Imprägnieren #2

Von c.w.
Ratgeber: Imprägniermittel #2 (Zelte)

Unsanft geweckt, es tropft! Von der Decke! Von der Zeltdecke! – Oh Schreck, das Zelt ist undicht! Mitten in der Nacht läuft das Wasser in Sturzbächen durch das Zelt. Jetzt ist es allerdings schon zu spät. Bereits vor dem Trip hätte man es ordentlich imprägnieren müssen! Doch welches Imprägniermittel nimmt man für Zelte? Und wie funktioniert das Imprägnieren überhaupt?

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon ein bestimmtes Imprägniermittel für dein Zelt  im Sinn, das du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um das perfekte Imprägniermittel. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

Die Imprägnierung ab Werk

Trekkingzelte sind von ab Werk perfekt imprägniert. Polyurethanbeschichtungen (PU), Silikonschichten, Nahtversiegelungsbänder sowie Klebe- und Schweißnähte sollen das ungeliebte Nass draußen halten. Und das tun die Werksbeschichtungen sehr zuverlässig zumal sie – vor allem bei teureren Markenherstellern – regelmäßig überprüft werden. Teilweise kommt sogar jedes einzelne Überzelt unter einen kurzen Regenschauer. Nur dichte Zelte dürfen dann das Werk verlassen.

Ältere Zelte bedürfen viel Pflege

Ist ein Zelt einmal in die Jahre gekommen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es allmählich „undicht“ wird gar nicht einmal gering. Das Polyester Außenmaterial wie auch die PU-Beschichtung werden über die Jahre hinweg und vor allem auch durch die UV-Strahlung immer spröder. Besonders sichtbar wird dies an den Nähten: durch die Zugbelastungen im aufgespannten Zustand, die UV-Belastung und die natürliche Materialalterung, werden sie mitunter als erstes undicht, da hier am wenigsten Imprägniermittel eingesetzt werden kann. In der Regel sind die einzelnen Stoffbahnen als solches imprägniert, selten jedoch das komplette Zelt. Daher kommt im Fall der Nähte ein Nahtversiegelungsband zum Einsatz, das von innen gegen die Naht geklebt das Wasser am Durchsickern hindern soll. Allerdings ist der Klebstoff der Nahtversiegelungsbänder nicht für die Ewigkeit beschaffen – gerade (und ja, hier wiederholen wir uns!) bei aggressivem UV-Licht.

Und auch der Zeltstoff des Außenzeltes (meist Polyester, Nylon oder Polyamid), lässt mit der Zeit nach, so dass die feinen Fäden (zwischen ca. 10 – 50 Denier) Wassermoleküle immer häufiger aufnehmen bzw. diese quasi ungehindert durchlaufen lassen.

Noch fataler wirken sich jedoch kleine Löchlein auf die Dichtigkeit des Zeltstoffs aus. Doch selbst hier gibt es Abhilfe, wie wir später gleich sehen werden.

Schritt Nr. 1: Sauber machen!

Bevor man beginnt sein Zelt zu imprägnieren, muss es vor allem sauber sein! (Grober) Schmutz und auch Fette verhindern, dass sich das Zeltimprägnierungsmittel ordentlich am Zeltstoff anhaften kann. Daher: groben Schmutz abbürsten, Zeltplane und Zeltboden gründlich mit einer milden Waschlauge (Seife/Spülmittel) oder einem speziellen Zeltreiniger säubern und dann je nach Imprägniermittel trocknen lassen. Im Zweifelsfall lassen sich alle Zeltimprägnierungsmittel in trockenem Zustand auftragen.

Was, wann, wie, wo…?

Wenn das Zelt dann sauber ist, kann das Imprägnieren beginnen. Doch auch hier gilt wie beim Imprägnieren von Outdoorbekleidung: Augen auf bei der Imprägnierungsmittelwahl!

  1. Chemiekeulen: Vorsicht bei chemischen Imprägnierungsmitteln! Diese dürfen ausschließlich im Freien aufgetragen werden und müssen ausreichend lange (mindestens 24 Stunden) im Freien gelüftet werden. Schließlich will man ja hinterher noch im Zelt schlafen und nicht darin ersticken! Sind diese als Lösung erhältlich bietet es sich an, diese mit einem Pumpzerstäuber oder Ähnlichem aufzutragen. Evtl. ist ein Atemschutz empfehlenswert!
  2. Wasserbasierte Lösungen: Sie sind in der Regel ungiftig und geruchsarm bis –neutral. Am leichtesten lassen sie sich im Pumpzerstäuber auftragen. Bei größeren Flächen kann man auch auf ein größeres Gerät für Gartenarbeiten aus dem Baumarkt zurückgreifen. Die Dosierung ist in beiden Fällen sehr angenehm (wobei die Variante aus dem Baumarkt durchaus komfortabel ist – fasst sie doch bis zu fünf Liter).
  3. Silikonsprays: Genau wie bei der Outdoorbekleidung kann man Silikonsprays ganz simpel über dem Überzelt aufbringen. Danach perlt das Wasser buchstäblich von der Oberfläche ab.
  4. Nahtversiegelung: Ein sehr großes Manko aller Zelte sind die Nähte. Um diese wieder dicht zu bekommen, einfach das alte Nahtversieglungsband  großzügig abschneiden (nicht aber gewaltsam entfernen!) und die freie Fläche mit Nahtversiegelungspaste bestreichen. Im Zweifelsfall sollte man auch noch ein neues Nahtversiegelungsband bereithalten, das man über diese Fläche von unten(!) über die Naht klebt.

Für alle genannten Maßnahmen muss das Zelt ordentlich aufgestellt und abgespannt sein. Nur so erzielt man die perfekte Wirkung und kann sicher gehen, dass man keine Stelle vergessen hat! Nach dem Imprägnieren muss das Zelt komplett austrocknen! Mit einem Föhn oder in einem beheizten Raum (bis max. 80°C) lässt sich die Trocknungszeit verkürzen und die frisch aufgetragene Imprägnierung aktivieren (vgl. Ratgeber: Imprägniermittel #1). Neben dem erhöhten Feuchtigkeitsschutz bieten einige Hersteller auch einen UV-Schutz in der Imprägnierung an. Das ist sehr sinnvoll!

Bodenimprägnierung

Neben den Nähten ist vielmals der Zeltboden ein größeres Manko. Kurz mal drauf gekniet oder mit der Hand drauf abgestützt und schon wird es von unten feucht. Abhilfe: Zum einen kann man den meist mit einer eh schon sehr hohen Wassersäule (ca. 10.000mm) versehenen Zeltboden genau so imprägnieren wie das Überzelt, oder die wesentlich bessere Alternative: eine entsprechende Zeltunterlage unterlegen! Somit spart man sich in jedem Fall Arbeit und noch mehr Chemie (selbst wasserbasierte Lösungen bestehen aus Chemie!).  

Loch im Zelt!?

Ist ein Loch im Zelt, kann selbst die beste Imprägnierung nichts mehr reparieren. Hier helfen nur noch Reparaturflicken. Diese kann man mit viel Druck und etwas Geduld relativ simpel auf das Überzelt kleben. Als Kleber eignet sich ebenfalls die Nahtversiegelungspaste, die auf beinahe jedem Zeltstoff problemlos hält.

Schlecht gelüftet oder undicht?

Oftmals wird vermeintlich behauptet, das Zelt sei undicht, da  sich über Nacht sehr viel Wasser auf der Zeltinnenseite sammelt. In mehr als 99 Prozent aller Fälle handelt es sich jedoch um Kondenswasser. Und das beweist gleichzeitig auch wieder wie dicht doch so ein Zelt ist! Um dem Kondenswasser vorzubeugen sollten die Belüftungsöffnungen dauerhaft geöffnet sein. Meist sind sie auch so angebracht, dass Regen- und Spritzwasser nicht hineinlaufen kann! Mit einer schlechten Imprägnierung hat der Kondenswasserstau jedoch nichts zu tun!

Welche Imprägniermittel es unseren Produkttestern in der Praxis angetan haben und welche Erfahrungen die Community damit gemacht hat, das könnt ihr direkt in den Produktbewertungen nachlesen.

Erzähle uns doch gleich mal von deinen Erfahrungen und bewerte deine Ausrüstung

Eine erste Auswahl an hochwertigen Imprägniermitteln findest du bei unseren Partnern Bergzeit, Globetrotter und Sport Scheck.

 

Bewertungen aus der Community

Ratgeber

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus