Weitwandern: Von Salzburg nach Triest

Von sabine
Christof Herrmann, einfachbewusst.de - Vom Kärlingerhaus schaut man auf den idyllischen Funtensee.

Vier Länder liegen auf der Route der Alpenüberquerung von der Mozartstadt an die italienische Adria: Österreich, Deutschland, Slowenien und Italien. Nicht nur das: Drei berühmte Nationalparks, sieben Gebirgsgruppen und rund 500 Kilometer hat man gemeistert, wenn man nach 28 Tagen am Mittelmeer ankommt. Stille Wege, herrliche Aussichten und ein großartiges Finale – das sind die Zutaten dieser Transalp, die viele Wanderer begeistern wird. Autor und Blogger Christof Herrmann hat sie ausgekundschaftet und stellt sie in einem der handlichen Rother Wanderführer mit wetterfestem Umschlag vor. Wer mehr über Christof erfahren möchte, dem empfehlen wir seinen Blog einfachbewusst. Dort vermittelt er seine Sichtweise über Minimalismus, Nachhaltigkeit und vegane Ernährung im Alltag und beim Wandern. Unsere Lieblingsetappe dieser außergewöhnlichen Weitwanderung (Nr. 5) stellen wir euch hier vor.

Die Ausrüstung für eine Weitwanderung sollte wohl überlegt werden. Christof Herrmann sagt dazu: "Weniger ist mehr - nicht nur im Leben, sondern auch beim Fernwandern! Ich komme auch auf der vierwöchigen Alpenüberquerung Salzburg - Triest locker mit einem 32-Liter-Rucksack aus - inkl. Wasser, Proviant, Tablet und Fotoausrüstung. So tut es gerade auf der ersten Etappen weniger weh und macht das tägliche Gehen mehr Spaß." 

Falls du noch neues Equipment benötigst, um für jedes Wetter richtig ausgerüstet zu sein, findest du auf OUTSIDEstories jede Menge online Ausrüstungs-Bewertungen (inkl. Preisvergleich und Shop-Link). Oder du schaust erstmal in unsere Checkliste Weitwandern - eine Auswahl an Ausrüstungs-Ratgebern findest du unten verlinkt.


Tour 5: Wasseralm – Ingolstädter Haus

Teuflisches Gurgeln im Steinernen Meer. Es ist mit einer Fläche von rund 160 km² der größte der neun Gebirgsstöcke der Berchtesgadener Alpen und nach dem Untersberg und dem Hagengebirge der dritte, den wir durchqueren. Das Karsthochplateau ist mal karg, mal mit üppiger Bergwaldvegetation bewachsen. Für Abwechslung sorgen zum Beispiel die fünf Bergseen. Auf den Königssee und den Obersee blicken wir über 1000 Höhenmeter hinab. Den Karstseen Schwarzensee, Grünsee und Funtensee kommen wir so nahe, dass wir die geschwollenen Füße ins Bergwasser halten können. Wer sich traut, nimmt ein erfrischendes Bad. Noch Mutigere können am Funtensee nach dem Gurgeln suchen. Das Geräusch soll vom Teufel stammen, der tief unten Steine zu Silbertaler mahlt, um damit Seelen zu fangen. Knapp davon gekommen, fällt der Weiterweg leicht. Kurz vor dem Tagesziel überqueren wir die Grenze. Die nächsten elf Tage wandeln wir auf österreichischem Boden.

Das Steinerne Meer zählt zu den schönsten Karsthochplateaus der Welt. Foto: Christof Herrmann, einfachbewusst.de

Wir starten an der Wasseralm (1), 1423 m, und folgen bis zur Mittagseinkehr am Funtensee dem Weg 416. (Anmerkung von Christof Herrmann: "Die Wasseralm zählt zu meinen liebsten Übernachtungen auf dem Weg zum Mittelmeer. Die DAV-Hütte liegt idyllisch auf einer Wiese mit einem kleinen See und ist umgeben von Wald und Bergen. Zu Essen gibt es eine köstliche Gemüsesuppe. 2015 wurde ein Nebengebäude mit Sanitäranlagen errichtet, so dass die Übernachtung nicht mehr ganz so spatanisch ist." ) Es geht zunächst 3,5 km meist aufwärts und durch Wald bis zur Abzweigung zum Halsköpfl (2). (Anmerkung von Christof Herrmann: "Nicht verpassen sollte man den kurzen Abstecher von Wegpunkt 2 zum Halsköpfl. Der von Höhe und Dominanz unbedeutende Gipfel bietet einen tollen Blick auf Königssee und Watzmann.") Der 1719 m hohe Grasgipfel ist in 10 Minuten zu erreichen und lohnt aufgrund des Blicks auf Königssee und König Watzmann. 

