Klettergurte

Von FGunti
Foto: Petzl/Lafouche

Eine lebenswichtige Connection: Der Klettergurt verbindet das Seil mit dem Kletterer – ohne ihn müsste man sich den Strick um den Bauch knüpfen, wie einst die Kletterpioniere Hans Dülfer oder Edward Whymper. Klettergurte gibt es heute in einer Vielzahl an Farben und Formen – und nicht alle sind für jeden Einsatzzweck optimal geeignet.

Mit unserem Ratgeber hängst du nicht planlos in den Seilen: Wir liefern dir alle wichtigen Tipps und Infos rund um den perfekten Gurt. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

Und falls du noch mehr Infos zu Kletterausrüstung suchst - hol die unseren Gratis-Ausrüstungsratgeber #2 zum Download - mehr dazu am Ende dieses Posts.

 

Bänder + Schnallen = Gurt?

Kletterpioniere legten sich ein statisches Hanfseil um die Hüfte und gut war‘s. Sind heutige Kletterer Weicheier, weil sie auf dynamische Seile und gepolsterte Klettergurte nicht mehr verzichten wollen? Nein: Ohne Gurt und mit statischem Seil treten bei einem Sturz so große Kräfte auf, dass sehr schnell innere Verletzungen entstehen können – kein schöner Gedanke. Zum Glück sind diese Tage längst vorbei. Die moderne Sicherungskette kann so viel Sturzkraft aufnehmen, dass auch mehrere Meter tiefe Stürze ins Seil für den Kletterer meist folgenlos bleiben. 

Natürlich besteht ein moderner Klettergurt aus mehr als bloß ein paar Schnallen und Bändern: Er besitzt mehr oder weniger starke Polsterungen am Beckengurt und den Beinschlaufen, diverse Materialschlaufen für Karabiner, Exen & Co. sowie eine textilen Anseilschlaufe, in die man das Sicherungsgerät einhängt.

Welche Features dein Klettergurt haben sollte, entscheidet sich nach dem Haupteinsatzzweck. Die gute Nachricht: Anders als bei Seilen decken gerade Allroundklettergurte alle Spielwiesen des Kletterns ab, sodass man nicht für jede Tour einen neuen Gurt braucht.

Packesel, Sitzpolster, Sicherheitsnetz – ein Klettergurt muss viele Aufgaben erfüllen.

Die wichtigsten Parameter bei der Auswahl des richtigen Modells: Polsterung, Schnallen zum Anpassen des Gurtes an den Kletterer und Befestigungsmöglichkeiten für das Equipment. Beim Kauf sind Kompromisse in der Regel unumgänglich: Viele Einstellmöglichkeiten und Materialschlaufen erhöhen das Gewicht. Eine breite und starke Polsterung ist zwar toll, wenn man in der Wand hängt, sie schränkt jedoch meist die Beweglichkeit beim Klettern ein. Darum gilt: Jeder Kletterer muss für sich selbst bestimmen, wieviel Gurt er braucht – und auf was er besser verzichtet.

Im Folgenden stellen wir dir ein paar Unterarten des Kletterns vor und erklären, welche Eigenschaften der passende Gurt mitbringen sollte.

Hallenkletterer
Als Kunstgriff-Fetischist benötigst du in der Regel keine Materialschlaufen (das gibt es aber praktisch nicht). Die Polsterung der Hüft- und Beinschlaufen hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab: Bist du eine Onsight-Nudel und legst erst am Zielgriff eine Pause ein? Dann brauchst du nur eine dünne Polsterung und kannst dich dadurch freier bewegen. Machst du hingegen gerne mal im Dach eine Kaffee-Pause, solltest du auf breitere Polster setzen. Auch auf besonders viele Einstellmöglichkeiten kannst du verzichten – zum Hallenklettern hast du eh immer das Gleiche an, oder?

