Bandschlingen und Reepschnüre

Von FGunti
Ratgeber: Bandschlingen und Reepschnüre

Ob Schnürsenkel oder SM-Tool: Bandschlingen und Reepschnüre gehören zu unserer Welt wie das Bier zum Oktoberfest. Doch nicht nur für Alltagsaufgaben, vor allem zum Klettern kann man Bandschlinge & Co. gebrauchen. Damit ihr euch beim Kauf nicht in den Seilen verheddert, hilft euch unser Ratgeber: Bandschlingen & Reepschnüre.

Dank unserer Kaufberatung hängst du nicht in den Seilen: Wir liefern dir alle wichtigen Tipps und Infos rund um Bandschlingen und Reepschnüre. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich. Und falls du noch mehr Infos zu Kletterausrüstung suchst - hol die unseren Gratis-Ausrüstungsratgeber #2 zum Download - mehr dazu am Ende dieses Posts.

 

Überleben im Seilsalat

Neben dem Kletterseil gibt es zwei weitere Seiltypen, die man als Kletterer braucht: Reepschnüre und Bandschlingen. Erstere sind aufgebaut wie ein Kletterseil, also ein mehrlitziger Kern mit Mantel, sind jedoch ein gutes Stück dünner. Bandschlingen hingegen sind mehr flach als rund und in der Regel bereits zu einem Ring vernäht. Welche Art man für was braucht, erfahrt ihr hier:

 

Reepschnüre…

Perfekt für Trad-Routen: Reepschnüre

… gibt es in den Klettershops meist als Meterware zu kaufen – in verschiedenen Stärken und Farben. Bei der Farbwahl kann man seinem Gusto freien Lauf lassen, für die Wahl der richtigen Länge und Dicke gibt es (mehr oder weniger) klare Vorgaben.

 

Material der Wahl

Zwei wichtige Materialien haben sich durchgesetzt. Sie haben verschiedene Vor- und Nachteile, aus denen sich Anwendungsgebiete ergeben:

Nylon/Perlon (Polyamid): Der Standard seit vielen Jahrzehnten. Reepschnüre aus diesen Materialen sind relativ günstig, lassen sich leicht Knoten und sind weit verbreitet. Dafür ist das Gewicht-/Bruchlast-Verhältnis schlechter als zum Beispiel bei Aramid, das bedeutet: Um auf die gleiche Bruchlast zu kommen, müssen Reepschnüre aus Nylon/Perlon dicker (und schwerer) sein.

Aramid (auch bekannt als Kevlar): Der Kern ist aus Kevlar, dadurch besitzt die Schnur eine sehr hohe Schnittfestigkeit (wichtig bei Kanten) und ist zudem recht steif (super beim Fädeln durch Sanduhren, schlechter beim Knoten). Zudem halten die Schlingen länger. Die schlechtere UV-Beständigkeit von Aramid gegenüber Nylon wird dadurch kompensiert, dass der Mantel meist aus Nylon besteht. Nachteil: Solche Reepschnüre sind relativ teuer.

 

Dick ist besser: Durchmesser von Reepschnüren

Wie so oft im Kletterbereich spielen auch bei Reepschnüren die Haltekräfte, ausgedrückt in kN (Kilonewton), eine entscheidende Rolle. Die allgemeine Formel dafür lautet: Durchmesser in Millimeter zum Quadrat * 0,2. Daraus ergibt sich bei 5 Quadratmillimetern eine Bruchlast von etwa 5 kN. Setzt man die Reepschnur zum Klettern ein, sind 5 Millimeter auch die Mindestanforderung. Alles, was darunter liegt, sollte nur dem Materialtransport dienen. Allerdings reduzieren Knoten, Alter und Abnutzung die Festigkeit einer Reepschnur, deshalb sind 5 Millimeter nicht immer genug. Hier eine grobe Übersicht nach dem Verwendungszweck:

1-4 Millimeter: Materialtransport, Schnürsenkel oder Zeltleine

5-6 Millimeter: Zwischen- oder Zusatzsicherung: Prusikschlinge, Sanduhr, behelfsmäßige Bergrettung (Flaschenzug)

8 Millimeter: Standplatz, zum Beispiel Standplatzkrake

Diese Werte gelten für Polyamidschnüre. Material aus Kevlar weist bei geringeren Durchmessern oft eine höhere Bruchlast auf. Darüber gibt der Hersteller Auskunft.

 

Auf die Länge kommt es (doch) an – Länge und Anzahl der Schnüre nach Verwendung

Auch bei der Länge sollte man variieren: Jeder Kletterer, der draußen unterwegs ist, sollte eine etwa 0,5 Meter lange Prusikschlinge dabei haben, für Gletscher (Spaltenrettung) dürfen es zudem noch 2 etwa vier Meter lange Schnüre sein. In Alpinrouten entscheidet sich die Anzahl und Länge nach der Route. Generell sollte man aber mehrere 2 Meter lange Reepschnüre dabei haben (zum Beispiel für den ungeplanten Rückzug oder falls man den Standplatz erweitern muss).

 

Reepschnüre - zwei Tipps

  1. Blumen und Schnüre selbst schneiden: Zwar gibt es Reepschnüre bereits in vorkonfektionierten Längen, günstiger ist es in der Regel aber, zum Kletterladen zu gehen und sich die Längen individuell abschneiden zu lassen.
  2. Knoten: Polyamid-Schnüre dürfen mit einem einfachen Sackstich verknotet werden. Wichtig ist allerdings, noch beide Seilenden etwa 5 Zentimeter überstehen zu lassen. So kann sich der Knoten noch gefahrlos festziehen.

 

Bandschlingen…

… sind vernähte (oder rundgenähte) Schlingen aus flachem Bandmaterial. Anders als bei Reepschnüren, kann man Bandschlingen in der Regel nur fertig vernäht kaufen – Meterware findet sich nur noch selten.

 

Materialien

Die Vor- und Nachteile von Polyamid und Kevlar wurden bereits genannt. Sie gelten auch für Bandschlingen – wobei Kevlarschlingen eher rund als flach sind. Reine Polyamidschlingen gibt es heute nur mehr selten, der Standard sind im Moment Bandschlingen aus Dyneema:

Das Material weißt bei gleicher Bruchlast ein niedrigeres Gewicht und eine geringere Dicke auf. In Zahlen: Sie sind etwa 15 Prozent leichter und weisen dafür eine vier Mal höhere Bruchlast auf (vgl. bergundsteigen 02/2008). Dafür sind sie etwas teurer als Modelle aus Polyamid. Einer der größten Nachteile von Dyneema-Schlingen: Sie sind so glatt, dass Knoten ab einer gewissen Belastung beginnen zu rutschen. Deshalb werden sie nur selten geknotet: Zum Beispiel mit einem weichen Bulin-Auge als Standplatzschlinge.

 

Bandschlingen aus Dyneema haben bei geringerer Breite eine höhere Bruchlast als Bandschlingen aus Polyamid..

 

Länge mal Breite:

Bei Dyneema-Schnüren werden Breiten von etwa 10 Millimetern am häufigsten eingesetzt: Sie bieten die beste Mischung aus Bruchlast und Gewicht/Größe.

Bandschlingen gibt es in der Regel in den Längen: 30, 60, 120 und 240 Zentimeter, sowie etwas seltener auch darüber. Je nach Länge eignen sie sich für verschiedene Einsätze:

  1. 30 (und dünner als 10 mm): Totmannsicherung, Kreuzklemmknoten
  2. 60 ( und dünner als 10 mm): Alpinexpress-Set, Selbstsicherungsschlinge, Sanduhr
  3. 120: Standplatzschlinge, Sanduhr; universellste Länge
  4. 240 und 360: Spaltenbergung Gletscher, Standplatzkrake

 

Sonderformen:

Sowohl bei Bandschlingen als auch bei Reepschnüren gibt es sehr viele verschiedene Sonderformen: Hyperstatische Reepschnüre für die Spaltenbergung und zum Abseilen, Schlingen mit diversen Materialmischungen, besondere Standplatz- und Selbstsicherungsschlingen, usw. Für normale Anwender ist vielleicht die sogenannte Daisy-Chain noch am wichtigsten: Sie kann – je nach Ausführung – zum Beispiel als Selbstsicherungs-, Trittschlinge oder Materialdepot benutzt werden und ist damit sehr variabel.

 

Wie viele Schlingen braucht der Mensch mindestens?

  1. Hallenkletterer: keine
  2. Sportkletterer: 60cm Selbstsicherungsschlinge
  3. Alpinkletterer in Plaisir-Routen: 2x 120cm Standplatzschlinge, 60 cm Aramidschlinge für Sanduhren

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Titelbild: Christian Bickel

Bilder: 1) Christian Bickel; 2) C.A.M.P./Cassin

 

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