Unser Weg führt hinab zum herrlich einsam gelegenen Schwarzensee (3), 1568 m, oft auch Schwarzsee genannt. Wir passieren die Abzweigung zur Saletalm und wandern zum ebenfalls idyllischen Grünsee (4), 1474 m. Er ist etwas größer als der Schwarzensee und liegt in einem Kessel unterhalb des Glunkerer. Nach den beiden Karstseen steigen wir durch den Wald auf wenig vertrauenerweckende Holztreppen und Stufen steil auf. Vor allem bei Nässe ist hier Vorsicht ­ge­boten. Wir treffen auf den Weg, der vom Königssee durch die Saugasse heraufführt. Hier geht es links weiter. Über den Funtenseesattel (5), 1672 m, gelangen wir rasch hin­ab zum Kärlingerhaus (6), 1630 m, und zum malerischen Funtensee, 1601 m. (Anmerkung von Christof Herrmann: "Mittags kehren wir im Kärlingerhaus ein. Ich mag die Massenabfertigung dort nicht, aber die Lage der Hütte am Funtensee ist grandios. Seit am Heiligen Abend 2001 am Funtensee das Thermometer der Wetterstation –45,9 °C anzeigte, ist dieser weit über die Nationalparkgrenzen bekannt. Nie zuvor und danach wurde in Deutschland eine niedrigere Temperatur gemessen. Das Kälteloch ist nicht typisch für die Umgebung, sondern erklärt sich durch die Lage des Sees. Er befindet sich auf dem Grund eines durch Erosion entstandenen Kessels, in den im Winter nur wenige Sonnenstrahlen fallen und aus dem die kalte Luft nicht abfließen kann. Im Sommer stehen die Chancen aber nicht schlecht, dass wir auf der Sonnenterrasse des Kärlingerhauses sitzen können.")

Wir marschieren 200 m auf dem Hinweg zurück bis zu einer Abzweigung. An dieser biegen wir links auf Weg 412 ab, der uns durch fast schon liebliche Landschaft mit Wiesen, Latschenfeldern und Baum­bewuchs hinauf zum Hirschentörl (7), 1876 m, bringt. Von hier überblicken wir die eher entrückte Steinwüste der Karsthochfläche, und auch das Ingolstädter Haus ist bereits in Sicht. Der Weg 412 verabschiedet sich nach links Richtung Peter-Wiechenthaler-Hütte. Wir gehen auf Weg 420 geradeaus weiter und passieren bald die ver­fallene Schönbichlalm (8), 1805 m.

Karte der Tour 05, Copyright Freytag & Berndt, Wien

Nun geht es am Sockel der steilen Südflanke des Schneibers entlang bis an eine Gabelung. Wir halten uns links, bleiben also auf Weg 420. Gut 1,5 km bzw. eine dreiviertel Stunde Gehzeit danach erreichen wir das Ingolstädter Haus (9), 2119 m. So hoch haben wir auf unserer Alpenüberquerung noch nicht übernachtet. Die Berghütte liegt an der Dießbachscharte unterhalb des Großen Hundstods und bietet grandiose Ausblicke auf das Steinerne Meer.

Geschätzte Zeit für die Tour Nr. 5: 6.45 Std., Aufstieg: 1250 Hm. / Abstieg: 550 Hm

Im Wanderführer aus dem Bergverlag Rother wird jede der 28 Etappen dieser unbekannteren Alpenüberquerung umfassend vorgestellt: zuverlässige Wegbeschreibungen, kompakte Informationen zur Infrastruktur, Wanderkärtchen mit eingezeichnetem Routenverlauf und aussagekräftige Höhenprofile. Für vier besonders knifflige Stellen gibt es einfachere Umgehungs- bzw. Schlechtwettervarianten. Zudem stehen auf der Internetseite des Bergverlag Rother GPS-Daten zum Download zur Verfügung. Die Karte zur gesamten Tour kannst du hier anschauen.
Der Wanderführer ist auch digital als Guide in der Rother Touren App erhältlich. Mehr Infos dazu: www.rother.de/app.

 

Kärlingerhaus in Sicht. Foto: Christof Herrmann, einfachbewusst.de

 

Bewertungen aus der Community

Unterwegs

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus