Alpine hat sich bei der Altus Range etwas neues für den Transport von Stöcken ausgedacht, wenn man sie mal nicht in der Hand gebrauchen kann: es gibt kleine Schlaufen für die Stockspitzen und weiter oben an der Seite dann schmale Zurrgurte. Das klappt hervorragend für Teleskop-Stöcke - nur leider nicht bei so klein faltbaren Stöcken, wie mein Mann und ich sie haben. Dann ist die verbleibende Stocklänge nicht lang genug, um von der Stockspitzen-Schlaufe bis zum Gurt zu reichen und man muss die Stöcke anderweitig in einer der Taschen vom Rucksack verpacken. Das finde ich sehr schade.

 Schlaufe für die Stockspitze   Picktogramm für Stockhalterung erkennbar

Da das Material wasserabweisend ist, verzichtet Lowe Alpine auf ein Raincover. Wir hatten bei den Testtagen fantastisches Wetter, daher kann ich über die Wassserdichtigkeit nichts sagen. Ich habe einen kleineren Rucksack von Osprey, der auch kein Raincover und stattdessen wasserabweisendes Material hat. Dieser hat bisher einen normalen Regen (also keinen Regenguss) von ca. 1 Stunde Dauer gut und dicht überstanden.

 Ösen für die Stöcke

Lowe Alpine setzt darauf, dass ihre Produkte robust sind und alles mitmachen bzw. aushalten. Leider hatte mein Rucksack bereits nach der 1. Pause direkt nach der Übungs-Via-Ferrata unten einige Striemen vom Absetzen im alpinen Gestein. Ich habe den Rucksack nicht anders behandelt wie alle meine anderen Rucksäcke auch, aber solche Gebrauchsspuren nach dem ersten Einsatz hatte ich noch nie - und ich habe den Rucksack nicht hinter mir her geschleift, sondern ganz normal auf dem Rücken getragen und 2x abgesetzt um etwas heraus oder hinein zu tun.

 Abnutzung deutlich nach 2x abstellen

Preis/Leistung

Auf der Lowe Alpine Homepage gibt es den Altus ND30 für 240 Kanadische Dollar - bei deutschen Anbietern findet man ihn im Netz ab ca. 130€. Dafür bekommt man einen geräumigen Rucksack mit vielen Verstaumöglichkeiten für Stöcke, Pickel, Flaschen, Helme, Skier, und-was-man-sonst-so-alles-braucht ;) der auch einen überraschenden Regenschauer mitmacht.

voll bepackt Ansicht von hinten

Fazit

Auch wenn ich gerade ein paar Dinge aufgeführt habe, die mir nicht so gut gefallen haben, oder die mir fehlen (bspw. Stockverstausystem nicht für faltbare Stöcke, kein Raincover - aber vielleicht auch nicht nötig, schnell Gebrauchsspuren nach wenigen Bodenkontakten zum Ein-/Ausladen) gefällt mir das Gesamtpaket recht gut. Abzüge muss ich doch wegen dem Belüftungssystem geben - hier habe ich persönlich lieber mehr Komfort beim Tragen (weniger steife Gurte).

Da sich einige wirklich praktische und durchdachte Kleinigkeiten finden, die das Leben bzw. die Tour leichter machen (bspw. Brustgurt-Verstellung, Stockhalterung, Eingriff seitlich), gibt es 4 von 5 Sternen.

Die Bewertung des Herrenmodells Lowe Alpine Altus 42 könnt ihr hier lesen.

 

Wie wurde das Produkt erworben? Ich bin ProduktScout - zum Testen von OUTSIDEstories
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