Klettern für Anfänger: Die wichtigste Ausrüstung im Check

Von Philip
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Klettern ist auf dem Vormarsch!  Man muss sich nur mal die deutschlandweite Entwicklung der Klettergebiete (draußen wie drinnen) oder die Regale im Sportfachhandel ansehen, um zu erkennen, dass sich der Sport vom Nischensport für Spezialisten immer mehr zum Breitensport wandelt.  Dass Klettern natürlich nicht gleich Klettern ist, ist klar. Das wissen meistens sogar diejenigen, die mit dem Sport nichts am Hut haben. Vom Technischen Klettern bis zum Free Solo lässt sich eine ganze Reihe verschiedener Strömungen und Disziplinen unterscheiden. Wenn wir im Folgenden vom Klettern sprechen, meinen wir das Free Climbing bzw. Sportklettern, d.h. freies Klettern im Fels oder in der Halle, bei dem das Seil und andere Hilfsmittel maximal der Absicherung dienen, nicht aber dem Vorankommen.     

Damit euch die ersten Schritte im Fels so mühelos wie möglich gelingen, wollen wir sie gemeinsam mit euch absolvieren. Zusammen mit den Kletterexperten von CAMP schauen wir uns an, worauf es wirklich ankommt. Welche Ausrüstung ist essentiell? Welche Basics sind zu beachten?​

Worauf kommt es bei der Kletterausrüstung wirklich an? Kletterexperte Christian Bickel vom italienischen Hersteller CAMP kennt sich aus.

Basics

Basic #1

Von guter und zuverlässiger Kletterausrüstung kann im Ernstfall euer Leben abhängen. So eignen sich nicht jedes Seil aus dem Baumarkt oder jeder Karabiner von der Supermarktkasse auch zum Klettern. Achtet bei der Anschaffung eurer Ausrüstung auf Qualität. Internationale Standards und Prüfsiegel sind ein gutes Hilfsmittel bei der Auswahl.

Basic #2

Jede noch so gute Kletterausrüstung hat irgendwann ihren Zenit überschritten. Das gilt nicht nur für Sachen, die täglich zum Einsatz kommen. Auch Equipment, das fast nie zum Einsatz kommt, hat ein Ablaufdatum und muss irgendwann aussortiert werden.

Basic #3

Jede noch so gute Kletterausrüstung ist nur so gut wie der Kletterer, der sie benutzt. Klettern ist kein ungefährlicher Sport und der richtige Umgang mit der Ausrüstung will gelernt sein – gerade die Benutzung der Sicherungsgeräte verlangt nach Aufmerksamkeit und Konzentration. Eine professionelle Einsweisung in Form eines Kletterkurses ist sicher keine schlechte Idee. Das gilt übrigens auch für euren Kletterpartner.

Das Absichern des Partners erfordert höchste Konzentration. Die Bremshand darf das Seil nie verlassen.

Kletterhelme 

Der wichtigste Körperteil muss auch beim Klettern gut geschützt sein. Sich einen Helm auf den Kopf zu setzen ist deshalb unerlässlich – sei es zum Schutz vor Steinschlag oder dem Aufprall eines Kletterers an der Wand. Generell kann dabei zwischen Hartschalenhelmen und Inmould-Helmen unterschieden werden. Hartschalenhelme bestehen aus einer dicken Hülle Polycarbonat, sind robuste und meist recht günstige Helme, die sich ideal für Einsteiger eignen. In der Regel sind sie nur an der Oberseite gepolstert, nicht aber seitlich. Inmould-Helme bieten auch seitlich guten Schutz. Die Helme aus expandiertem Polystyrol sind zudem leichter, brechen aber auch schneller, da sie so einen Großteil der Aufprallenergie absorbieren. Wer in erster Linie im Sommer unterwegs ist, sollte auf entsprechend gute Belüftungsmöglichkeiten achten, da man sonst recht schnell ins Schwitzen kommt. Ein Helm in einer gut sichtbaren Farbe empfiehlt sich immer.

Der CAMP Titan (links) ist ein klassicher Hartschalenhelm mit dicker Kunststoffhülle. Beim Storm Inmould-Helm (rechts) ist der Kern aus expandiertem Polystyrol nur mit einer dünnen Kunststoffschicht überzogen. Er ist deutlich leichter, aber auch weniger robust. Gut zu sehen sind hier auch die vielen Belüftungsöffnungen.

Weitere Informationen zum Thema findest du in unserem Ratgeber Kletterhelme.

Klettergurte

Auch ein Klettergurt gehört zu Standardausrüstung eines jeden Kletterers. Einerseits damit man sich das Kletterseil nicht wie früher um den Bauch binden muss, andererseits zur Befestigung der Ausrüstung. Wichtig ist dabei außerdem, dass der Gurt gut sitzt, d.h. Schnallen zum individuellen Anpassen sind ebenso zu beachten wie eine der Klettertour angemessene Polsterung. Je mehr Verstell- und Befestigungsmöglichkeiten und Polster ein Gurt aufweist, desto schwerer wird er natürlich. Außerdem verringern breite Polster die Beweglichkeit des Kletterers. Als Anfänger ist man mit einem preiswerten Allround-Klettergurt, der einen guten Kompromiss findet, bestens aufgestellt. Auch Sportklettergurte erfüllen diese Anforderungen meistens mit Bravour. Sie wiegen in der Regel weniger, sind aber auch weniger stark gepolstert. 

Ein guter Allrounder, wie der Flint von CAMP (links) findet einen guten Kompromiss aus Gewicht, Polsterung, Verstell- und Befestigungsmöglichkeiten. Beim CAMP Air CR Sportklettergurt (rechts, Rückansicht) verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten von Gewicht und Bewegungsfreiheit - sprich weniger Polsterung, dünnere Bänder und Schnallen.

Weitere Informationen zum Thema findest du in unserem Ratgeber Klettergurte.

Sicherungsgeräte

Sicherungsgeräte dienen, wie der Name schon sagt, dem Absichern des Kletterpartners. Das Seil im Falle eines Sturzes mit bloßen Händen zu halten, ist nahezu unmöglich – die auftretenden Kräfte sind einfach zu groß. Generell lassen sich dynamische von halbautomatischen Sicherungsgeräten unterschieden. Zu den dynamischen gehören Halbmastwurfknoten, „Achter“ und Tubes. Bei den Tubes handelt es sich um kleine parallele Röhrchen, durch die das Seil als Schlaufe läuft, in die wiederum ein Karabiner eingehängt wird. Sie sind leicht zu bedienen und eignen sich gut für alpine Touren. Halbautomatische Sicherungsgeräte funktionieren so, dass sie das Seil automatisch abklemmen, sobald es mit einer bestimmten Geschwindigkeit am Gerät zieht und bremsen so den Sturz recht abrupt ab. Sie sind fehlertoleranter, aber auch schwerer als ihre dynamischen Pendants. Da sie sich nicht für alpine Mehrseillängenrouten eignen, gehören sie in Kletterhallen und -gärten. 

Durch den einfach zu bedienenden Piu2 Tuber (links) wird das Seil als Schlaufe gezogen - die enstehende Reibung bremmst den Sturz ab. Das halbautomatische Sicherungsgerät klemmt das Seil automatisch ab. Das Matik von CAMP ist das derzeit sicherste auf dem Markt.

Weitere Informationen zum Thema findest du in unserem Ratgeber Sicherungsgeräte.

Karabiner und Expressen 

Die wichtigste Eigenschaft von Karabinern ist ihre Bruchlast – sprich wieviel Belastung halten sie aus, bevor sie brechen? Diese Bruchlast ist in Längsrichtung am größten, weshalb Karabiner auch nur so belastet werden sollten. Ein universeller Karabiner für jeden Gurt ist der birnenförmige HMS-Karabiner. Je nach Einsatzzweck des Karabiners ist auch der Verschlussmechanismus von Bedeutung, der verhindert, dass das Seil aus dem Karabiner rutscht. Am gängigsten sind Screw-Lock- und Triple-Lock-Verschlüsse. Bei Express-Sets (kurz: "Exe") genügen einfache Schnappverschlüsse. Eine solche Exe besteht aus zwei verbundenen Karabinern, die das Seil führen. Ein Karabiner kommt in die metallische Hakenlasche am Fels, durch den anderen läuft das Seil.  

Der CAMP HMS Lock Karabiner und der leichte Photon Lock Karabiner sind mit einem Screw-Lock-Verschluss versehen. Bei den Exen ist gut zu erkennen, das mindestens ein Karabiner mit einem Drahtbügel-Verschluss versehen ist. Dieser ist für das Seil bestimmt und beugt dem Whiplash-Effekt vor: Schlägt der Karabiner während des Klettern gegen die Wand, kann ein schwerer Verschluss traägheitsbedingt kurz aufspringen. Bei einem leicht Drahtbügel passiert das äußerst selten.   

Wieviel Hardware man tatsächlich braucht, hängt von der geplanten Tour ab. Hallenkletterer sind mit einem einzigen Karabiner für das Sicherungsgerät bereits versorgt. Ist man draußen unterwegs, steigt die benötigte Menge an Karabinern und Express-Sets deutlich an. 

Wenn man draußen im Fels unterwegs ist, nimmt das Geklimper am Klettergurt schnell zu: Pro Seilschaft sollten 12-15 Exen vorhanden sein, dazu pro Person vier HMS-Karabiner (1x für das Sicherungsgerät, 1x für die Selbstsicherungsschlinge (klein), 1x für die Prusik-Schlinge (klein), 1x zum Umbauen oder für den Rückzug)

Weitere Informationen zum Thema findest du in unserem Ratgeber Kletterhardware.  

Chalk

Bei Chalk kann man nicht viel falsch machen. Die meisten im Handel erhältlichen Chalksorten bestehen größtenteils aus feinkörnigem Magnesiumkarbonat und erfüllen ihre Aufgabe bestens – nämlich Feuchtigkeit aufzunehmen und so für trockene Finger zu sorgen. Man kann Chalk entweder als großen Block kaufen und selbst klein machen oder im wiederverschließbaren Päckchen. Oder noch praktischer: im Chalkball. Das ist ein mit Chalk gefüllter Stoffbeutel, der seinen Inhalt wohldosiert nach außen abgibt und einen sparsamen Materialeinsatz garantiert. Da Kletterchalk allerdings ganz schön staubig ist (so soll es ja auch sein) und man es sicher auch gelegentlich mal einatmet – besonders in schlecht belüfteten Kletterhallen – sollte man auch auf den Herstellungsprozess und die Reinheit des Materials achten.

Chalk kann einem in vielem Formen begegen, zum Beispiel im wiederverschließbaren Päckchen oder im praktischen Chalkball. Beim flüssigen Chalk wird das Magnesiumcarbonat übrigens in einem schnellverdunstenden Alkohol gelöst.

 

Weitere Infos zu Kletterausrüstung und worauf es dabei ankommt, findet ihr außerdem im YouTube-Channel von CAMP, denen wir an dieser Stelle nochmals für die Unterstützung beim Erstellen dieses Artikels danken.

 

Titelbild: CAMP/Cassin

Bilder im Text: Christian Bickel, CAMP/Cassin

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