Sportkletterer
Wen es in den Klettergarten zieht, sollte Platz für Exen und Karabiner am Gurt einplanen. Das Equipment verteilt sich am besten auf vier Materialschlaufen. Sportklettergurte bilden die größte Gruppe des Angebots und eignen sich meist sehr gut als Allrounder: Man kann damit auch problemlos Alpinklettertouren unternehmen und den Gurt für Hochtouren oder die Halle verwenden. Wer plant, seinen Gurt nicht nur im Sommer im Klettergarten einzusetzen, sollte auf verstellbare Beinschlaufen achten – sie geben Spielraum bei der Kleidungswahl. Die Polsterung wählt man je nach Geschmack, der Gurt sollte ein gutes Mittelmaß aus Hängekomfort und Bewegungsfreiheit bieten.

Alpinkletterer
Freunde hoher Wände brauchen ordentlich Gear. Eine zweite Reihe Materialschlaufen ist gerade bei Trad-Routen (Routen, die man selbst absichert) sinnvoll. Wer viel hängt, achtet auf eine ordentliche Polsterung und besonders hohen Tragekomfort. Einstellbare Beinschlaufen erweisen sich als sinnvoll, immerhin klettert man mal mit kurzer Hose, mal mit Überhose.

„Performancekletterer“

Materialschlaufen und Polsterung sind zwei wichtige Kriterien beim Klettergurtkauf.
Ambitionierte Kletterer setzen bei ihren Gurten auf ein Maximum an Bewegungsfreiheit und ein Minimum an Gewicht. Ein „Performancegurt“ kostet schnell das Doppelte eines normalen Sportklettergurtes und wiegt oft nur die Hälfte. Der Hängekomfort erweist sich in der Regel als schlechter, allerdings kommen in den hochpreisigen Modellen gerne hochwertigere Fasern und Verarbeitungstechniken zum Einsatz, die bei geringerem Materialeinsatz und Polsterung eine ähnlich gute Druckverteilung bieten. Um das zu verdeutlichen, ein kleiner Exkurs: Einfache Klettergurte bestehen – grob gesagt – aus einem tragenden Band, an das eine Polsterung angebracht ist. Bei hochwertigeren Gurten wird das einzelne Band oft durch mehrere dünne Schnüre ersetzt, was eine gleichmäßigere Gewichtsverteilung bewirkt.

Hochtourer
Wer seinen Hüftgurt nicht zum Klettern, sondern ausschließlich für Hochtouren einsetzt, sollte sich einen speziellen Gurt für solche Touren kaufen: Sie sind nicht gepolstert (der Gurt ist nur ein Schutz für den Notfall, zum Beispiel bei einem Spaltensturz), dafür aber sehr leicht. 

Hinweis: Wer einen sehr schweren Rucksack trägt oder zu viele Kilos auf den Rippen hat, läuft bei einem Spaltensturz Gefahr, nach hinten zu kippen und kann sich dann nur schwer wieder aufrichten, ohne den Rucksack abwerfen zu müssen. In diesem Fall kann man über eine Kombination mit einem Brustgurt nachdenken: Dann liegt der Anseilpunkt nicht mehr auf Höhe des Bauchnabels, sondern bereits Richtung Sternum. Die Folge: Man sitzt nach dem Sturz mehr oder weniger Aufrecht. Ein nach hinten oder unten Kippen des Torsos wird so verhindert. Allerdings: Stürzt der Seilpartner in die Spalte, kann man durch den höheren Schwerpunkt den Sturz oft schlechter halten.

Ferratisten (Klettersteiggeher)
Freunde des Drahtseils wählen am besten einen Allround-Gurt, wie ihn zum Beispiel Sportkletterer tragen. Er bietet die beste Mischung aus Preis und Performance. Wer mit schwerem Rucksack unterwegs oder übergewichtig ist, sollte auch hier die Kombination mit einem Brustgurt in Erwägung ziehen.

Weibliche Kletterer

Unisex oder spezielle Damengurte? Erlaubt ist, was passt!Frauen haben in der Regel eine höher sitzende Taille, die gleichzeitig einen geringeren Umfang aufweist – es ist also durchaus logisch, dass sich Klettergurt-Modelle speziell nach den Bedürfnissen von Damen richten. Zum Glück haben die meisten Hersteller diese Notwenigkeit erkannt und variieren bei ihren Damenmodellen mehr als nur die Farbe. Auch für unsere weiblichen User gilt: erst überlegen, bei welchen Touren man den Gurt einsetzen möchte und dann nach einem Modell suchen. Tipp: Gibt es keine passenden Damenversionen, wird man vielleicht im Regal der Kerle fündig.

Klettergurte für Kinder
Kleinen Kindern zieht man am besten einen Komplettgurt oder eine Kombination aus Brust- und Hüftgurt an. Warum? Kinder haben noch keine so ausgeprägten Hüften, es besteht darum die Möglichkeit, dass Kinder aus dem Gurt herausrutschen. Größere Kids können indes einen speziellen Kinder-Hüftgurt tragen.

Exkurs: der Brustgurt alleine…
… eignet sich nur für Menschen mit ausgeprägtem Todeswunsch: Er bietet keine ausreichende Sicherheit und darf NUR in Kombination mit einem Hüftgurt verwendet werden. Die Verbindung von Brust- und Hüftgurt erfolgt mit einer speziellen Bandschlinge.

Tipps für den Kauf

Auf die richtige Passform kommt es an! Die wichtigsten Werte: der Sitz um die Taille und an den Oberschenkeln.

Beim Kauf sollte man auf die EN- und UIAA-Zertifizierung (EN-Norm 12277) des Gurtes achten. Die Siegel befinden sich in der Regel auf der Innenseite der Polsterung oder an den Beinschlaufen. Erfüllt der Wunschgurt beide Normen, kann man mit ihm alle Facetten des Kletterns entdecken. 

Wichtig für die Anprobe:

  1. Trage am besten die Klamotten, die du auch beim Klettern verwendest. So merkst du gleich, ob es irgendwo drückt und ob das Modell groß genug ist für dich und deine Kleidung.
  2. Zwischen Beinschlaufen und Oberschenkel sollte noch eine flache Hand passen.
  3. Der Gurt sollte straff um deine Taille liegen, ohne einzuengen. Achte darauf, dass noch genug Gurtband übrig ist, falls du doch mal mehrere Schichten übereinander trägst. Falls du den Gurt komplett zuziehen musst, damit er um deine Taille passt, suche besser nach einem kleineren Modell für dich.
  4. Die Polsterung checkst du am besten bei einem Hängetest, den gute Sportgeschäfte anbieten.

Und wie lange hält der jetzt?

Nun zur schlechten Nachricht: Einen Gurt muss man (genau wie ein Seil) regelmäßig ersetzen – auch, wenn er noch recht neu aussieht.

Hier ein paar grobe Anhaltspunkte:

- nie benutzt (bedeutet originalverpackt im Keller): Entsorgen nach maximal 10 Jahren

- 1-2 Mal pro Jahr unterm Bett hervorgekramt: weg damit nach spätestens 7 Jahren

- 1 Mal pro Monat in den Gurt gezwängt: sollte nach 5 Jahren das Innere der Mülltonne sehen

- mehrmals pro Monat im Einsatz: nach etwa 3 Jahren ist Schluss

- jede Woche im Gurt abgehangen: schick ihn nach etwa einem Jahr auf die große Reise

- zweite Hose (täglich benutzt): sollte seinen 1. Geburtstag nicht mehr feiern können

Das mag dir vielleicht übertrieben vorkommen, aber bedenke: jedes Material altert und die Nähte deines Gurts werden zum Beispiel bei Stürzen stark belastet. Ist dir dein Leben wirklich weniger wert als 56,78 Euro?

 

Von der Community getestete Modelle (inkl. Preisvergleich) findet ihr wie bei OUTSIDEstories

 

Hol dir...

... den digitalen Ausrüstungs-Ratgeber #2 von OUTSIDEstories zum Thema Klettern. Hier erfährst du exklusiv worauf es für beste Ausrüstung beim Klettern ankommt.

Hier geht's zum Download

    

 

Die beste Auswahl für Kletterschuhe bekommst du natürlich auch gleich von uns geliefert:

 

 

Titelbild: Petzl/Lafouche

Bilder: 1. Petzl/Doumas, 2. Petzl, 3. Petzl, 4. Petzl/Lafouche

Bewertungen aus der Community

Ratgeber

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus