Handschuhe

Von c.w.
Ratgeber: Handschuhe

Keine Wintersportart ohne Handschuhe. Sie sind der Garant für warme und wohltemperierte Touren bei kalten Außentemperaturen. Immerhin laufen in unseren Händen 33 Muskeln und unzählige Nerven und Kapillare zusammen. Und diese wollen natürlich ordentlich gegen die Kälte geschützt sein. Welche Arten von Handschuhe bei welcher Aktivität überzeugen und wie man verschiedene moderne Materialien miteinander kombinieren kann, das verraten wir euch in unserem Ratgeber: Handschuhe.

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon ein bestimmtes Paar Handschuhe im Sinn, das du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um die perfekten Handschuhe. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

 

Baustelle Körper: wo die Wärme herkommt

Um zu verstehen, worauf es bei einem guten Handschuh – primär egal für welchen Einsatzzweck er gebraucht wird – ankommt, betrachten wir zunächst unseren Körper bzw. im Speziellen unsere Hände. Die Luft dient unserem Körper als Isolator vor der Kälte. Eine dünne Luftschicht umgibt jeden Quadratzentimeter unserer Haut und schützt uns so vor der Kälte. Feine Härchen dienen quasi als Luftspeicher und halten sie auch bei Wind fest. Je kälter und windiger es jedoch ist, umso schwieriger ist es für den Körper, diese warme isolierende Luftschicht am Körper zu halten. Das gilt für jede Körperregion gleichermaßen. Natürlich hilft unsere Kleidung diese Isolierschicht zu verstärken und die warme Luft am Körper zu halten.

Gleichzeitig erzeugen unsere Muskeln durch Bewegung Wärme, die durch das Blut wie in einem Pipeline-System im gesamten Körper verteilt wird. Um den Organismus Mensch am Leben zu halten werden natürlich zuerst die herznahen Organe versorgt. Arme und Beine bzw. Hände und Füße sind vom Herzen maximal weit entfernt und stehen daher nicht auf der primären Versorgungsliste. Erfrierungen treten daher meist zuerst an den Extremitäten der Hände und Füße auf – aus genau dem obengenannten Grund. Gute Handschuhe schützen vor Kälte, Nässe und Wind.

 

Das Zauberwort lautet: Luft

Wie eingangs schon erwähnt steht und fällt die Isolierung mit der uns umgebenden Luft. Dementsprechend sind großvolumige  Handschuhe mit einer groben, viel Luft speichernden Füllung wesentlich wärmer als Dünne Handschuhe ohne Isolierung. In Fäustlingen liegen vier Finger direkt nebeneinander. Um einen gewissen Komfort zu schaffen, ist der Handschuhinnenraum meist großzügig geschnitten. So bleibt viel Raum für Luft, die die Finger umgibt und sie so „wärmt“.

Prinzipiell arbeiten auch Fingerhandschuhe nach genau dieser Theorie, nur dass in den einzelnen Fingern wesentlich weniger Luft eingeschlossen ist und so die Isolationsleistung geringer ist als bei Fäustlingen.

 

Fäustlinge

Fäustlinge sind ideal bei großer Kälte. Durch ihr großes Volumen speichern sie viel Luft im Inneren und halten so die Hände warm. Als Isolationsmaterial auf der Außenseite sind alle Spielarten möglich: Kunstdaune/Kunstfaser, Daune, Merino- oder Wollfleece, etc.. Alle diese Isolationsmaterialien speichern viel Luft und schützen so gegen das Auskühlen. Auf der Handinnenfläche beträgt die Isolierung nur noch einen Bruchteil dessen, was sie auf dem Handrücken ausmacht. Wenn man bedenkt, dass man auch mit Fäustlingen noch ordentlich greifen muss, macht dies auch Sinn. Zudem sind die Handinnenflächen oftmals mit einem (Kunst-)Leder verstärkt. Das macht den Handschuh widerstandsfähiger und verleiht ihm zusätzlichen Grip z.B. am Skistock oder beim Halten von Zeltstangen, etc..

