Imprägnieren #1

Von c.w.
Ratgeber: Imprägniermittel #1

Fast könnte man meinen „Wie man’s macht, macht man’s falsch!“ – Die Rede ist von der richtigen Imprägnierung für Bekleidung. Die Produktpalette ist schier so riesig wie die Möglichkeiten falsch oder aber auch doch richtig zu imprägnieren. Mit unserem „Ratgeber: Imprägniermittel Teil 1“ wollen wir euch alle möglichen Beispiele aufzeigen, wie ihr eure Outdoorausrüstung – im Speziellen Jacken, Hosen und Handschuhe – wasserabweisend* richtig imprägniert!

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon ein bestimmtes Imprägniermittel für deine Outdoorjacke oder -hose im Sinn, das du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um das perfekte Imprägniermittel. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

*Durch eine Imprägnierung wird der Oberstoff nur wasserabweisend gemacht. Er saugt sich nicht mit Wasser voll und verhindert so die unangenehmen Eigenschaften, des sogenannten „Wetting Out“ Effekts. Endgültig wasserdicht wird das Textil durch eine Membranbeschichtung.

Imprägniermittel aus der Dose

Die simpelste Art z.B. seine Outdoorjacke oder –hose zu imprägnieren, kommt aus der Spraydose. Ein Treibgas drückt es durch die Verteilerkappe und sprüht das Imprägniermittel mehr oder weniger fein, großflächig auf die Outdoorausrüstung. In nur wenigen Minuten kann man so ohne großen Aufwand eine ganze Outdoorjacke wasserabweisend(!) imprägnieren.

Vorteil: Spraydosen sind in ihrer Anwendung relativ einfach handzuhaben. Sie verteilen das Imprägniermittel dank des feinen Zerstäubers dünn und gleichmäßig auf dem Textil. Man erreicht alle Stellen relativ mühelos.

Nachteil: Treibgase sind schädlich für Mensch und Umwelt.

Alternative: Druckluft betriebene Spraydosen. Sie sind in zwei Kammern geteilt: eine mit Druckluft, die andere mit Imprägniermittel. Oder Pumpzerstäuber: sie arbeiten rein mechanisch und benötigen keine weiteren Gase.

Imprägnierung aus der Waschmaschine

Waschmaschine auf, saubere(!) Jacke und/oder Hose auf links drehen und hinein, Imprägniermittel in das Waschmittelfach einfüllen und los geht’s. Bei dieser Methode wird die Outdoorausrüstung quasi dreidimensional imprägniert.

Vorteil: Einfache Methode, um gleichzeitig bis zu drei verschiedene Outdoorjacken, -hosen oder –handschuhe zu imprägnieren. Besonders Daunenprodukte (Jacken, Schlafsäcke, etc.) lassen sich so angenehm leicht imprägnieren.

Nachteil: Durch die Wäsche wird auch die Innenseite imprägniert – das macht wenig Sinn, denn die Innenseite soll Feuchtigkeit aufnehmen können, um diese vom Körper weg zu transportieren. Durch die Imprägnierung ist dies nicht mehr möglich. Gleichzeitig geht durch das Waschen nicht das komplette Imprägniermittel in die Kleidung. Ein großer Teil verschwindet im Auslauf der Waschmaschine. Das Wasser muss dann wieder aufwendig chemisch gereinigt werden.

Alternative: Imprägniersprays aus der Dose oder ein Imprägnierschaum – beide sind in der Dosierung effektiver!

 

Imprägnierung gegen Wasser und Schmutz – was hilft wirklich?

Horcht man sich in der Outdoorbranche ein wenig um, so bekommt man als Antwort hinter vorgehaltener Hand meist dieselbe Antwort: C-8 PFC’s sind die effektivste „Waffe“ gegen Nässe und Verschmutzung. Doch diese langkettigen Poly- und Perfluorcarbone (PFC) sind höchst umweltschädlich und für Mensch und Tier toxisch. Daher rudern alle namhaften Outdoorhersteller bereits zurück und haben sukzessive die C-8 Erstimprägnierung ab Werk aus dem Programm genommen – oder werden dies in naher Zukunft machen! Der Nachfolger, das weniger bedenkliche C-6 PFC steht bereits in den Startlöchern. Der Unterschied: C-6 PFC’s sind (angeblich) weniger bioakkumulativ und sammeln sich daher weniger in der Natur und im menschlichen Körper an. Der sehr große Vorteil jedoch dieser PFC Imprägnierungen: sie sind extrem beständig und halten nicht nur Wasser, sondern auch Fette, Öle und Schmutz ab und sind auch noch sehr resistent gegen mehrere Waschgänge. Ganz klar Hersteller von Highend-Produkten werden auch nach wie vor auf C-6 PFC Lösungen zurückgreifen, um die perfekte Performance zu garantieren. Wer tatsächlich auf diese schwere Imprägnierung angewiesen ist (Hochtourengeher, Expeditionisten, Forscher, Outdoor-Arbeiter) wird auch weiterhin auf diese „gefährliche“ Nachimprägnierung setzen. Für alle anderen gibt es umweltfreundlichere Alternativen!

Eine sehr gute Alternative hinsichtlich Wasserabweisung und Atmungsaktivität sind Silikon-Imprägniermittel. Ihr dünner Silikonfilm lässt Wasser auf der Textiloberfläche fein abperlen und ist auch gegen mehrere Waschgänge einigermaßen resistent. Silikon -Imprägniermittel wird meistens in Spraydosen angeboten und ist so ein effektives wie auch effizientes Mittel zur Nachimprägnierung. Darüberhinaus ist Silikon ungiftig. Einzig das Treibmittel (meist CO2) ist nicht umweltneutral.

Ebenfalls bewährt sind Imprägniermittel mit Polyurethan (PU) Dendrimeren oder auch PU Emulsionen. Diese sind frei in Wasser gelöst, man spricht auch von einer Wasserbasis. Sie sind somit umwelttechnisch und gesundheitlich unbedenklich. Ihre Haltbarkeit ist ungefähr vergleichbar mit der von Silikon-Imprägniermittel. Allerdings gibt es unabhängige Tests, die belegen, dass sich wasserbasierte Imprägnierungen bereits mit dem Regen wieder auswaschen (können). Die Dosierung sollte daher von vornherein etwas höher sein als auf der Verpackung angegeben.

Eine Besonderheit unter den Imprägniermitteln stellen die Wachse dar. Sie können zum einen aus natürlichem Bienenwachs bestehen oder aus organischen Paraffinen. Imprägnierwachse sind ungiftig. Sie können auf allen Mischgeweben angewendet werden, die einen hohen Baumwollanteil haben. Vor allem die Baumwolle saugt die Paraffinmischung auf und wird so wasserabweisend. Im Auftragungsprozess wird das Wachs zunächst über das Textil gerubbelt und anschließend mit einem Föhn oder einem alten Bügeleisen (ähnlich wie beim Skierwachsen) eingebügelt. Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, wiederholt man diesen Prozess mehrere Male. Für membranunterstützte Funktionsbekleidung ist diese Imprägnierung allerdings eher suboptimal – vielmals scheitert sie vor allem an der richtigen Textilmischung. Ein Baumwollanteil muss enthalten sein!

Die modernste und wohl auch zukunftsträchtigste Imprägnierung ist die Nanoimprägnierung. Die feine Nanotechnologie erzeugt eine Nanostruktur, die fest mit den Fasern verbunden ist. Sie ist vergleichsweise besonders langlebig und resistent. Ähnlich des Lotusblüteneffekts weist die Nanoimprägnierung Wasser und Schmutz von der Oberfläche ab. Als Erstimprägnierung ab Werk ist diese Technologie ein echter Meilenstein. Bisher kommt sie jedoch erst noch sehr selten zum Einsatz. Herkömmliche Technologien auf PFC- oder PU-Basis sind derzeit die am weitesten verbreiteten Methoden.

Warum überhaupt imprägnieren?

Wer sich eine Regenjacke oder –hose kauft, geht davon aus, dass diese auch möglichst lange wasserdicht ist. Bei Bekleidung mit einer Membran stimmt dies auch uneingeschränkt. Wirklich? – Jein! Zwar hält eine Membran aus PTFE (Polytetrafluorethylen/Teflon®), PES (recyceltes Polyester) oder PU (Polyurethan) Wasser jederzeit ab, der Oberstoff jedoch kann sich mit Wasser vollsaugen. Dann fühlt sich die Kleidung – trotz Membran – nass, klamm, kalt und schwer an. Der sogenannte Effekt des „Wetting Out“ tritt auf. Man kühlt schnell aus und fühlt sich trotz Regenjacke nass, da die Feuchtigkeit von Innen nicht mehr durch die wassergetränkten Textilpartien nach außen transportiert werden kann. Eine Auffrischung der Imprägnierung verhindert das Vollsaugen des Oberstoffs mit Wasser. Die Kleindung fühlt sich wasserdicht an, man kühlt nicht aus und ist optimal vor Nässe geschützt draußen unterwegs!

So imprägniert man richtig!

Bevor das Kleidungsstück imprägniert werden kann, muss es gewaschen werden. ACHTUNG: unbedingt die Waschanleitung beachten! Auch Bekleidungsstücke mit Membran-Einsatz müssen regelmäßig gewaschen werden! Körperfette und-öle verkleben die Membranstruktur und müssen, um die optimale Performance zu erhalten, regelmäßig durch Waschen entfernt werden. Sprüht man die Imprägnierung auf die Kleidung auf, sollte diese noch leicht nass (mehr als nur feucht!) sein. So verteilt sich die Imprägnierung optimal im Gewebe. Um die Imprägnierung zu aktivieren, kommt das Textil in den Trockner. ACHTUNG: auch hier wieder unbedingt die Waschanleitung beachten – auf keinen Fall heißer als 40°C trocknen – höhere Temperaturen schädigen die Membran nachhaltig! Durch die Wärme werden die Imprägniermittel-Moleküle richtig ausgerichtet. Nur so ist ein perfekter Schutz gegen Wasser von außen möglich.

Je nach Imprägniermittel muss sie alle drei bis fünf Wäschen wiederholt werden. Spätestens jedoch dann wenn man merkt, dass der Abperleffekt sichtlich nachlässt, sich der Oberstoff durch Wasser dunkel verfärbt und sich mit Wasser vollsaugt.

TIPP: Auch wenn die Regenkleidung noch neu ist und noch nicht nachimprägniert werden musste, sollte sie nach jeder Wäsche unbedingt in den Trockner, um die Werksimprägnierung aufzufrischen und zu aktivieren! Mehr Infos hierzu bekommt ihr auch in unserem Artikel: „TOP 5 Pflege: Membran

Welche Imprägniermittel es unseren Produkttestern in der Praxis angetan haben und welche Erfahrungen die Community damit gemacht hat, das könnt ihr direkt in den Produktbewertungen nachlesen.

Erzähle uns doch gleich mal von deinen Erfahrungen und bewerte deine Ausrüstung

Eine erste Auswahl an hochwertigen Imprägniermitteln findest du bei unseren Partnern BergzeitGlobetrotter und Sport Scheck.

 


 

Bewertungen aus der Community

Ratgeber

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus