Bergfotografie #2

Von c.w.
Günter Zörer, outdoor-fotografie, fotografie, Bergtouren, Bergfotografie, Entschleunigung

Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Technik

Durch Handy- und Digitalfotografie ist es heute ein Kinderspiel schnell gute Bilder zu zaubern. Betrachtet man dann jedoch zu Hause die eigenen Aufnahmen, stellt man leider oft fest, dass die bewusst erinnerte Wirklichkeit oft nicht mit den Bildern der Kamera übereinstimmt. Warum ist das so? Wie kann man sichergehen auch selbst bald wie ein Profi Bergbilder zu schießen? – Dr. Günter Zöhrer, Doktor der Philosophie und seit über 30 Jahren Fotograf, gibt eine umfangreiche Einführung in die Welt der Fotografie. Und wie sich schon gleich im ersten Teil zeigen wird, nicht immer macht die teuerste Ausrüstung auch gleich die besten Bilder!

In insgesamt fünf Teilen stellt euch Dr. Günter Zöhrer seine Welt und seine Philosophie der (Berg-)Fotografie vor. Wer selbst einmal in den Genuss eines Fotoseminars kommen möchte kann sich direkt mit „Foto Doc Günter“ in Verbindung setzen. Alle Infos hierzu erhaltet ihr am Ende dieses Blogposts. 

TEIL 2: Fotoequipment in den Bergen 

Im ersten Teil dieser Serie, „Fotografie und Berge – Was wichtig ist“, habe ich Euch ein paar Dinge über die Fotografie in den Bergen erzählt. Da ging es nicht ums Equipment, sondern um Euch selbst und wie Ihr die Wahrnehmung auf die Berge und Euren Köper lenken könnt. Hier, im zweiten Teil der Serie „Bergfotografie“ geht es ans Fotoequipment, dass, wie ihr sicherlich alle wisst, aus einer unglaublichen Auswahl an unterschiedlichen Erzeugern und Produkten besteht. Ich werde Euch keine Namen nennen, denn darum geht es hier nicht. Welche Kamera für die Bergfotografie ausreicht und welche Kamera ihr selbst gerne haben wollt unterscheidet sich meist. Und das nicht nur in der Vorstellung, sondern auch im Preis. Die heutige Technik leistet schon schier unglaubliches. Wenn man bedenkt, dass bereits Handys Sensoren mit einer Auflösung um die 20 Megapixel besitzen wirft dies Fragen auf, wohin die Technik der Fotografie noch steuern wird. Aber nun zu den unterschiedlichen Equipments. Fangen wir zuerst mit den kleinen Dingen an, Menschen, die zwar gerne fotografieren, das Foto aber mehr eine Dokumentation der Tour als der Wunsch ein professionelles Bild zu machen, sehen. 

Handyfotografie

Jene, die Fotografie hauptsächlich zur Dokumentation ihrer Bergtouren verwenden und kaum Anspruch auf besondere Bildqualität, Bildgestaltung oder eine Weiterverwendung im Bereich Print legen, empfiehlt sich eine ganz einfache Fotoausrüstung. Das kann schon auch mal das Handy sein. Auch deshalb, weil viele es sich zur Angewohnheit gemacht haben, via Social-Media immer up-to-date zu sein, was sich auch dadurch widerspiegelt, dass die Fotos - wenn es in den Bergen Empfang gibt - auch gleich gepostet werden. Ich möchte hier das Wort „Knipser“ bewusst ausschließen, denn wie gesagt, Fotografie nur als Dokumentation und ohne gestalterischen Anspruch, ist auch eine Art der Fotografie. Und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Dieser Fotografen-Typ, den ich hier einfach mal den „Dokumentator“ nenne, besitzt durch die geringen Ansprüche den Vorteil, dass das Gewicht für Bergtouren auf ein Minimum ausgerichtet ist. Die Bauweise dieser Kameras ist äußerst kompakt und der Aufwand zur Fotografie ist sehr gering. Außerdem bezieht sich die Fotografie in den Bergen, in diesem Fall meist nur auf das Tageslicht bzw. die Zeit während der geplanten Tour in den Bergen. Eine bewusste Suche nach einer Fotolocation ist nicht gewollt. Vorgeschlagene Kameras sind also Handys und leichte Kompaktkameras. Ein Zusatzequipment ist nicht nötig. 

Digicams

Für Fotografen, die ein bisschen mehr wollen als nur mit dem Handy zu fotografieren ist ebenfalls eine Kompaktkamera von Vorteil. Es gibt ja ganz unterschiedliche Kameras in diesem Segment, wobei hier mehr auf einen größeren Zoombereich oder eine höhere Auflösung geachtet wird. Manch einer greift auch bereits zu einer Bridge-Kamera. Es sind meist Personen, die einerseits wenig große Ansprüche an die eigene Fotografie hegen, andererseits jedoch ein bisschen den Wunsch verspüren, mal mehr zu probieren, ein bisschen kreativ zu werden. Näher ran an das Motiv, den Blickpunkt verändern oder eben auch mal versuchen bewusst ein besonders schönes Foto von dem gerade erlebten zu machen. Und das in der kurzen Zeit, die für die Bergtour zur Verfügung steht. Zwar wird bei diesem Fotografen-Typ die Speicherkarte nur selten geleert, jedoch landen die Bilder dann doch irgendwann auf dem Computer und hie und da wird auch versucht das eine oder andere Bild mittels einer Bildbearbeitungs-Freeware zu bearbeiten. Der Wunsch nach kreativem Gestalten wird vor allem dadurch ausgedrückt, dass in bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Bergtouren mit wunderbarem Wetter, sehr viel Fotografiert wird, also dementsprechend „probiert“ wird, was so alles mit einer kleinen Kamera möglich ist. Ich nenne diesen Fotografen Typ den „Proband“. Das hier angegebene Equipment ist ebenfalls auf geringes Gewicht ausgelegt, wobei eine Bridge-Kamera wesentlich größer ist als eine Kompaktkamera. Beide Kameratypen besitzen meist eine Vielzahl an Motivprogrammen und Voreinstellungen. Meist wird aber im Automatikmodus fotografiert. Auch hier ist ein Zusatzequipment nicht nötig. 

Digitale Spiegelreflex (DSLR) Kameras

Nun gibt es Menschen, die schon mehr von dem Gefühl „draußen zu sein und auch zu bleiben“ kennengelernt haben, die sich ab und zu bewusst auf den Weg machen um zu fotografieren, weil der Wunsch besteht, mehr von der Landschaft sehen aber auch von der Fotografie lernen zu wollen und natürlich auch das eine oder andere schöne Foto zu machen. Auch um davon eventuell einen Ausdruck zu machen und das Bild zu Hause aufzuhängen. Dies wären für mich die „Foto-Amateure“, ein Fotografen Typ, der mehr will als nur Probieren. Das Equipment eines solchen Fotografen liegt zwischen einer Bridge-Kamera, einer spiegellosen Systemkamera bis hin zu einer digitalen Spiegelreflexkamera (APS-C Format) des unteren Segments. Vor allem der Preis spielt hier eine Rolle. Meist gibt es Set-Angebote, die einen Kamerabody plus zwei Objektive anbieten. Bei diesem Fotografen-Typ splitten sich bereits die Interessen in der Bergfotografie auf. Die einen legen Wert auf größtmöglichen Zoombereich und einer hervorragenden Nahgrenze für Nahaufnahmen (Bridge-kameras), die anderen gehen in Richtung bessere Qualität durch die Verwendung von größeren Sensoren (1 Zoll bis APS-C). Der hier dargestellte Kameratypus besitzt bereits ein höheres Gewicht als die zuvor erwähnten Kameras. Zudem besitzen System- und DLSR Kameras die Möglichkeit eines Objektivwechsels, was sich in manchen Fällen so ausdrückt, dass ein Standartzoom mit etwas Weitwinkel und ein Telezoom im Rucksack sind. Die heutige Technik erlaubt bereits mit diesen Kameras eine beeindruckende Bildqualität, die unabhängig vom Kamerahersteller gewährleistet wird. Meist erlauben diese Kameras bereits die Aufnahme eines RAW Formates (Rohdatenformates) und neben den vielen Motivprogrammen auch individuell einstellbare Kameraparameter. Vorwiegend wird hier noch im jpg Format fotografiert, aber manch einer erlaubt sich die Aufnahme von RAW Files, die er dann zu Hause auf einer Fotosoftware entwickelt. Der eine oder andere besitzt auch ein einfaches Fotozubehör wie Stativ und Fernauslöser. 

Bergglühen bei Sonnenuntergang am Triglav, Julische Alpen, Slowenien

Leidenschaft: Fotografie

Mit dem allgemein bekannten Wort „Semiprofi“ möchte ich den vorletzten Fotografen Typ bezeichnen. Jene Fotografen, die schon zu analogen Zeiten intensiv fotografierten und die im Laufe der Zeit eine große Liebe zur Fotografie entwickelt haben. Die Fotografie bezog sich nicht alleine auf die Berg- oder Landschaftsfotografie, auch auf Reisen sowie bei diversen familiären Anlässen waren sie die Fotografen, die alles mit besonderen Aufnahmen ins rechte Licht rückten und sich dadurch auch ein bisschen einen Namen im Familien- und Bekanntenkreis machen konnten. Die Digitalisierung der Fototechnik gab ihnen neuen Aufschwung und so kam es, dass viele neue Möglichkeiten entdeckt wurden beziehungsweise zu entdecken sind. Semiprofis sind oft sehr Technik orientiert. Sie besitzen eine sehr gute Kameraausrüstung mit vielen Objektiven. Vorzugsweise DSLR im APS-C Bereich beziehungsweise qualitativ hochwertige Spiegellose Systemkameras. Auch hier bestimmt noch der Preis, denn der liegt ganz klar unter einer professionellen Ausrüstung. Semiprofis besitzen ein beachtliches Zubehör wie Stativ mit Kugelkopf, Fernauslöser, den einen oder anderen Filter, ein Mikrofon für Filmaufnahmen und natürlich unterschiedliche Objektive, welche aber meist auch aus dem Semiprofibereich stammen, also Objektive unter 1000 Euro. Das lässt auch den Rückschluss zu, dass das Fotoequipment dementsprechend schwer ist und erhöhten Platzbedarf fordert. Allerdings, die Bildqualität ist bereits sehr beeindruckend und das Wissen um die Anwendung der Technik verbessert noch die Qualität. Und das nicht nur bei der Belichtung, sondern auch im Nachhinein bei der Bildbearbeitung. Nachhaltige Erfahrungen in der Langzeitbelichtung, der Panoramafotografie beziehungsweise der Nachtfotografie ermutigen den Fotografen zu immer höheren Leistungen. Berge bieten so viele unzählige Motive, von der Macrofotografie bis hin zum Alpenglühen, von klaren Bergseen bis zu Tieren. Bei diesem Fotografen Typ wird bereits im Vorfeld geplant und während des Fotografierens auch ordentlich Zeit gelassen. Meine Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass es den Semiprofis durch die Affinität zur Technik noch ein bisschen an Empathie zur Natur fehlt. Also sich quasi in die Natur einzufühlen und sich selbst dabei mit einzubinden. Gelingt einem dies, dann entstehen wahrlich traumhafte Fotos, die aber im Nachhinein meist dazu dienen, den technischen Aspekt in den Fotos hervorzuheben und dadurch zu verstärken. Technisch sind diese Fotografen auf einem sehr hohen Level. Jener Fotograf, der sich aber der Natur hingeben kann, kann dieses Leven um den emotionalen Bereich erweitern und sich dadurch fotografisch weiterentwickeln. 

Profi-Equipment

Zu guter Letzt gibt es noch den meist hauptberuflich arbeitenden Fotografen, der allgemein als „Profi“ bekannt ist. Profi zu sein heißt allerdings nicht immer die besten Fotos zu machen. Meist ist ein Profi gezwungen zu fotografieren, was die Kreativität stark einschränkt, weil immer ein permanenter finanzieller Druck auf den Schultern lastet. Jenen Fotografen, die finanziell unabhängig sind, gelingen besondere Foto viel leichter und natürlich auch öfter, da sie fast immer unterwegs sind. Und hier spielt vor allem der Aspekt des „in sich selbst Schauens“ eine wesentliche Rolle, denn nur der Fotograf, der mit sich im Gleichgewicht ist und eigene Ängste kontrollieren kann, ist bereit auf die Natur der Berge offen und ohne Bewertung zu reagieren und dadurch besondere Fotos zu machen. Ein Profifotograf ist also auch ein Künstler des Lebens beziehungsweise kann dadurch als Vorbild für atemberaubende Bergfotografie dienen. Als Bergfotograf im Profisegment zu arbeiten bedeutet nicht nur Aufträge zu lukrieren, sondern auch in eine Profi-Ausrüstung zu investieren. Ob dies durch einen Kauf oder Leasing zustande kommt sei mal dahingestellt. Tatsache ist, dass der Preis einer solchen Ausrüstung locker jenen eines Neuwagens erreicht und nach oben hin offen ist. Vorzugsweise fotografieren solche Fotografen mit mehreren Kamerabodys wobei der Focus hauptsächlich auf Vollformatkameras und in manchen Fällen auch Mittelformatkameras liegt. Eine Mittelformatkamera kostet gleich mal 20.000 Euro und mehr und da ist noch nicht mal ein Objektiv dabei. Will man mit den Fotos Geld verdienen ist die Qualität der Bilder ein wichtiger Baustein. Hochqualitative Drucke in Überformaten von mehreren Metern erfordern eine dementsprechende Auflösung und natürlich auch die Einschränkung von Bildfehlern wie zum Beispiel der chromatischen Aberration, oder der Objektivverzerrung. Kurz gesagt, die Ausrüstung ist teuer und schwer und erfordert einiges an Rückenmuskulatur, wenn man diese auf einen Gipfel schleppen will. Der Lohn dafür sind einzigartige Aufnahmen, die durch die Verknüpfung von persönlicher Erfahrung und technischen Wissen entstanden sind. Wissen das auch in der Bildbearbeitung angewandt wird. Dadurch besitzen die Fotos so viel Emotion, berühren den Betrachter und erzählen ihm eine Geschichte, eben jene, die der Fotograf selbst erlebt hat. 


Fotografie als Entschleunigung! In den Fotoseminaren von „Die Kraft des Sehens“ steht der Mensch im Mittelpunkt. Fotografie wird in meditativer Form dazu benutzt, die Schönheit der Natur und sich selbst darin wahrzunehmen. Anhand der von Dr. Günter Zöhrer entwickelten 4 Fotozeiten – Gehzeit | Ruhezeit | Kreativzeit | Emotionszeit – soll die Natur gewürdigt und eine spürbare Gegenwärtigkeit erzeugt werden. Die 4 Fotozeiten beruhen auf den menschlichen Grundfunktionen Bewegen – Ruhen – Erschaffen und Fühlen. Bewusste Wahrnehmung im Außen und respektvolle Achtsamkeit im Inneren führen uns zum einzigen Punkt in dem wir alle Leben. Dem Jetzt. Und nur das Jetzt kann auch Fotografiert werden. Es gibt keinen Druck ein besonderes Foto machen zu müssen, was zählt ist das Erlebnis in der wunderbaren Natur der Berge. Ob schönes oder schlechtes Wetter, das Foto darf entstehen und kommt erst am Ende des kreativen Prozesses. 


 

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Titelbild & Bilder im Text: Dr. Günter Zöhrer

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