 

Fingerhandschuhe

Fingerhandschuhe eignen sich perfekt für „feine“ Bewegungen sowie kleine, sensomotorische Arbeiten. Jeder Finger kann einzeln bewegt werden und ist unabhängig von den anderen. Für Wintersportler kommen daher in der Regel immer nur Fingerhandschuhe in Frage. Sie können jedoch auf Grund der einzelnen, separaten Finger nicht so dicht isoliert werden wie Fäustlinge. Als Hauptisoliermaterial kommen vor allem Kunstfaserwattierungen zum Einsatz. Aber auch moderne Vliese aus Wolle und Merinowolle  sind immer mehr auf dem Vormarsch. Genau wie Fäustlinge sind auch Fingerhandschuhe auf der Handinnenseite weniger stark isoliert wie auf dem Handrücken. Somit erzielt man einen wesentlich besseren Grip als mit dicken, klobigen Handschuhen.

 

Die Qual der Wahl: das Material

1.Außenmaterial (Kunstfaser):

Viele moderne Handschuhe sind in der Regel aus einer Kunststoffhülle genäht. Dabei kommen vor allem das besonders strapazierfähige Polyamid und das schnell trocknende Polyester zum Einsatz. Sowohl Polyester wie auch Polyamid sind sehr pflegeleicht. Gleichzeitig überzeugen ihre positiven Eigenschaften (Reißfestigkeit und Hydrophobie) im Praxiseinsatz. Weitere Einsätze aus Cordura, Gummi oder Kunstleder verstärken zumeist die häufig beanspruchten Handinnenflächen und machen so den Handschuh stabiler und damit langlebiger. Ist der Handschuh nur sehr dünn weisen die dünne Stoffe aus Polyamid/Polyester auch Wind sehr gut ab.

 

2.Außenmaterial (Leder):

Lederhandschuhe kommen zumeist als Fingerhandschuhe. Das strapazierfähige und dennoch sehr geschmeidige Ziegenleder ist die erste Wahl für Outdoorsporthandschuhe. Leder ist sehr robust. Gleichzeitig ist es winddicht. Bei sehr guter Pflege sind Lederhandschuhe komplett wasserdicht und dennoch atmungsaktiv. Lederverstärkungen auf der Innenhand – auch an Handschuhen mit Kunstfaserhülle – sorgen für einen sehr guten Grip, ein angenehmes Tragegefühl und extrem hohe Strapazierfähigkeit. Leder ist gegenüber Kunststoffen beinahe unkaputtbar auch unter harten Einsätzen im Fels und Eis.

 

3.Innenmaterial

Es gibt beinahe kein Innenfutter, das es nicht gibt:

  • Kunstfaser: meist Polyester, transportiert Feuchtigkeit schnell nach außen ab und hält so die Hand trocken und warm.
  • Leder: meist sind diese Handschuhe nicht gefüttert, so dass die Innenseite des Lederhandschuhs gleichzeitig auch das Innenfutter ist. Ist es gut verarbeitet, hat man ein sehr gutes Tragegefühl mit einer ausgezeichneten Klimaregulierung.
  • Fleece: besteht in der Regel aus Polyester. Der hohe Lufteinschluss und die gute Feuchtigkeitsregulierung sorgen für eine angenehme, weiche Wärme.
  • (Merino-)Wolle: ähnlich wie Fleece wärmt (Merino-)Wolle auf eine ganz natürliche Art und Weise. Selbst in feuchtem Zustand liegt die Wärmeleistung noch bei rund 95 Prozent.

 

 

4.Fütterung/Isolierung

Hier kann man je nach Einsatzzweck die meisten Fehler machen:

  • Kunstfaser/Kunstdaune: Die feinen Fasern und Ästchen der Kunstfaser-/-daunefüllung speichert viel Luft und ist so ein sehr guter Isolator. Selbst in nassem Zustand „verkleben“ die Fasern nicht, sondern behalten beinahe ihren kompletten Loft bei, d.h. die Wärmeleistung bleibt immer noch hoch.
  • Fleece: Das Polyestergeflecht ist ein angenehm weicher Wärmespeicher, ist jedoch in der Regel nicht winddicht. Bei Wind oder rasanter Geschwindigkeit ist ein zusätzlicher Windstopper notwendig.
  • Daune: Mit Daune gefütterte Handschuhe eignen sich gut für extrem kalte aber gleichzeitig sehr trockene Kälte. Ist die Daune einmal nass sinkt ihr Wärmepotential rapide.
  • (Merino-)Wolle: Eine tolle Eigenschaft der (Merino-)Wolle ist die hohe Wärmekapazität bei gleichzeitig schnellem und effizientem Feuchtigkeitstransport. Zudem ist (Merino-)Wolle antibakteriell und beugt so Gerüchen und Keimen vor.
  • Wattierung: Hier kommt meist Zellstoff (vgl. Taschentücher) zum Einsatz. Das feine Material hat eine ordentliche Wärmeleistung ist jedoch nicht sonderlich Resistent gegen Nässe und verliert hier schnell an Isolierkraft.

 

5.Membranen

Membranen werden in Handschuhen primär zum Schutz vor Nässe eingesetzt. Die hauchdünne Membran ist unter dem Außenmaterial so verarbeitet, dass eindringendes Wasser nicht bis an die Finger/Handflächen gelangen kann und diese durch die Verdunstungskälte auskühlt. Gleichzeitig sind die Membranen auch winddicht und verringern so den Chillfaktor. Wer viel im Schnee und Eis mit den Händen unterwegs ist (z.B. Freerider, Eiskletterer, Rodler, etc.), kommt an einer ordentlichen Membran nicht vorbei.

Besonderheit: Softshellhandschuhe sind oft nicht genügend winddicht und haben daher zusätzlich eine Windstoppermembran eingearbeitet. Sie ist im Gegensatz zu anderen Membranen nicht wasserdicht, dafür hochatmungsaktiv und winddicht.

 

 

Gut verriegelt: das Bündchen

Damit man keinen Schnee von oben in den Handschuh bekommt, sollte das Bündchen möglichst dicht abschließen. Zum einen erzielt man dies durch elastische, eng anliegende Bündchen, zu am anderen durch verstellbare Stulpen mit Gummi- oder Kordelzug. Beide funktionieren auf ihre Weise gut und lassen dem Handschuhträger die Wahl ob man den Handschuh lieber unter oder über der Jacke trägt.  

 

Kluge Idee: Touchscreenkompatibilität

Ohne Smartphone oder gar Tablet ist heute niemand mehr draußen unterwegs. Daher ist es richtig und wichtig, dass unsere kleinen elektronischen Helferlein auch mit Handschuhen bedienbar sind. Meist sind Daumen und Zeigefinger mit einer speziellen Kunstledermischung versehen, die die elektrische Leitfähigkeit der Haut simulieren. So kann man auch ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen ein Gipfel-Selfie schießen.

Du brauchst neue Handschuhe und noch ein paar weitere Meinungen darüber, dann informier dich auf unserer Bewertungsplattform direkt über die Praxiserfahrungen unserer Community und der Produktscouts: outside-stories.de.

Die beste Auswahl für Handschuhe bekommst du natürlich auch gleich von uns geliefert:

 

Hat dir unser Post gefallen? Dann gib uns dein Like auf Facebook:

images (3)

Titelbild: Hestra | Kent Malm

Bilder:  Reusch, Maloja, Hestra, Roeckl Sports 

Bewertungen aus der Community

Ratgeber

Hat dir unser Post gefallen? Hier gibt's mehr von OUTSIDEstories:

Facebook Instagram Google Plus